Als Volontär im Casa de los Pinos

Dominik und MarcoSeit Mai 2009 arbeitet Dominik als Volontär in der Kindertagesstätte Casa de los Pinos in Santiago de Chile und im Verwaltungsbereich der Fundación Visocial Chile, die Träger des Los Pinos ist. In einem Interview erzählt er von seiner Arbeit und seinen Erfahrungen.

Warum arbeitest du als Volontär in Chile?

Ich habe eine berufliche Auszeit von einem Jahr, in dem ich etwas „Sinnvolles“ tun wollte. Über das Internet bin ich auf viSozial und das Projekt „Casa de los Pinos“ gestoßen, was mir sehr gefallen hat. Dadurch bin ich nach Chile gelangt, was ich bislang noch keinen Tag bereut habe. Die Chilenen sind sehr freundlich und die Landschaft einfach atemberaubend. Ich fühle mich in Chile sehr wohl.

Was findest du an der Vermittlung durch viSozial gut?

Ich habe lange im Internet gesucht und mir verschiedene Organisationen angesehen. Nach meinen Recherchen gibt es zwei große Gruppen. Einmal Hilfsorgansationen – zum Teil in kirchlicher Trägerschaft – , die im Rahmen von einem Freiwiligen Sozialen Jahr oder Missionar auf Zeit o.ä. Freiwillige vermitteln. Hier gab es Kriterien, die für mich ungünstig waren wie z.B. eine Altersbeschränkung bis 27 Jahre, Programme, bei denen nur zu einem bestimmten Zeitpunkt eine Freiwilligenarbeit begonnen werden kann oder Verpflichtungen über die Zeit der Freiwilligenarbeit hinaus. Die zweite große Gruppe sind Organisationen, die kostenpflichtig Freiwillige vermitteln. Hier konnte ich oft nicht erkennen, wofür das Geld eigentlich verwendet wird. Meist gibt es Pakete in Kombination mit Sprachkurse, Unterkunft etc. Sehr häufig war die Freiwilligentätigkeit auf 4 Wochen begrenzt, was meiner Meinung nach viel zu kurz ist und eher dafür spricht, dass in einem bestimmten Zeitraum möglichst viele Freiwillige vermittelt werden sollen.

viSozial lässt sich zu keiner der Gruppen zuordnen. Hier hat mir besonders die Transparenz, Flexibilität und Unabhängigkeit gefallen. Man kann klar erkennen, dass es darum geht, wirklich den Projekten zu helfen und gleichzeitig für die Freiwilligen einen Zeitraum voller Erfahrungen zu schaffen. Es gibt keine Abhängigkeiten, weil viSozial für Flug, Unterkunft, Versicherungen etc. nicht verantwortlich ist, gleichzeitig aber die Vermittlung auch kostenfrei geschieht. Für mich ein super Modell. Etwas Vergleichbares habe ich nicht gefunden.

Wie hast du dich beworben?

Ich hatte mich auf der Homepage von viSozial über das Projekt informiert und mich dann mit der Ansprechpartnerin Katharina in Verbindung gesetzt. An sie hatte ich dann auch meine Bewerbung auf spanisch geschickt.

Wie war die Betreuung im Vorfeld deines Aufenthaltes?

Hervorragend. Dass es sich um eine kostenfreie Vermittlung handelt, und deshalb auch für die Organisation des Aufenthaltes keine Verantwortung übernommen werden kann, war überhaupt nicht zu merken. Es war einfach super, jederzeit Informationen zu bekommen. Mails wurden zeitnah beantwortet und auch mehrere Telefonate über Skype waren möglich. Sogar bei der Suche nach einer Unterkunft hatte ich Unterstützung.

Welche Vorbereitungen hattest du vor deinem Aufenthalt?

Da gab es einiges. Spontan fallen mir ein: Zwischenmieter suchen, Auto abmelden, Konto einrichten, um kostenfrei Geld abheben zu können, Versicherungen prüfen, ob sie auch im Ausland gelten, Auslandskrankenversicherung abschließen, Impfungen auffrischen, Flug buchen, Unterkunft in Santiago suchen, Sprachkurs in der vhs zur Auffrischung…

Wie kamst du sprachlich zurecht?

Wie gesagt, ich habe vorher in Deutschland noch einmal einen Kurs zur Auffrischung gemacht, weil ich einige Jahre nichts mehr mit Spanisch zu tun hatte. Hier in Santiago habe ich dann am Anfang auch noch einmal einen 2wöchigen Kurs belegt, um etwas sicherer zu werden. Mir hat sehr geholfen, dass ich bei zwei Chilenen wohne, die weder deutsch noch englisch können. Mittlerweile muss ich nicht mehr mit dem Wörterbuch aus dem Haus, auch wenn es Tage gibt, an denen man nichts versteht. Das liegt aber dann häufig daran, dass Chilenen sehr schnell und undeutlich sprechen – oder an zu wenigem Schlaf… Die Kinder im Projekt haben keinerlei Berührungsängste und den Wortschatz, den man zum UNO-Spielen braucht, hat man schnell gelernt. Trotzdem ist es natürlich hilfreich, gutes Spanisch zu können. Es erleichtert einfach sehr den Umgang mit den Kindern und in der Zusammenarbeit mit Luis, unserem Projektleiter.

Was sind deine derzeitigen Aufgaben?

Der Aufgabenbereich ist zweigeteilt. Vormittags arbeite ich im Zentrum im viventura-Partnerbüro von Santiago. Hier bin ich für Verwaltungstätigkeiten des Trägers von Los Pinos, der Fundación Visocial Chile, zuständig, d.h. Patenkinder online stellen, Korrespondenz mit Paten, Briefe von und an Paten übersetzen, Artikel für die Homepage schreiben, Ausgaben dokumentieren und Belege abheften, Besprechungen vorbereiten, Anfragen von interessierten Freiwilligen beantworten, Kontakt zur Geschäftsführung von viSozial e.V. halten, etc. Nachmittags fahre ich dann ins Projekt, wo ich zum Teil Büroarbeit vor Ort erledige, aber auch mit den Kindern spiele bzw. bei der Durchführung verschiedener Workshops beteiligt bin. Im August/September habe ich beispielsweise zusammen mit einer chilenischen Erzieherin für die 11 bis 14jährigen einen Kurs zum Thema: Sexualität und Verhütung durchgeführt. Ende Oktober beginnt in Chile die Hauptreisesaison und dann besuchen Reisegruppen von viventura das Casa de los Pinos. Ich werde dann diese Gruppen ins Projekt begleiten.

Was gefällt dir an deiner Arbeit?

Dass sie so vielseitig und abwechslungsreich ist. Die Arbeit mit den Kindern ist einfach toll, weil sie so liebevoll sind, auch wenn sie oft sehr schwierige Geschichten mit sich herumtragen. Die Büroarbeit ist interessant, weil ich so die Möglichkeit habe, hinter die Kulissen zu schauen. Es macht einfach Spaß, wenn man sieht, dass jeder gespendete Euro oder das Geld von den Paten auch vollständig in das Projekt fließen und den Kindern zu Gute kommt.

Hast du auch Zeit zum Reisen?

Wenn ich das nicht könnte, wäre das in Chile einfach eine Katastrophe! Das Land ist zum Reisen einfach geschaffen. Aufgrund von guten Busverbindungen über Nacht, kann ich oft am Wochenende verreisen und in Absprache auch einmal über mehrere Tage oder Wochen.

Wie lange bist du noch in Chile?

Bis Mitte April nächsten Jahres.

Worauf freust du dich, wenn du wieder in Deutschland bist?

Auf meine Familie und Freunde, auf eine Zentralheizung im Winter, auf dunkles Bauernbrot und ein naturtrübes nach deutschem Reinheitsgebot gebrautes Bier.

Was wirst du wahrscheinlich vermissen?

Die Kinder vom Casa de los Pinos, meine Kollegen und die landschaftliche Vielfalt Chiles.

Wenn ihr wie Dominik längere Zeit im Casa de los Pinos helfen möchtet, könnt ihr über folgenden Link mit uns Kontakt aufnehmen. http://visozial.org/fwa/chile/

Wir suchen Leute, die uns neben der Arbeit im  Casa de los Pinos, auch bei der Verwaltung unseres chilenischen Vereins helfen, die Webseite von Casa de los Pinos erneuern und Spass daran haben diese Herausforderung in Chile auf sich zu nehmen.

Vielen Dank!

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5 Kommentare» zu „Als Volontär im Casa de los Pinos“

  • Nicole:

    Dominik, ich finde es so toll wie du dich engagierst! Und ich kann mir vorstellen, dass du eine deiner schönsten Erfahrungen in deinem Leben sammeln kannst! Ich wünsche dir noch eine ganz tolle Zeit! Genieße sie!!
    Liebe Grüße aus Arequipa
    Nicole

  • Inés Bieringer:

    Lieber Dominik,

    ich studiere im 3. Semester Soziale Arbeit und werde im 4. Semester ein Langzeitpraktikum absolvieren. Da ich Mutter von einem 6 jährigen Buben bin und er mich selbstverständlich begleiten wird, stellt sich die Suche nach einem geeignetem Praktikum eher schwierig dar. Kannst du mir sagen, ob es prinzipiell möglich wäre, in dem Projekt mit Kind zu arbeiten? Ein weiterer Grund warum ich mir Chile gut vorstellen kann, ist, dass ich Halbchilenin bin und ein Teil meiner Familie auch in Chile lebt.

    Naja ich hoffe auf Antwort von dir und wünsche dir noch eine schöne Zeit.

    Liebe Grüße

    Inés

  • dominik:

    Hallo Inés,
    es freut mich, dass dich das Projekt Casa de los Pinos interessiert. Um aber deine Frage beantworten zu können, bräuchte ich noch einige Infos. Am besten schreibst du mich einmal per E-Mail an: santiago@mundo-visozial.org.

    Viele Grüße aus Santiago
    Dominik

  • Auch ich wünsche Dir noch eine schöne Zeit in Chile.
    Du hast recht, es ist ein beeeindruckendes Land!!

  • [...] Ganz nebenbei erlernen die Kinder ein angemessenes Sozialverhalten, indem die Betreuer, wozu auch Volontäre zählen, dies vorleben und auf einen guten Umgang miteinander achten. Jahreszeitlich bedingte Feste [...]

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