Das Leben eines “profesor de ingles” in Llachon, Capachica
Seit knapp einem Monat haben wir in Capachica das Pilotprojekt “Volontär in Capachica” gestartet. Nicholas aus Wiesbaden hat sich entschieden während seiner Südamerikareise einen kleinen Abstecher nach Peru zu machen um in unserem Projekt auf der Halbinsel Capachica am Titicacasee als Volontär zu arbeiten. Nachmittags unterrichtet er Englisch an der Grundschule von Llachon und hilft unserer Ernährungsberaterin Isabel bei der Verteilung der Alimente. Er wohnt, schläft und isst bei einheimischen Familien in deren Adobehäusern ohne Heizung oder fließend Wasser. Der (gefühlte) 2 Meter große Nicholas fällt sofort auf unter den durchschnittlich 1,65 großen Peruaner. Er lebt sich jedoch sehr gut in den Alltag einer campesino Familie ein und scheint seinen Aufenthalt auf Capachica und die Erfahrungen die er macht sehr zu genießen. Bis auf ein gutes Stück Fleisch und einer frischen Latte Macchiatto scheint er nicht viel zu vermissen.
Hier seine Eindrücke über das Leben eines Englischlehrers in Llachon:
Ursprünglich hatte ich nie vor nach Peru zu reisen. Heute esse ich jeden Tag inmitten einer peruanischen Familie zu Abend. Nicht einmal fünf Minuten entfernt befindet sich der höchste See der Welt, Lago Titicaca, an dessen kleinen Stränden ich jeden Tag die Stille und Schönheit der Landschaft genieße. Ja, es ist ein entspannendes Leben hier in Llachon, Capachica.
Montags bis Mittwochs unterrichte ich an der hiesigen Schule jeweils 90 Minuten Englisch. Die Schule hat 145 Schüler zwischen sechs und fünfzehn Jahren auf sechs Klassen verteilt. Im Grunde unterrichte ich alle, doch es erscheinen zu meinem Unterricht durchschnittlich jeweils 18 Kinder, was wohl der peruanischen Einstellung zu Disziplin geschuldet ist. Ich unterrichte zum ersten mal, habe eigentlich Wirtschaftsrecht studiert. Am Anfang war es recht anstrengend die Kleinen in den Griff zu kriegen, wie gesagt, die Mentalität ist hier sehr verschieden zu Deutschland. Doch mittlerweile haben sich die Kinder an ihren “profesor de ingles” gewöhnt und es macht mir Spaß zu unterrichten.
Jeden Morgen helfe ich Isabel, die Ernährungsberaterin aus Puno, mit der Verteilung der “alimentos” , also dem Mittagsimbiss. Da hier weder Früchte angebaut noch verkauft werden, bringt Isabel jeden Montag die Ration für die ganze Woche. Täglich kommen drei Mütter der Schüler an die Schule, bereiten den Imbiss zu und verteilen ihn. Das geschieht zwischen 9:30 und 11:30 Uhr. Alles geht hier ein wenig langsamer. Am längsten dauert es wenn gekochte Eier verteilt werden, da sie erst gekocht werden müssen. Meine Aufgabe ist es, bei der Verteilung (nicht bei der Zubereitung) zu helfen. Wir gehen alle Klassen durch, die Kinder stellen sich in eine Reihe und es wird verteilt. Meine Anwesenheit/Hilfe wird benötigt, da Mütter sonst nicht erscheinen bzw. sich Essen in die eigene Tasche stecken würden.
Ich bin sehr froh diese Erfahrung hier zu machen, inmitten einer indigenen Gesellschaft zu leben und sogar ein paar Worte der Inka-Sprache “Quechua” zu lernen, die hier noch gesprochen wird. Die Menschen sind sehr herzlich und meine Hilfe wir hier dringend benötigt. Me gusta Llachon!
Nicholas, 26, Wiesbaden, Deutschland




