Eine Oase des Wissens im Barrio Pablo Escobar
Heute sind wir – Verena von Exito Verde, Jonathan von viventura und ich – zu Besuch im Barrio Pablo Escobar (Barrio = Viertel), um ein Projekt von viSozial zu besuchen, die Bibliothek Luis Angel. Das Viertel ist ein Problembezirk am Rande von Medellin, benannt nach dem legendären Drogenboss Pablo Escobar, der zeitweise sogar Kongressabgeordneter war. Medellin selbst liegt eingequetscht in einem Tal und die ärmeren Viertel sind an die steilen Hänge gebaut. Die Bibliothek ist von außen durch ein Schild zu erkennen, das viSozial vor einigen Monaten dort angebracht hat. Die Leute im Viertel wissen aber ohnehin, wer Don Luis ist, denn er ist so etwas wie eine lokale Berühmtheit.
Don Luis sitzt auf einer Matratze auf dem Boden seines Hauses. Sein Körper ist von einer Muskelschwäche-Krankheit gezeichnet, die ihm seit seiner Jugend täglich ein Stück seiner Kraft raubt. Inzwischen ist er so schwach, dass er seinen Besuchern nicht einmal mehr die Hand schütteln kann. Mit viel Mühe schafft er es, Buchseiten umzublättern. Sein Geist dagegen ist hellwach und wir unterhalten uns lange mit ihm. Um Don Luis zu helfen ist heute Jennifer bei ihm, eine Jugendliche aus dem Viertel. Sie holt Bücher aus den Regalen und stellt sie wieder zurück, bringt Don Luis was zu trinken und kümmert sich um weitere Aufgaben in dem kleinen Haushalt.
Vor mehr als 17 Jahren hat Don Luis beschlossen, sein Haus für die Kinder des Viertels zu öffnen, damit sie einen Ort haben, an dem sie in Ruhe ihre Schulaufgaben erledigen können. Er selbst hat die Schule nur bis zur vierten Klasse besucht, und sich dann weiteres Wissen selbständig angelesen. Aus den Anfangs wenigen Büchern ist über die Jahre eine kleine Bibliothek geworden, thematisch geordnet nach Schulfächern.
Die erste Schülerin, die heute zu Don Luis kommt, ist die 10-jährige Lisbeth. Sie hat in der Schule Hausaufgaben bekommen und braucht dabei etwas Hilfe. Don Luis weiss sofort das passende Buch, in dem sie die richtigen Hinweise findet. Er lässt das Buch aus dem Regal holen und erklärt der Schülerin, was Synonyme und Antonyme sind. Danach setzt sie sich mit ihrem Arbeitsheft an einen Tisch und schreibt an den Hausaufgaben. In der Schule lernt sie Spanisch, Mathe, Naturwissenschaften sowie Ethik und soziale Werte. Sie kommt immer dann zu Don Luis, wenn sie mit ihren Aufgaben nicht weiter weiss und ist sehr dankbar für seine Hilfe.
Wir halten die Bibliothek für ein interessantes Projekt, denn es ist wichtig, den Kindern in jungen Jahren den Wert einer guten Bildung zu vermitteln und ihr Interesse für Bücher und Wissen zu wecken. Nur so haben die Kinder eine Chance, später aus der Armut des Viertels zu entkommen und den sozialen Aufstieg zu schaffen. Ideal wäre es natürlich, wenn es noch zusätzlich einen Computer gäbe, denn oft bekommen die Kinder Hausaufgaben, die sie nur am Computer bearbeiten können. Dann müssen sie deshalb in ein Internet-Cafe gehen und kommen seltener in die Bibliothek. Leider fehlt aber für einen Computer im Moment das Geld, genauso wie für zusätzliche Stühle und Tische, an denen die Kinder lernen können. Wir möchten, dass die Bibliothek dauerhaft zu einem Treffpunkt für die Kinder des Viertels wird, damit sie nach der Schule nicht auf der Straße rumhängen, sondern sich sinnvoll beschäftigen können.





freut mich riesig wieder was von don luis und seiner bibliothek zu hoeren. klasse! schoen, die fortschritte so mitverfolgen zu koennen! dankeschoen und weiter so!