Ankunft in Los Pinos
“Das Andenpanorama ist eigentlich sehr schön”, sage ich zu Christine, auch einer Volontärin im Sozialprojekt “Casa de los Pinos” in Santiago de Chile. “Ja”, meint sie, “wenn das Drumherum nicht wäre.” Wir sind den zweiten Tag unserer Volontärszeit auf dem Weg ins Projekt und haben von der höherliegenden Metro einen guten Überblick über den südlichsten, größten und ärmsten Stadtteil Santiagos Puento Alto. Die hohen Bauten und Glasfassaden haben wir hinter uns gelassen. Immer mehr Häuser mit Wellblechdächern tauchen auf. Teilweise sehen die kleinen, meist einstöckigen Häuser schön aus, wenn sie von Weinreben umrankt werden. Was sich im Innern der Häuser abspielt, wissen wir nicht.
Puento Alto ist der soziale Brennpunkt der Millionenstadt Santiago. “Drogen, Alkoholismus und Missbrauch sind hier an der Tagesordnung”, erklärt uns Luis, Psychologe und Direktor von “Casa de los Pinos”. “80% der Menschen in Puento Alto leben unterhalb der Armutsgrenze. Viele sind arbeitslos oder nur als Saisonarbeiter auf den angrenzenden Feldern tätig. Hinzu kommt, dass beispielsweise Wein – vor allem schlechter – um ein Vielfaches billiger ist als Milch, was das Alkoholismusproblem verstärkt.” Wie in allen sozialen Brennpunkten der Welt, leiden auch in Puento Alto vor allem die Kinder unter der Situation. Die Kindertagesstätte “Casa de los Pinos” setzt hier an und betreut derzeit insgesamt etwa 80 Kinder nachmittags nach der Schule. Luis, Angelika, Raquel und Amelia kümmern sich liebevoll um die Kinder und Volontäre wie Christine und ich unterstützen sie dabei.
Die Kinder machen einem den Einstieg sehr leicht, weil sie keine Berührungsängste haben und sprachliche Barrieren nicht kennen. Zwar sprechen sie – wie alle Chilenen – undeutlich und in einem rasend schnellen Tempo, aber sie sind geduldig im x-ten Malen Wiederholen ihrer Frage, weil ich sie natürlich wieder nicht verstanden habe. Andere haben sichtlich Spaß daran, nach roboterart in abgehackten Worten betont langsam zu sprechen. Außerdem ist Sprache nur ein (kleiner) Teil von Kommunikation. Wenn nach wenigen Tagen ein Mädchen freudestrahlend einem mit den Worten “Holaaaaa, tíoooooo!” um den Hals fällt, muss man nicht chilenisch können, um zu verstehen, dass man willkommen ist.





Hallo Dominik,
freut mich, dass du so schöne Erfahrungen in Chile machst. Land und Leute sind einfach ein Traum, vor allem die, die aus den sozial schwächeren Schichten kommen. Du kannst dir auf jeden Fall sicher sein, dass du nachdem du nur unter Chilenen warst, nie wieder Probleme mit irgend einem spanischen Akzent haben wirst:)
Liebe Grüße aus Peru. Denise