Francisco bringt die Los Pinos-Kinder zum RTL Spendenmarathon

besuch_francisco-medina-150x127 Francisco bringt die Los Pinos-Kinder zum RTL SpendenmarathonMaximilian von Altenburg ist intrigant, ein echter Fiesling. Das bestätigt mir Francisco im Gespräch. Und er muss es wissen, denn Francisco Medina verkörpert die Figur des Max in der RTL-Vorabendserie “Alles was zählt“. Über sich selbst als Privatperson redet er ungern, meint aber, dass er “recht wenig mit dem Maximilian gemein habe” (Zitat aus RTL-Kurzinterview).

Francisco sitzt auf dem Sofa unseres Büros in Chile. Auf www.visozial.org hat sich der Schauspieler mit deutsch-chilenischen Wurzeln über die Kindertagesstätte “Casa de los Pinos“, informiert und uns im Anschluss per E-Mail seine Idee vorgestellt: Seit 1996 veranstaltet RTL einmal im Jahr einen 24-stündigen Spendenmarathon. Verschiedene, von einer Jury ausgewählte Projekte empfangen die Gelder, die während der Sendung gesammelt werden. Francisco will sich unser Projekt nun bei seinem Besuch in Santiago ansehen, Aufnahmen machen und in Deutschland der Jury des Spendenmarathons vorstellen. Natürlich muss unser “Casa de los Pinos” erst einmal Francisco überzeugen.

Deshalb fahren wir nach einem gemeinsamen Kaffee in den Süden Santiagos, in das Stadtviertel Puente Alto, wo sich die Kindertagesstätte befindet.

Nach etwa einer Dreiviertelstunde Fahrt biegen wir von der breiten, zweispurigen Straße, die uns aus Santiago in die bergige Andenlandschaft führt, ab und fahren auf einer schmalen Straße ins Wohnviertel Puente Alto. Es ist ein schöner Sommertag, der Himmel wolkenlos. Die Straße zur Tagesstätte ist geteert, links und rechts säumen grüne Bäume und Laternenmasten die Straße. Zwar sind die dahinter aneinandergereihten Holzhäuser in offensichtlich renovierungsbedürftigem Zustand, ein paar Baracken tun sich dazwischen auch hin und wieder auf, aber ehrlich gesagt, ein fast idyllisches Bild, das sich uns bietet.

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Das Casa de los Pinos begrüßt uns ebenso gut gelaunt. Viele der Jugendlichen sind in der Schule oder mit einem Betreuer des Projekts außerhalb beim Fußballspielen, so dass das Haus mit seinem Vorplatz und den ca. 20 Kindern, die uns erwarten, einen großzügigen Eindruck macht. Die Wände sind bunt gestrichen, die Stühle und Tische im Gemeinschaftsraum sauber aufgereiht.

Während Francisco ohne Scheu und im breitesten Chilenisch auf die Kindern zugeht, denke ich an eine Gruppe Touristen zurück, die an einem ähnlichen Tag vorletztes Jahr hier war. “Das sei doch nichts im Vergleich zu dem Sozialprojekt in Arequipa,” hatte dort ein Teilnehmer, der zuvor bereits durch Peru gereist war, nebenbei bemerkt. Ja, es ist wahr: Würden mir Fotos von unseren Projekten in Arequipa und Santiago vorgelegt, würde ich wohl beim Anblick der Lehmhäuser in der kargen Steinwüstenlandschaft eher eine Spende nach Arequipa senden als hierher. Obwohl sich der Standard der Schule in Peru und unserer Kindertagesstätte kaum unterscheidet. Sowieso, ginge es rein um solch äußere Merkmale, müssten wir die Armut vielerorts in Deutschland, Österreich und in der Schweiz wohl als beendet erklären.

Tatsächlich leben in Puente Alto viele der zirka 600.000 Einwohner unter der Armutsgrenze. Neben einer unzureichenden Gesundheitsfürsorge, die für diese Gesellschaftsschicht typisch ist, leiden sie gerade im Sommer unter akutem Wassermangel. Längst nicht alle Häuser sind an das Stromnetz, dessen Kabel sich an der Hauptstraße des Stadtteils noch von Mast zu Mast hangeln, angeschlossen.

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In der Zwischenzeit interviewt Francisco Luis, den Leiter des Projekts. Luis erzhält ihm, dass das Casa de los Pinos für 150 Kinder wie ein zweites Zuhause ist. Im eigenen Heim erhalten sie oftmals keine oder wenig Aufmerksamkeit von den Eltern, falls überhaupt noch beide Elternteile im Haus leben. Nicht selten hört man von Kindesmissbrauch. Luis erzählt auch von Gewalt und Drogenkonsum im Viertel. Erwähnt aber nicht ohne Stolz, dass beides in den letzten Jahren merklich zurückgegangen ist.

Ein Erfolg, der dem Projekt letztes Jahr fast zum Verhängnis geworden wäre. Mit dem wirtschaftlichen Wachstum Chiles haben internationale Hilfsorganisationen den Anfang gemacht und ihr Engagement im Land nach und nach eingestellt. Vergangenes Jahr beschloss dann der chilenische Staat die Fördergelder vor allem in Einrichtungen, die mit straffällig gewordenen Jugendlichen arbeiten, zu leiten. Das Casa de los Pinos, das als Präventivprojekt gilt, fiel hierbei unter den Tisch. Ohne eine Übergangslösung wurde die Finanzierung durch den Staat aufgehoben. Von Nachhaltigkeit keine Spur.

Somit unterhält nun der chilenische Partnerverein von viSozial e.V. alleine das Projekt. Dessen Fortbestand ist derzeit dank viventura-Touren, bei denen wir 25 Euro Spende pro Teilnehmer erhalten, der Kinder- und Projektpatenschaften, den Online-Spendern auf viSozial.org und der viventura-Spende aus dem Adventsgewinnspiel, das etwas mehr als 8.000 Euro einbrachte, bis November dieses Jahres gesichert.

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Zum Abschluss gehen wir zum Haus, in dem der 13-jährige Tito mit seinen beiden Brüdern und seinem Vater lebt. Die Mutter hat die Familie verlassen als Tito fünf Jahre alt war. Der Weg ist nicht mehr geteert und die Laternenpfähle begleiten auch nicht mehr unseren Weg, aber die Sonne lacht weiterhin vom Himmel. Beim Betreten der Holzhütte schlägt uns die Hitze, die sich unter dem Wellblechdach gebildet hat, entgegen. Es riecht entsprechend muffig. Die Wohnküche und die beiden Zimmer sind mit selbstgezimmerten Holzregalen ausgestattet, deren Fächer ein für unser Auge unsortiertes Allerlei beinhalten. Ein Sessel steht im Wohnzimmer. Die bunt gestrichenen Wände aus dem Casa de los Pinos vermissen wir sofort. An einer Bretterwand des Wohnzimmers hängen Medallien. Tito erzählt Francisco stolz, dass er sie beim Sport gewonnen hat. Die beiden unterhalten sich, Francisco macht Aufnahmen.

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Als wir eine halbe Stunde später wieder ins Zentrum Santiagos fahren, sagt Francisco, dass er erst dort verstanden hat, wieso das Casa de los Pinos als Oase für die Kinder gilt. Und wieso selbst die Jüngsten protestiert haben als Luis ihnen im September 2008 erklärte, dass er nicht wisse wie das Projekt in den nächsten Monaten finanziert werden könne.

Ich blicke aus dem Fenster in den blauen Himmel und frage mich, ob die Bilder wohl ausreichen um die Jury zu überzeugen. Gleichzeitig fühle ich mich etwas komisch, weil ich mich so auf diese Konkurrenzsituation einlasse. Natürlich haben es viele Projekte, ob in Peru, Chile, Indien oder in der Schweiz, verdient unterstützt zu werden. Aber werden heutzutage nur die Projekte unterstützt, die es besonders geschickt verstehen das Elend und nicht die Erfolge der eigenen Arbeit zu präsentieren? Oder sind Projekte, die erfolgreich sind, bereits nicht mehr unterstützenswert? Ich wische die Fragen beiseite als Francisco mir die Hand zur Verabschiedung hinstreckt. Wir lassen ihn an einer Straßenecke raus und schicken ihm unsere besten Wünsche mit. Er muss zum nächsten Termin, dem Bürgermeister. Wie ein echter Fernsehstar eben, nur dass ihn hier niemand erkennt. Als fiesen Maximilian schon gar nicht…

DAS WAR IM JANUAR!

Heute können wir voller Stolz und Freude verkünden: Wir sind beim RTL Spendenmarathon 2009 dabei! Vielen Dank an alle Beteiligten und besonders natürlich an Francisco, der sich sehr für uns engagiert!

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