Das Abeac und die “Dachlosen“
Bei unserem letzten Sozialtag im Sozialprojekt in Salvador am 12. Abril lernten wir drei weitere Projekte kennen, welche als Außenstellen von Abeac unterstützt werden.
Es sind drei Gemeinschaften, welche sich in verlassenen Fabrik- und Hausruinen niedergelassen haben. Diese Menschen hatten vorher auf der Straße gelebt und sich zur Bewegung der „Dachlosen“ zusammengeschlossen. Diese Bewegung besetzt leerstehende Häuser und Fabriken oder deren Ruinen und die Familien zimmern sich aus Abfallmaterial kleine Zimmer im Schutz der Wände und Dächer. Dies brachte bereits eine Verbesserung der in bisher unmenschlichen Situationen lebenden Familien, aber es brachte auch neue Probleme. Der Zusammenschluß von vielen Menschen auf engem Raum führte natürlich zu zwischenmenschlichen Problemen. Der Strom wurde von der öffentlichen Leitung angezapft und durch die unzureichenden sanitären Einrichtungen lebten die Menschen diesmal im eigenen Abfall und Schmutz.
Die Abeac hatte sich dieser Probleme angenommen und die Gemeinschaften organisiert. So gibt es heute die Vorsteher und eine Art Hausrat mit regelmäßigen Versammlungen. Es wurden Normen erlassen, welche das Zusammenleben organisieren und bei Verstößen werden Strafen erlassen. Mittlerweile gibt es auch Tanz- und Capoeiragruppen damit die Kinder und Jugendlichen nicht nur auf der Straße betteln.
In der größten Komune dieser Dachlosen leben 150 Menschen auf drei Etagen im Betongerüst eines unvollendeten Wohnblocks. Nur unten am Eingang gibt es Wasser und zwei Toiletten, welche von allen geteilt werden.
Fernanda, die Leiterin vom Abeac, einige Helfer und Frauen aus der Gemeinschaft haben es geschafft, diese Menschen zu organisieren und ich konnte mich davon überzeugen, dass Armut nicht unbedingt Schmutz und Dreck bedeutet.
Der ganze Wohnblock ist absolut sauber, alles an seinem Platz und auch die ärmlichen Behausungen sind mit Liebe dekoriert und aufgeräumt. In jedem Stockwerk gibt es eine kleine Bar und ein Minigeschäft mit dem Nötigsten. Sogar einen kleinen Raum für den Gottesdienst gibt es. Ich war erstaunt und überrascht und sehr froh, dass sich diese Menschen so gut organisieren konnten.
Nun soll ein kleiner Raum gebaut werden, um den Capoeira- und Tanzunterricht abzuhalten. Bisher wurde dies im Freien gemacht, aber es gibt keinen Platz, wo das Material aufbewahrt werden kann und bei Regen mußte es immer ausfallen. Mit einem mitgebrachten Kocher wird dann auch immer eine Suppe für die Teilnehmer gekocht.
viSozial wird helfem, damit zwei Wände und ein Dach gebaut werden kann. Die anderen beiden Wände existieren schon von der Bauruine. Aber es fehlt natürlich noch viel mehr – Fenster und Türen, Regale und einen glatten Boden. Für Spenden ist das Sozialprojekt natürlich auch sehr dankbar.




