Amelias Leben im Casa de los Pinos

amelia-1206_small-150x150 Amelias Leben im Casa de los Pinos „Es ist hier wie mein Zuhause“, sagt die heute 22-jährige Amelia Ivonne Chandía Riquelme im Gespräch mit Christine und Dominik, den derzeitigen Volontären im Sozialprojekt „Casa de los Pinos“ in Santiago de Chile. Das Projekt befindet sich im südlichsten und ärmsten Stadtbezirk Santiagos, wo etwa 80% der Bevölkerung unterhalb der Armutsgrenze leben. Im Casa de los Pinos werden Kinder und Jugendliche, die aus schwierigen sozialen Verhältnissen kommen, nach der Schule betreut.

Mit 4 Jahren kam auch Amelia in das Projekt. Damals konnte sie aufgrund einer Behinderung weder sprechen noch laufen. „Am Anfang hatte ich Angst und die anderen Kinder haben mich oft geärgert,“ erinnert sich Amelia. „Aber die Betreuer haben mir sehr geholfen.“ Die Betreuer – Amelia denkt dabei vor allem an Susán und Pati – beschäftigten sich häufig mit Amelia, unterstützten sie und übten mit ihr das Laufen und Sprechen.

Mit etwa 6 Jahren war es soweit. „Mein Leben änderte sich damals total. Auf einmal konnte ich gehen und mehrere Worte sagen“, erzählt Amelia strahlend. Dadurch konnte Amelia viel mehr an den zahlreichen Angeboten, die es damals im Los Pinos gab, teilnehmen. Jeden Tag fanden für die etwa 90 Kinder zwei oder drei Workshops wie Theaterspielen, Sport, Handarbeit, Malen, Tanzen, Musik, Bibelarbeit etc. statt und das Projekt hatte den ganzen Tag geöffnet. „Wir hatten auch viel mehr Platz zum Spielen.,“ berichtet Amelia, „Vor zwei Jahren wurde auf dem Gelände die Schule Los Pinos gebaut und die große Fläche mit Klettergerüsten, Schaukeln und Bäumen verschwand.

Durch eine Schulreform wurde auch der Unterricht für alle Kinder auf vormittags gelegt, sodass die Kinder nun nur noch am Nachmittag ins Casa de los Pinos kommen können. Und noch eine gravierende Veränderung betraf das Projekt unmittelbar: Im vergangenen Jahr wurden die staatlichen Fördergelder gestrichen, wodurch ein erheblicher finanzieller Verlust entstand und vor allem die sozialtherapeutischen Maßnahmen stark reduziert werden mussten. Dennoch ist Amelia überzeugt, dass auch heute das Projekt unverzichtbar und „eine Hilfe für das Leben“ ist. Viele Kinder haben zu Hause nichts, worüber sie sich freuen können. Und auch nicht jeden Tag gibt es was zu Essen. Im Casa de los Pinos bekommen die Kinder eine Mahlzeit und eine liebevolle Betreuung.

Heute unterstützt Amelia im Rahmen eines Praktikums aktiv die Betreuerinnen bei ihrer Arbeit mit den Kindern, beim Vorbereiten des Essens und beim Aufräumen. „Die Hilfe, die ich damals erfahren habe, möchte ich heute weitergeben,“ erklärt Amelia ihre Motivation, sich freiwillig im Centro Los Pinos zu engagieren. Da sie aus dem selben Hintergrund wie viele Kinder kommt, kann sie sich wie keine andere Person in die Situation der Kinder hineinversetzen und ist deswegen eine besonders große Hilfe. Parallel zu ihrem Engegement im Los Pinos absolviert Amelia eine Ausbildung in der Tourismusbranche. „Es ist mein großer Traum, irgendwann in Pucón [im Süden Chiles] zusammen mit meinem Cousin als Touristenführer zu arbeiten.“

Es ist Amelia zu wünschen, dass ihr Traum in Erfüllung geht.Amelia mit Nacho

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