Ein Tag in Copacabana - Geburtstagsausflug der besonderen Art

Donnerstag, den Oktober 30, 2008 von Angelika

Nachfolgender Artikel stammt von Birgit, unserer derzeitigen Voluntaerin im Blindenzentrum.

Happy Birthday! Das Blindenzentrum “Institución Educativa de Nuestra Señora de Copacabana” am Titicacasee hatte Geburtstag. Seit 20 Jahren werden dort blinde, sehbehinderte und geistig behinderte Kinder und Jugendliche unterrichtet.Im katholischen Peru sollte der Dank für diese 20 Jahre vor allem der Schutzpatronin von Schule und Titicacasee, der Señora de Copacabana, gelten. Darum beschloss das Kollegium, mit den Schülern nach Bolivien zu fahren, in den kleinen Wallfahrtsort Copacabana, um der Jungfrau die Ehre zu erweisen. Nach mehreren Terminverschiebungen sollte der Ausflug schließlich an einem Donnerstag stattfinden. Ich wurde eingeladen, mit sieben weiteren Erwachsenen und ca. 12 Schülern die vierstündige Fahrt im “Schulbus” anzutreten.
Um spätestens sieben Uhr sollte es losgehen. Bei meiner Ankunft im Blindenzentrum um kurz vor sieben musste ich jedoch schnell feststellen, dass der Zeitplan wohl nicht aufgehen würde. Die Schüler saßen noch beim Frühstück, der Bus war noch nicht da und auch kein einziger Lehrer in Sicht. Als gegen halb 9 schließlich der Direktor mit dem Schulbus (der sich als Kombi mit ca. 12 Sitzen entpuppte) ankam, stellten wir fest, dass der linke Hinterreifen Luft verlor. Also wurde mit vereinten Kräften das Auto angeschoben, sprang schließlich auch an und zwei Lehrer fuhren Richtung Werkstatt. Für die Schüler und die größtenteils mittlerweile eingetroffenen Lehrer hieß es also erneut warten.
Nach ca. 45 Minuten kam das Auto mit neuem Reifen zurück und endlich konnte es losgehen. Nachdem Essen und Trinken verstaut waren, nahmen die Schüler und schließlich auch die Lehrer Platz. Da der Bus aber leider nicht groß genug war, musste “gestapelt” werden. So saß schließlich die meiste Fahrtzeit über ein Kind auf meinem Schoß. Schön kuschelig fuhren wir los und bereits nach wenigen Metern wurden die ersten Lieder angestimmt und so sangen und lachten wir bis zur bolivianischen Grenze.Copacabana liegt auf der gleichnamigen Halbinsel am Titicacasee und ist vor allem für Peruaner und Bolivianer ein beliebter Pilgerort. Im Dorf angekommen, machten wir uns zunächst auf den Weg Richtung Kathedrale. Die innen komplett vergoldete Kirche nutzten Schüler und Lehrer für zahlreiche Dankgebete. Es wurden Kerzen angezündet für die Señora de Copacabana und für die Schule.
Nach einem kurzen Marktbesuch fuhren wir Richtung Strand, um dort das mitgebrachte Mittagessen mit Blick auf den See zu genießen. Vor der Heimfahrt blieb noch etwas Zeit, um die Umgebung zu erkunden. Diese nutzte ich mit vier stark sehbehinderten Schülern zu einer Tretbootfahrt auf dem See. Nach anfänglicher Angst vor Boot und Wasser genossen die Jugendlichen die Fahrt sehr, wechselten sich ab mit dem Treten und wollten schließlich kaum ans Ufer zurück.
Die Heimfahrt nach Puno verlief dann sehr ruhig. Spät abends erreichten wir mit den glücklich schlafenden Kindern das Zentrum.

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