In Medellin schafft eine kleine Bibliothek große Hoffnung
Wir freuen uns sehr, nach langer Vorbereitung euch unser neues Projekt in Kolumbien vorstellen zu können. Bei einer Citytour, die über Hintergründe der Zeiten des größten Drogenbarons Pablo Escobar aufklärte, lernten wir Luis Angel kennen. Einen Mann, der seit seinem 10. Lebensjahr an Muskelschwund leitet, aber trotz seiner Krankheit auf eigene Initiative (ohne staatliche Hilfe) eine Bibliothek für die Kinder des Viertels aufgebaut hat.
Vor 2 Wochen waren wir das erste Mal als komplettes Team vor Ort, um die ersten neuen Bücher als Symbol für unsere zukünftige Zusammenarbeit zu überreichen. Rebecca, die momentan als Praktikantin der Geschäftsführung von viSozial tätig ist, hat ihre ersten Eindrücke zu Medellin und dem neuen Projekt aufgeschrieben und das wollen wir euch nicht vorenthalten. Mehr über die Bibliothek lest ihr unter: http://visozial.org/kolumbien/bibliothek-luis-angel
Kaum habe ich Deutschland verlassen und bin in Medellin angekommen heisst es schon: „So, heute besuchen wir die Bibliothek von Don Luis. Komm Rebecca, auf geht’s!“ Und so finde ich mich auf einer 15minütigen turbulenten Autofahrt wieder vom Zentrum Medellins in einen ärmeren sehr hoch gelegenen Stadtteil. Unterwegs müssen wir, ein Teil des Teams ViSozial und Viventura, aus dem Auto aussteigen, weil der Weg so steil ist oder wir zu schwer, man weiss es nicht so genau. Vor einem dunklen unscheinbaren Häuschen hält unser Auto an. -Hier soll tatsächlich eine Bibliothek sein?
Oben angekommen erwartet uns schon eine Gruppe von Kindern zwischen vier und zwölf Jahren, die uns mit ihren großen braunen Knopfaugen erwartungsvoll anschauen. Nach einer herzlichen Begrüßung der Kinder betreten wir den kleinen dunklen Raum. Links neben dem Eingang hinter einem niedrigen Holztisch sitzt ein älterer Mann, zusammengekauert und von seiner schweren Muskelschwunderkrankung gezeichnet.

„Hola, Don Luis“ begrüßt Nicole den Mann erfreut. Ein Lächeln huscht über sein vernarbtes Gesicht „Hola, como estas?“. „Wir haben dir neue Buecher fuer deine Bibliothek mitgebracht!“ erklärt sie auf spanisch und breitet gleichzeitig die vielen neuen Bücher vor Don Luis auf dem kleinen Holztisch aus. Die Bibliothek umfasst bereits viele Bücher von Mathematik bis Geografie, allerdings sind diese bereits sehr alt und zerschlissen und so freut sich Don Luis riesig über die Erweiterung seiner Bibliothek. Wissbegierig greifen die Kinder nach den neuen Büchern, darunter auch ein Malbuch, was sofort von sechs Kindern gleichzeitig von allen Seiten des Tisches aus mit den neu errungenen Wasserfarben ausgemalt wird. Ich schaue auf und erkenne erst jetzt die Regalreihen voller Bücher. Auf einmal zupft es an meinem Tshirt. Ein zwölfjähriger Junge namens David steht vor mir mit einem der neuen Bücher in der Hand, einem Deutsch-Spanisch-Lexikon: „Du, wie heisst das da auf deutsch? Und das? Und sag mir mal viele bekannte große deutsche Städte. Ich kenne nur Berlin.“ Von so viel Wissensdurst bin ich total überrascht und fasziniert zugleich und versuche ihm seine Fragen so gut es geht in meinem Anfängerspanisch zu beantworten.
Nachdem sich alle Kinder mit Milch und Kuchen stärken konnten ruft Max auf einmal: „So, jetzt spielen wir Topfschlagen!“. Alle Kinder, deren Zahl sich in der Zwischenzeit übrigens nahezu verdoppelt hat, versammeln sich um Max und wollen alle als erstes an der Reihe sein, um die tollen Süßigkeiten unter dem Topf zu ergattern.

Ich schaue mich noch einmal um und sehe einen kleinen Jungen am Tisch von Don Luis sitzen und seine Hausaufgaben machen. „Unglaublich“, wird es mir schlagartig bewusst, da lebt doch tatsächlich in den Hoehen Medellins in einem dunklen unscheinbaren Haus ein Mann der durch seinen persönlichen Einsatz eine Bibliothek geschaffen hat, die den Wissensdurst von so vielen Kindern stillt und so vielen Kinder ein bildungssichere Zukunft bietet. Danke, Don Luis.






Hallo Rebecca,
danke für den schönen Artikel. Ich fühle mich immer sehr wohl in der Bibliothek und auch im Viertel und freue mich sehr auf unsere Arbeit dort!
Liebe Grüße
Nicole
Hallo Rebecca, Dein Bericht ist sehr interessant. Die Arbeit von Don Luis, Hut ab vor dem Mann. Diese Arbeit muß man einfach unterstützen und werden es auch tun.
LG
Vielen Dank für deine zukünftige Unterstützung. Wir freuen uns sehr die Bibliothek erweitern zu können und den Kindern von Medellin aus dem Barrio Pablo Escobar in Form von bspw. neuen Büchern eine bessere Zukunft geben zu können.