Erfolgsstory Ernaehrungskampagne
Im Mai 2008 fiel der Startschuss zu unserer Ernaehrungskampagne auf Capachica. Auf Capachica sind die meisten Menschen Selbstversorger, doch auf dieser Hoehe (ca. 3800 m) ist Landwirtschaft schwierig. Allein Kartoffeln, Mais und Quinua (das Andenkorn) gedeihen hier gut. Von einer ausgewogenen Ernaehrung kann keine Rede sein, und so wundert es nicht, dass die Kinder hier viel kleiner sind als in der Stadt und oftmals sehr duenn.
Fuer das Projekt konnte die peruanische Ernaehrungswissenschaftlerin Marie Isabel Parillo Onque gewonnen werden - ein wahrer Gluecksgriff, wie sich schnell zeigen sollte.
Ziel des Projektes ist und war
- allen Kindern eine ausgewogene Mahlzeit am Tag zukommen zu lassen,
- die die Muetter im Wechsel zubereiten
- und dabei Grundkenntnisse ueber Nahrungsbestandteile, eine ausgewogene Ernaehrung etc. erlangen.
Durchgefuehrt wird das Projekt in den Schulen und Kindergaerten (wawawasis) auf Capachica, in denen viSozial seit laengerem aktiv ist, d.h. im wawawasi und in der Schule von Hilata, im wawawasi Santa Maria und in der Schule von Llachón, insgesamt knapp 140 Kinder. Das Ganze sollte natuerlich auch messbar gestaltet werden. So wurden im Mai mit Einverstaendnis der Eltern Koerpergroesse und Gewicht von mehr als 120 Kindern aufgenommen. Die hohe Quote ist allein Marie Isabel zuzuschreiben. Mit unendlicher Geduld und Hingabe ueberzeugte sie in zahlreichen Gespraechen die Eltern davon, dass dies nur zum Besten ihrer Kinder waere, ihnen keine Nachteile daraus entstehen wuerden.
Die Auswertung dieser Messergebnisse zeigte fuer alle Orte mehr als 50 % Unterernaehrung, trauriger Spitzenreiter die Schule von Hilata mit 70,6 %. Ferner war eindeutig festzustellen, je juenger die Kinder, desto gravierender der Grad der Unterernaehrung. So kamen die wawawasis in Hilata und Santa Maria auf knapp 10 % mittlere bis ernste Unterernaehrung, z.T. schon verbunden mit den “aufgedunsenen Baeuchen”, die wir in Europa eigentlich nur mit Fernsehbildern aus Afrika in Verbindung bringen. Ausreisser in die andere Richtung, d.h. Uebergewicht gab es nur in Llachón. Nun gilt hier in Peru gerade auf dem Land immer noch dick = reich, und, um das Ergebnis schon einmal vorwegzunehmen, an dieser Quote haben wir nichts aendern koennen, keiner wollte seinen Reichtum aufgeben. :’(
Am 1. Juni wurde dann das erste Mal gekocht - bis heute erstellt Marie Isabel Muster-Speiseplaene fuer jeden Ort, wobei sie darauf achtet, moeglichst viel “Capachica-eigene” Produkte zu verwenden und auch die althergebrachten Zubereitungsarten zu beruecksichtigen. Hier gab es im Verlauf des Projektes manche Klippe, die sie jedoch mit Bravour gemeistert hat - ich moechte nicht wissen, wie es hier einem Europaeer ergangen waere
. Lebensmittel, die im Sinne einer ausgewogenen Ernaehrung auf Capachica aber kaum zu bekommen oder herzustellen sind wie Obst und Gemuese, schleppt sie bis heute muehsam selber dorthin. Sie besucht jeden Ort einen Tag in der Woche, hilft bei der Zubereitung, erklaert und beantwortet die Fragen, die die Muetter haben.
Bereits Ende Juli erfolgte die erste Kontrollmessung. Es waren gerade mal 2 Monate vergangen, so dass wir keine hohen Erwartungen hegten. Aber die Wirklichkeit belehrte uns eines Besseren - ueberall waren deutliche Verbesserungen messbar, sowohl die Anzahl der Faelle als auch den Grad der Unterernaehrung betreffend. So konnte durchgaengig die Anzahl der Kinder mit einer mittleren bis ernsten Unterernaehrung mindestens halbiert werden, aber auch in den leichterern Faellen gab es Verbesserungen bis hin zum Normalzustand. Besonders beeindruckend die Verbesserungsquoten in Summe in den wawawasis, Hilata mit 11,3 % und Santa Maria sogar mit 16,5 %. Dies zeigt wieder einmal, wie sensibel gerade die Kleinsten reagieren, und wie wichtig es ist, hier fruehzeitig zu helfen, bevor es zu irreparablen Schaeden kommt.
In diesen Tagen finden erneute Messungen statt. Ich kann es kaum erwarten, die Ergebnisse zu bekommen.



