Wir bekommen Besuch!
Beim Besuch der letzten Reisegruppe erfuhren die Kinder vom Casa de los Pinos, dass man mit Perlen nicht nur Ketten, sondern auch wunderschöne Blumen machen kann. „Ich zeig euch wie das geht.“, sagte einer der deutschen Gäste, und setzte sich neben die Kinder.
Auch die Kinder haben etwas für die Gruppe vorbereitet, was diese noch nicht kannte. Der chilenische Tranditionaltanz Cueca istder für jung und alt ist und in Chile bei jedem Fest aufgeführt wird. „Wie wissen die Schritte, es ist ganz leicht“, riefen sie, und tanzten den Besuchern was vor.
Die Tage, an denen Besuch von Reisegruppen im Casa de los Pinos eintreffen sind für alle Beteiligten immer etwas besonders. Dann kann man sein Wissen und sein Können austauschen. Es wird von- und miteinander gelernt. Es werden viel Fragen gestellt und viele Fragen beantwortet. Dabei sind der Neugier und der Fantasie keine Grenzen gesetzt. Sprachbarrieren werden überwunden. Und wenn beim Auffädeln der Perlen einmal welche zu Boden fallen, helfen alle beim Einsammeln mit!
Als deutsche Praktikantin arbeite ich jetzt seit über zwei Monaten mit den Kindern zusammen. Für mich war es schön zu erleben, wie eifrig und interessiert die Kinder, vom Kleinsten bis zum Ältesten, bei der Sache waren. Gut zwei Stunden lang fädelten sie konzentriert Perlen auf. Die fertige Ware kam auf den selbstgebastelten Verkaufstisch. Hier und dort hing man sich die Ketten und Armbänder um den Hals. Man verschenkte sein Produkt weiter. So blieben auch die Besucher nicht unbeschmückt.
Und auch ich bekam eine Kette um den Hals gehängt.
Dieses Geschenk kam von einem Mädchen, das sich mir bisher nur mit Vorsicht genähert hat. Ich denke, dass durch die kreativen Aktivitäten wie Kunst und Tanz am Nachmittag Barrieren überwunden, Ängste vergessen und das Selbstvertrauen der Kinder geweckt werden.
Meiner Meinung nach helfen die Besuche immer beiden Seiten.
Für die Reisegruppe ist es eine gute Erfahrung, denn durch die Sozialprojekte gewinnen sie einen Einblick in soziale Strukturen des Landes, das sie bereisen. Man kommt in Kontakt mir den Bewohnern und taucht ein in deren Alltagswelt. Die erstaunten Gesichter beim Zuschauen der Tanzaufführung sprachen Bände. Wie ist es möglich, dass die Kinder in so kurzer Zeit eine solche Performance zustande bringen? Wie ist es möglich, dass die auch das hyperaktivste der Kinder eine zwei Meter lange Kette vollendet, wo dieses doch normalerweise keine zwei Minuten still sitzen kann?
Wer schon mal mit Kindern gearbeitet hat weiß, dass jedem Kind grosses Talent und Potenzial innewohnt. Es liegt an der Aufgabe der Eltern und Erziehungsverantwortlichen dieses Potenzial hervorzurufen und zu steigern. Ich bin froh, dass sich das „Casa de los Pinos“ diese Aufgabe zu Herzen nimmt. In vielen Familien der Kinder herrschen größte Armut und andere Missstände.
Die Besuche entsprechen immer dem Motto: Nicht nur nehmen, sondern auch geben.
So kamen die Reisegruppen nicht ohne leere Hände. Als Spenden aus Deutschland brachten sie von Kuscheltieren, Schulmaterialien über Zahnputzzeug bis hin zu Fussbällen für die Kinder mit. Diese freuten sich riesig und in den Folgetagen konnte ich mich vor der Frage „Können wir mit dem Ball spielen?“ kaum retten.
Als die Kinder alles aufgeräumt hatten, die Perlen verstaut und die Stühle geordnet waren erhielten alle eine deutsche Süssigkeit. Mmhh, das schmeckt gut.
Nach dem täglichen Abendbrot zeigte ich den Kindern, wo sich Deutschland befindet. „Kommt man da mit dem Boot hin?“, fragten sie.
Bald werde ich mich mit ihnen auf eine Paddelreise nach Deutschland aufbrechen, doch zuvor müssen wir noch ein paar deutsche Sätze lernen. Wir wollen uns doch unterhalten können, wenn wir dort ankommen.
Danke an alle Besucher, die sich eingebracht haben. Danke für die Geschenke und Spenden, die den Alltag der Kinder bereichern. Und danke, dass die Kinder durch euren Besuch eine bessere Vorstellung davon bekommen können, dass es eine Welt außerhalb Casa Viejas gibt.
Bis bald,
Asja.

