Weihnachten in Quilotoa

Dienstag, den Januar 15, 2008 von Ute

Direkt vor den Feiertagen ist das viSozial-Team in Ecuador nach Quilotoa gefahren, um den Patenkindern im Rahmen der Weihnachtsaktion Geschenke zu überbringen.

Hier möchte ich euch nun über Weihnachten im andinen Hochland von Ecuador erzählen. Wir haben wieder fleißig Fotos für euch gemacht und sogar ein kleines Video gedreht:

Die meisten Einwohner Südamerikas gehören dem katholischen Glauben an und so ist Weihnachten auch in Ecuador ein bedeutender Feiertag. In großen Städten wird das wichtigste christliche Fest recht ähnlich wie in Deutschland gefeiert, mit einem guten Essen an Heiligabend, Kirchbesuchen, Familienzusammenkünften am Weihnachtsfeiertag, Geschenken, Plätzchen und geschmückten Plastikbäumen. In abgelegenen indigenen Gemeinden in den Anden sind die Bräuche hingegen etwas anders…

Am Wochenende vor Weihnachten fuhr das Team von viSocial Ecuador nach Quilotoa, einem kleinen Dorf auf 3800 Meter Höhe in den Anden. Dort befindet sich das Hauptprojekt von viSocial, das in der Unterstützung der Schüler der Gemeinde mit ihren fünf Grundschulen und ein paar Oberschülern besteht.

Schon auf dem Weg nach Quilotoa konnten wir einen Brauch hautnah erleben: kleine „Wegelagerer“ blockierten die Straße und ließen uns erst nach einer Bestechung mit Süßigkeiten passieren! Glücklicherweise war unser Fahrer vorbereitet und wir konnten den Kinder entlang der Route mit Schokolade und Keksen eine Freude machen.

Als wir einige Straßenblockaden später in Quilotoa am Haus unseres lokalen viSozial-Koordinators José ankamen, war es dunkel und ordentlich kalt. Josés Frau hatte uns aber bereits einen Canzelazo zubereitet, die hiesige Variante von Glühwein aus Naranjilla-Früchten, einem andinen Nachtschattengewächs, dem man selbst einen Schuß Rum nach Belieben beifügt.

In gemütlicher Runde mit José, seiner Frau Delfina und sechs seiner acht Kinder erzählte uns die Familie von Weihnachten in den ecuadorianischen Anden. Neben den auch uns bekannten Bräuchen, wie einem gemeinsamen Essen im Kreis der Familie, stehen in Quilotoa nicht die Geschenke, ein Besuch in der Kirche oder die Zusammenkunft der Familie im Vordergrund. An Weihnachten fahren die Familien von Quilotoa abends in den nächstgroßen Ort Zumbahua, wo auf dem Marktplatz ein reges Treiben herrscht. Von mehreren umliegenden Dörfern und Weilern kommen die Menschen hierher, um zu feiern. Sie bringen holzgeschnitzte Masken mit, die während des Jahres teilweise als Schmuck an den Wänden der Wohnungen hängen. In Gruppen tanzen die Maskierten auf dem Platz, wobei jede Person eine individuelle Rolle tanzt. Es handelt sich also nicht um einen einstudierten Gemeinschaftstanz, sondern um ein improvisiertes gemeinschaftliches Tanzen. Erst spät am Abend finden die Tänze ein Ende und die Teilnehmer machen sich zu Fuß oder auf einfachen Pritschenwagen auf den Heimweg.

Auch wir kuschelten uns tief in unsere Schlafsäcke, nachdem das Feuer in dem kleinen Holzofen in Josés Wohnzimmer erlöscht war. Am nächsten Morgen schon während wir früstückten, versammelten sich immer mehr Kinder teilweise mit ihren Eltern auf der Wiese vor Josés Haus. Um zehn Uhr war die Wiese dicht belagert und mehrere Schulklassen sowie eine Kindergartengruppe sangen der Reihe nach ein Weihnachtslied auf Quechua, Spanisch und sogar Englisch. Fleißig klatschten wir mit den Kindern mit, zum einen, um die kleinen Sänger anzufeuern, zum anderen, um unsere kalten Hände zu wärmen.

Nachdem jedes Kind eine Tüte mit Süßigkeiten erhalten hatte, blieben nur noch die Kinder des Patenprogramms von viSocial da. Nach Schulen wurden sie einzeln aufgerufen und holten sich ihr Weihnachtsgeschenk ab. Jedes Kind bekam von viSocial ein altersgerechtes Puzzle geschenkt, und die Kinder mit persönlichen Patenpäckchen erhielten auch diese. Als wir die Kinder mit ihren Geschenken fotografieren wollten, waren fast alle so aufgeregt, dass sie gar nicht in die Kamera lächeln konnten, aber Tom fand das Zauberwort heraus: „Asi!“ Das heißt „Lächeln“ auf Quichua.

Nach über fünf Stunden und mit eiskalten Füßen war der Spuk vorbei und nur einige Nachzügler, die nicht früher ins Dorf kommen konnten, mussten noch versorgt werden. Die Kinder hatten sich fröhlich auf den Heimweg gemacht, und wir wärmten uns mit heißer Suppe auf, bevor wir den Rückweg durch die weihnachtlichen Straßensperren der Kinder nach Quito antraten.

Auch dieses Jahr konnten wir so durch die Unterstützung von Paten, viventura-Reiseteilnehmern und Spendern den Kindern von Quilotoa wieder eine kleine Weihnachtsfreude bereiten.

Vielen Dank im Namen der Kinder von Quilotoa an alle Unterstützer von viSocial Ecuador!!!

4 Kommentare auf “Weihnachten in Quilotoa”

  1. Isabel schreibt am

    Hallo ihr Lieben,

    großartiges Video :). Klasse, dass ihr uns an der
    Feier teilhaben lasst!

    Einen lieben Gruß aus Arequipa.
    Isabel

  2. Bernd Weber schreibt am

    Hallo Ute,
    dein anschaulicher Bericht und die dazugehörigen Bilder und das Filmchen haben uns einen sehr intensiven Eindruck eurer Weihnachtsfeier vermittelt. Ich konnte es mir auch nicht verkneifen, unserem Pfarrer (der ja auch im “Weihnachtsstress” war) einen link zu senden.
    Wir wünschen euch weiterhin viel Erfolg bei eurer Arbeit!
    Bernd

  3. Ute schreibt am

    Hallo Bernd,

    lieben Dank für dein Lob :-)

    Es freut mich, dass wir dir unsere Feier und das Weihnachtsfest hier im Hochland von Ecuador näher bringen konnten.

    Viele Grüße aus Quito,
    Ute

  4. Yvonne schreibt am

    Aaahhh, wie schoen das Video zu sehen. Das sieht wieder nach einer Super Weihnachtsfeier aus. Viele Gruesse an alle in Quilotoa und meine lieben Kollegen in Quito.
    Bis bald - sagt Yvonne von der Copacabana

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