Weihnachten in einer peruanischen Familie
Sofort nach dem 31.10., Halloween, hat sich das Stadtbild hier in Arequipa, Peru in den Markt- und Geschäftsstraßen schlagartig verändert. Die Kürbisköpfe mussten der weihnachtlichen Dekoration weichen. An jeder Ecke kann man seitdem Weihnachtsschmuck und -kitsch in allen Variationen und Farben kaufen. Noch kommt bei mir jedoch in der Stadt des ewig blauen Himmels mit strahlender Sonne nicht wirklich Weihnachtsstimmung auf, zumindest nicht so wie wir es bei uns kennen. Auch wenn es die Dekoration überall zu kaufen gibt, wird die Stadt selber nicht geschmückt und wirkt noch nicht sonderlich weihnachtlich.
Doch Weihnachten ist für die Peruaner ein sehr wichtiges Fest und es gibt einige Traditionen: Der Tag des Heiligen Abends, dem 24.12., ist überwiegend noch ein normaler Arbeitstag, die meisten Geschäfte und Büros sind ganz normal bis abends geöffnet.
Der Abend steht jedoch ganz im Zeichen der Familie. Da es in Peru nicht ungewöhnlich ist, dass eine Familie aus sehr vielen Familienangehörigen besteht, kann das Heilige Fest durchaus zu einer sehr großen Feier werden. Schon früh kommt die ganze Familie zusammen und beginnt das Fest. Einige Familien gehen noch am Nachmittag oder frühen Abend in die Kirche, bevor sie sich zu Hause einfinden. Die Peruaner stellen sich bereits einige Tage vor dem 24.12. ein Krippenspiel mit Krippenfiguren auf. Bis zur Weihnachtsnacht wird dies jedoch abgedeckt.
Eine schmerzliche Erfahrung musste ich mit dem Essen machen. Extra nicht viel gegessen vorher, habe ich mich schon früh am Abend auf das leckere Weihnachtsmahl gefreut. Aber das Essen war noch weit entfernt und ich musste noch eine Weile mit Hunger kämpfen. Auch wenn die Essensvorbereitungen schon früh am Morgen beginnen können, gibt es das Essen oft erst sehr spät, in einigen Familien sogar erst nach 24 Uhr. Das typische Essen ist Truthahn mit verschiedenen Salaten. Doch je nachdem, wie es um die finanziellen Mittel der Familien steht, gibt es auch preiswertere Gerichte wie Hühnchen oder Schwein. Was jedoch nicht fehlen darf, ist der traditionelle Panetón und die heiße Schokolade. Der Panetón, ein süßer Kuchen mit Rosinen und kandierten Früchten, gleicht geschmacklich unserem Weihnachtsstollen. Schon Wochen vorher fangen die Peruaner an, dieses traditionelle Gebäck zu genießen. In der Heiligen Nacht selber wird Panetón und die heiße Schokolade als Nachtisch (Postre) gegessen.
Ich war sehr überrascht, dass das peruanische Weihnachten ein wenig Silvester gleicht. Die Feier richtet sich auf Mitternacht aus und es gibt sogar einen Countdown um 24 Uhr. Es wird angestoßen, sich umarmt und die endlich werden die Geschenke verteilt, die Kinder müssen also Geduld beweisen. Auch das Krippenspiel wird nun aufgedeckt. In Peru ist es üblich, am Heiligen Abend nach zwölf Feuerwerke und Böller zu zünden, daher kann es sich nach zwölf Uhr anhören wie bei uns am 01.01. Der Abend kann dann ganz unterschiedlich ausklingen, nicht unüblich mit einer ordentlichen Feier oder eher im ruhigeren Kreise.
Der 25.12. wird dann in Peru eher langsam angegangen. Es gibt keine besonderen Traditionen für diesen Tag. Junge Peruaner treffen ihre Freunde oder bleiben im Rahmen der Familie.
Ich bin gespannt auf das kommende Weihnachtsfest und besonders die kleinen Unterschiede! Ich wünsche euch allen ganz schöne Weihnachten und ein frohes Fest!!!





