Weihnachtsvorbereitungen in Manitas

4.Dez.09-6.Dez.09_Bogota 043_smallIch wohne jetzt bereits seit 2 Wochen in Bogotá und die Stadt hat mein Herz im Sturm erobert. Ich hab mich noch nirgends auf Anhieb so wohl gefühlt, wie in dieser Stadt. Dabei habe ich Bogatá als eine moderne und dynamische Metropole kennengelernt. Aber genauso wie jeder Mensch auch Schwächen hat, so gibt es auch keine Stadt, in der alles perfekt ist. Ich wohne im Norden Bogotás in einer schönen Wohngegend mit sauberen Straßen, gut gepflegten Gärten und modernen Häusern. So sollte eigentlich die ganze Stadt aussehen, aber wenn man mit dem Transmilenio Richtung Süden fährt ist es das Gleiche, als wenn man bei einem Menschen, den man über alles schätzt, ganz unerwartet negative Eigenschaften entdeckt. Ich jedenfalls bin enttäuscht, dass Bogotá mir plötzlich seine hässlichen Seiten zeigt. Mit jedem Kilometer nach Süden wird es schlimmer. Irgendwann ist der Punkt erreicht, an dem man selbst nicht mehr dort wohnen würde. Der Drang, sofort auszusteigen und mit dem nächsten Bus wieder nach Norden zu fahren, wird immer stärker. Aber die Probleme der Menschen in den Barrios werden durch Wegschauen nicht gelöst. Also fahre ich bis zur südlichen Endstation des Transmilenio und warte auf meine Freunde, um zusammen nach Manitas weiterzufahren, ein sozialer Brennpunkt am Rande Bogotás.

Der kleine Bus quält sich im ersten Gang die staubigen Straßen von Manitas hinauf. Die Häuser wirken ärmlich und ungepflegt, an allen Ecken wären Reparaturen nötig, aber ohne “Plata” (Geld) geht auch hier nichts. Scheinbar herrenlose Hunde streunen umher. Die Menschen geben sich Mühe, nicht arm auszusehen, aber aus der Nähe ist es offensichtlich. Ihre Kleidung ist abgetragen und schmutzig vom Staub der Straße. Oft steht Adidas oder Nike darauf, aber es sind entweder gebrauchte Klamotten aus Spenden oder einfach nur Fälschungen. Niemand hier würde sein weniges Geld für Markenklamotten ausgeben. Die Menschen von Manitas haben andere Sorgen.

Das letzte Stück zu unserem Ziel gehen wir zu Fuß. Es riecht entfernt nach Müllkippe. Wir sind mit Patricia vom Projekt “Exito Verde” (”grüner Erfolg”) verabredet. In diesem Projekt können die Leute Recyclingmaterial sammeln und es gegen Lebensmittel oder Kleidung eintauschen. Weil der Weiterverkauf der Recyclingmaterialien alleine nicht genug Geld einbringt, wird das Projekt von viSozial finanziell unterstützt, denn die Not der Menschen ist groß. Heute wollen wir mir den Kindern ein bisschen basteln und haben für die Erwachsenen Essen und Kleidung organisiert. Der kleine Fußballplatz soll außerdem mit einem Netz ausgerüstet werden, damit der Ball nicht den Hang hinunterrollt, wenn der Schuss mal neben das Tor geht.

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Die Kinder des Projekts begrüßen uns fröhlich, fast schon überschwenglich. Ich weiß nicht, was sie in uns sehen. Einige sind bestimmt noch zu jung, um zu wissen, dass es weiter im Norden völlig normal ist, Essen für die ganze Woche im Kühlschrank zu haben, niemals hungern zu müssen, und jeden Tag frisch gewaschene Kleidung anziehen zu können. Die älteren Kinder kennen den Unterschied zwischen arm und reich und ich kann mir vorstellen, dass es ihnen peinlich ist, kein Geld zu haben für Dinge, die für Jugendliche anderswo ganz alltäglich sind.

Das Netz für den Fußballplatz besteht aus alten Stoffresten, die kunstvoll zusammengeknotet wurden. Vier lange Holzpfähle liegen bereit, um das Netz zu halten. Die Löcher für die Pfähle wurden auch schon gegraben. Zusammen mit 2 Erwachsenen und ein paar Jugendlichen aus der Nachbarschaft bauen wir das Netz auf. Obwohl ich noch nicht alles verstehe, was sie auf spanisch sagen, klappt das Teamwork ganz gut.

 Weihnachtsvorbereitungen in Manitas

Danach schaue ich bei der Bastelgruppe vorbei. Die kleinen Kinder schneiden aus Pappe die Umrisse von Weihnachtsbäumen aus und malen sie grün an. Dann kleben sie noch roten Weihnachstschmuck auf. Obwohl es im Viertel keinen echten Weihnachtsbaum gibt, weiß trotzdem jedes Kind, wie der ideale Baum auszusehen hat. Später erklärt Patricia den Leuten noch etwas über die Herkunft und die Bedeutung des Weihnachtsbaumes. Es ist übrigens ein deutscher Brauch, der sich über fast die gesamte Welt verbreitet hat.

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Später am Tag werden die Lebensmittel und Kleider an die Menschen verteilt. Weil bald Weihnachten ist, haben wir für alle noch Mandarinen und ein paar Kekse dazugegeben. Kekse bekommen die Kinder hier normalerweise nicht und wir müssen aufpassen, dass sich niemand vordrängelt. Schon seltsam, wie wenig es hier braucht, um den Kindern eine Freude zu machen.

Was ich gesehen habe, sind Menschen mit nützlichen Fähigkeiten, Kreativität und Motivation. Wären sie nur 5 Kilometer weiter nördlich geboren worden, hätten sie vielleicht bereits Karriere gemacht und sich eine eigene Existenz aufgebaut. So aber sind sie auf unsere Hilfe angewiesen.

Es hat mich sehr beeindruckt, dass die Einwohner von Manitas aktiv und mit soviel Engagement an der Verbesserung ihrer Situation arbeiten, entgegen aller Widrigkeiten. Sie dabei ein bisschen zu unterstützen, sollte uns leichtfallen.

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