Bolivien – das Weihnachtsfest auf der anderen Seite der Welt
In fast allen Ländern der Welt beginnt momentan die Vorweihnachtszeit und die Menschen freuen sich auf den Weihnachtsabend. Auch in Bolivien bereiten sich die Menschen auf das Fest vor, nur ein bisschen anders als wir es in Deutschland tun.
In allen Supermärkten gibt es jetzt schon Weihnachtsschmuck zu kaufen, es gibt kleine Krippen mit dem Jesuskind, bunte Lichterketten, Baumanhänger und Plastikweihnachtsbäume, denn die meisten Bolivianer stellen sich keinen echten Weihnachtsbaum ins Wohnzimmer sondern einen künstlichen.
Die letzten 4 Wochen bis zum Weihnachtsabend sind angebrochen und so beginnt auch in La Paz die Vorweihnachtszeit.
Die Stadt an sich wird vor allem im Zentrum mit bunten Lichtern geschmückt. Die Lichterketten reichen vom Prado – der Einkaufsstrasse in La Paz – bis zu der “Iglesia de San Franciso”. Aber auch jedes Haus wird vor Lichtern nur so erstrahlen. Auf dem Platz vor der San Francisca Kirche und mittendrumherum wird jedes Jahr ein Weihnachtsmarkt aufgebaut, wo man all die Dinge kaufen kann, die man für ein typisch bolivianisches Weihnachtsfest benötigt.
Allerdings gibt es auch zwischen Stadt und Land große Unterschiede an der Art das Weihnachtsfest zu feiern. Denn eigentlich feiern die Menschen auf dem Dorf kein Weihnachten. Das Volk der Aymara zum Beispiel feiert an Weihnachten die Sommersonnenwende. Auch dort werden kleine „Cositas“ (Geschenke) gebacken, die aber dann der Pachamama – der Muttererde – geopfert werden, um ihnen Glück für die Zukunft zu bescheren.
Aber generell ist das Weihnachtsfest in Bolivien ein richtiges Familienfest. Denn soweit mir meine Freunde und Bekannten erzählt haben, denkt an diesem Tag keiner daran, in die Kneipen oder Diskotheken zu gehen. Die Familien sitzen gemütlich zusammen, essen und zelebrieren bestimmte Bräuche.
Von einigen Bräuchen, die ich besonders schön finde, möchte ich euch erzählen:
In der Stadt, zum Beispiel in La Paz, besitzt jede Familie eine Krippe mit dem Jesuskindchen, dem jedes Jahr neue Kleidung gekauft wird, denn das soll Glück für das nächste Jahr bringen. Die Kleidung im Miniformat kann von sehr günstig bis teuer variieren und hängt von dem sozialen Status der Familie ab. Allerdings darf die Krippe mit dem Jesuskind nicht selbst gekauft werden, denn das bringt Pech. Sie muss einem von Freunden oder Familienmitgliedern geschenkt werden. In dieser Beziehung sind die Bolivianer sehr abergläubisch und glauben fest an die überlieferten Bräuche. Ab dem 25. Januar haben die Leute Zeit bis zum 6. Januar mit dem Jesuskind in die Kirche zu gehen, um es dort vom Pfarrer segnen zu lassen. Auch darf man nicht mehr als ein Jesuskind besitzen, denn man sagt die Jesuskinder sind sehr eifersüchtig und würden sich sonst untereinander streiten.

Auf den Straßen am Weihnachtstag treffen sich die Kinder um gemeinsam Weihnachtslieder zu singen. Sie tragen typische Trachten und ziehen mit bestimmten Musikinstrumenten von Haus zu Haus und von Tür zu Tür, um dem Kind in der Krippe ein Lied zu singen und natürlich ab und an ein paar Süßigkeiten von seinen Besitzern zu bekommen.
Aber natürlich gibt es auch in Bolivien gerade zu Weihnachten ganz besondere Leckereien. Der typische Weihnachtsschmaus, der von den meisten Bolivianern am Abend kurz vor 24 Uhr verzehrt wird, heisst „Pikana“ und ist eine Mischung aus den verschiedensten Fleischsorten, serviert in einer Suppe mit Kartoffeln und Choclo. Die Suppe kann aus bis zu 5 Fleischarten bestehen, wobei sie aber von Familie zu Familie je nach Geschmack mit unterschiedlichen Fleischarten zubereitet wird.
Was bei uns so beliebt ist wie der Weihnachtsstollen, sind in Bolivien die „Panetones“ – ein Gebäck mit Rosinen- oder Nussstücken - die in der Weihnachtszeit im wahrsten Sinne des Wortes weggehen wie die warmen Semmeln.

Nachdem alle um Mitternacht gegessen haben, gehen sie zur Mitternachtsmesse in die Kirche. Die Kinder gehen danach sofort ins Bett, um schnell einzuschlafen, denn sie sind schon total gespannt auf den Morgen, denn erst dann gibts die Geschenke.
Auch ich bin jetzt schon gespannt auf das bolivianische Weihnachten, denn ich werde dieses Jahr mein Weihnachtsfest hier verbringen und freue mich darauf, einmal ein ganz anderes Weihnachtsfest zu erleben.





Dein Artikel hat mir sehr geholfen. Ich wollte mich nur kurz dafür bedanken. Aber das mit den “Cositas”, dass die gebacken werden verstehe ich nicht.
Hallo Hannah,
vielen Dank für deinen Kommentar.
“Cositas” sind genau übersetzt kleine Sachen, und für das Fest der Sommersonnwende backen die Leute kleine Teigwaren in allen möglichen Formen, um sie aber dann der Pachamama (der Mutter Erde) zu opfern. Die Völker der Aymara und Quechua verehren die Pachamama als Göttin, da sie ihrer Ansicht nach allen Geschöpfen das Leben schenkt und sie nährt. Ich hoffe ich konnte deine Frage klären.
LG aus La Paz Lisa