Überraschende Fiesta!

p3160592-150x150 Überraschende Fiesta!Nachdem ich vor zwei Wochen die Gemeinde Santiago de Okola kennenlernen durfte, ging es schon bald darauf mit der Arbeit für das Patenschaftsprogramm los. Meike und ich sind mit Kamera und Fragebögen bewaffnet an den Titicacasee gefahren, um endlich Informationen über die Kinder zu sammeln. Nach einem kurzen Gespräch mit dem Professor gab es allerdings erst eine Ansprache auf dem Schulhof, da an diesem Tag offiziell die Autoritäten der Schule und der Gemeinde in ihr Amt gehoben wurden. Nach kleinen künstlerischen Darbietungen der Schüler, wie zum Beispiel ein toller Karaokeauftritt mit selbst gebastelten Instrumenten und Kostümen wurden wir zusammen mit den Autoritäten in einen Minibus gequetscht. Aufgrund von Platzmangel ging es sowohl in als auch auf dem Bus nach Kerihuati, einer kleineren Gemeinde etwa 15 Minuten von Santiago de Okola entfernt, von deren Schule wir auch zwei Klassen für das Patenschaftsprogramm ausgewählt haben. Endlich kamen wir mit unserer Arbeit voran und hatten gerade die ersten Kinder fotografiert und befragt, da wurden wir auch schon wieder von den Festlichkeiten unterbrochen.

Erneut wurden die neuen Autoritäten geehrt und sie bekamen vom Direktor die bunten Peitschen umgehängt, die sie als Dorfbewohner mit besonderem Rang auszeichnen und erkennbar machen. Danach gab es das erste Essen, und wir wurden wieder sehr herzlich und großzügig bewirtet. Mit dem Gedanken, jetzt mit den Kindern weiter arbeiten zu können, lagen wir allerdings falsch -  jetzt ging das Fest erst so richtig los! Der erste Kasten Bier wurde an den Tisch des Direktors gebracht und es dauerte nicht lange, bis die Tücher voller Koka Blätter ausgebreitet wurden und der Schnaps aus Kanistern herumging. Jedes mal, wenn uns das Glas gereicht wurde, haben wir gesetz den Bräuchen der Dorfbewohner getrunken: zu allererst einen kleinen Schluck auf die Erde schütten, als Opfer für Pachamama. Dann trinken, aber den letzten Rest wieder für den Boden übrig lassen. So ging das eine ganze Weile, und da es in dieser Kultur eine Beleidigung wäre, eine Einladung abzulehnen, mussten wir irgendwann Pachamama für uns nutzen. Das heißt, es gab letztendlich 80% des Glases für Pachamama, und nur noch 20% für uns -  anders hätten wir diese Feier wohl kaum heil überstanden.

Wir waren beide glücklich und stolz, an diesem Fest teilnehmen zu dürfen. Wo sonst bekommt man so einen tollen Einblick in die Bräuche und das Leben einer anderen Kultur? Es war für uns eine wunderschöne Erfahrung, die Menschen hier mit ihren Traditionen näher kennen zu lernen.

Nachdem wir diesen ereignisreichen Tag mit einem Spaziergang am Strand haben ausklingen lassen, konnten wir am nächsten Morgen mit neuer Energie an unsere Arbeit. Wir haben viel über die Kinder der Schulen Santiago de Okola, Kerihuati und Omacuyo erfahren, und gesehen, wo unsere Hilfe am dringendsten benötigt wird. Denn die Unterschiede der Schulen und ihrer Ausstattung sind enorm. Aber der erste Schritt in die richtige Richtung wurde gemacht, und es wird nicht mehr lange dauern, bis wir das Patenschaftsprogramm endlich online stellen können.p3160495 Überraschende Fiesta!

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