Erdbeben in Chile – Eine Chronologie der Ereignisse

Zerstörtes GebäudeAm Morgen des 27.02.2010 hat ein schweres Erdbeben Chile erschüttert. Inzwischen hat es ca. 800 Menschen das Leben gekostet. Im Folgenden möchte ich die Ereignisse festhalten und nochmals revue passieren lassen, um die verheerenden Folgen darzustellen und aufzuzeigen, was Visocial Chile an Hilfe geleistet hat.

Samstag, 27.02.2010

Ein heftiges Erdbeben der Stärke 8,8 hat um 03.34 chilenischer Zeit das Land erschüttert. Das Epizentrum lag unter dem Pazifik in 35 km Tiefe, circa 90 km vor der Küstenstadt Concepción, der zweitgrössten Stadt Chiles. Diese wurde auch am stärksten in Mitleidenschaft gezogen. Doch nicht nur dort, sondern auch in der Nachbarstadt Talca und in der Hauptstadt Santiago de Chile war das Beben deutlich zu spüren. Laut den Aufzeichnungen dauerte das Beben zwischen zwei und drei Minuten. Nach ersten Angaben wurden 122 Todesopfer gemeldet, Staatspräsidentin Michelle Bachelet rief den Ausnahmezustand aus. Innerhalb der nächsten fünf Stunden nach dem Hauptbeben wurden 22 weitere Nachbeben mit Stärken zwischen 5,0 und 6,9 gemessen. Noch am selben Nachmittag begaben sich die Volontäre des Casa de los Pinos nach Puente Alto, einem südlichen Stadtteil Santiagos, der vermutlich schwerer getroffen wurde. Dort erkundigten wir uns über den Zustand der Kinder und deren Familen, der Mitarbeiter und unserer Einrichtung, dem Casa de los Pinos. Wie die Situation in Puente Alto und Santiago war, könnt ihr hier nochmal lesen.

Doch nicht nur das Erdbeben, sondern auch der nachfolgende Tsunami an der Südpazifikküste stellte für die Bevölkerung eine Bedrohung dar.  Für die Küsten von Chile und Peru, sowie für Neuseeland, Australien, Russland, die Philippinen und Japan gingen Tsunamiwarnungen mit bis zu drei Meter hohen Wellen heraus. In den Morgenstunden des 27.02 traf ein Tsunami die Küstenregion um die Stadt Concepción.

In Santiago kamen sowohl der Flugverkehr, als auch das Metrosystem zum völligen Stillstand. Supermärkte, etc. hatten den ganzen Tag geschlossen. In weiten Teilen Santiagos gab es weder Strom noch Wasser, die Telefonnetze waren entweder überlastet oder funktionierten gar nicht.

Zerstörte Altbauten

Sonntag, 28.02.2010

Das Ausmaß der Katastrophe im Süden wird erst einen Tag später durch die Medien sichtbar. Die Anzahl der Opfer ist mittlerweile auf 300 gestiegen. Die Infrastruktur in Santiago und den umliegenden Städten wurde schwer geschädigt. Concepción und andere Küstenbereiche südlich der Hauptstadt wurden durch Flutwellen noch härter getroffen. In Concepción kam es zu mehreren Bränden, die Strom- und Wasserzufuhr brach komplett zusammen. Ein weiteres, starkes Nachbeben um 08.29 in der Nähe von Valparaíso brachte die Häuser zum erzittern. Laut Angaben von Michelle Bachelet wurden mehr als 1,5 Millionen Häuser teilweise oder komplett zerstört. In Chillan kam es zu einem Gefängnisausbruch, die Flüchtigen plünderten Häuser und Supermärkte, steckten Autos und Gebäude in Brand. Die Insel Juan Fernandéz vor der chilenischen Küste wurde von der Tsunamiwelle getroffen. Dabei wurde die einzige Siedlung der Insel komplett zerstört.

Auch am heutigen Tag trafen sich die Volontäre und die Sozialkoordinatoren von Los Pinos und Visocial Chile, um zu planen, wie sie ihre Kräfte am besten einsetzen können, um den Opfern bestmöglichst zu helfen. Die Hilfe soll vor allen Dingen in soziale Einrichtungen, ähnlich dem Los Pinos, in Concepción und Talca geleitet werden.  Es wurde beschlossen, das Projekt Los Pinos vorerst zu schließen, da es keinen Strom gab. Valerie, eine ehemalige Volontärin konnte ihren für Sonntag geplanten Heimflug nicht antreten. Der Flugverkehr war weiterhin außer Betrieb. Jedoch wurde am Sonntag die Metro wieder teilweise in Betrieb genommen, auch die Supermärkte öffneten für wenigstens zwei Stunden, was mit langen Schlangen und hohen Wartezeiten an den Kassen verbunden war.

Leute beim Wasser holen

Montag, 01.03.2010

Mittlerweile ist die Anzahl der Todesopfer auf über 700 gestiegen. Der zukünftige chilenische Präsident Sebastian Piñera sprach sich für einen Militäreinsatz in den betroffenen Gebieten aus, um Unruhen zu vermeiden und forderte Noch–Staatsoberhaupt Michelle Bachelet zu diesem Schritt auf. Für die Region um Concepción wurde eine Ausgangssperre zwischen 21.00 Uhr und 06.00 Uhr verhängt. Auch am Montag Morgen wurde Chile von einem starken Nachbeben erschüttert. Dieses ereignete sich 100 km nordöstlich von Talca und hatte die Stärke von 6,2. Weiterhin erhebt Verteidigungsminister Vidal schwere Vorwürfe gegen die Marine, die seiner Ansicht nach die Tsunamigefahr in den Küstenregionen nicht ernst genug genommen hatte. Nur durch das instinktive Handeln der Küstenbewohner, die vor möglichen Riesenwellen warnten, konnten womöglich tausende Leben gerettet werden.

Die Mitarbeiter des Casa de los Pinos trafen sich mit Luis, um erneut den Zustand der Einrichtung und das Befinden der Kinder zu überprüfen. Im folgenden Artikel berichteten wir ausführlich. (Kinder vom Los Pinos wohlauf). Die Sozialkoordinatoren und Volontäre beschlossen am folgenden Dienstag zum Blutspenden zu gehen.

Dienstag, 02.03.2010

Staatsoberhaupt Bachelet entsandte 10.000 Soldaten in die betroffenen Gebiete, um das auftretende Chaos zu unterbinden. Die EU wird um Hilfe gebeten, Hillary Clinton aus den USA kommt persönlich nach Chile, um sich ein Bild der Situation zu machen. Mittlerweile ist die Opferanzahl auf über 800 gestiegen.

Die Volontäre und die Sozialkoordinatoren machten sich am Dienstag Morgen auf dem Weg ins Krankenhaus, um dort Blut zu spenden. „Es ist unsere soziale Verantwortung, Chile in dieser Situation zu helfen, und zwar dort wo es möglich und notwendig ist“, so eine der Volontäre. Einen Bericht dazu von Dominik findet ihr hier. Weiterhin versuchen wir Kontakte zu einem Waisenhaus und anderen sozialen Einrichtungen in Concepción herzustellen, was sich jedoch wegen zusammengebrochenen Telefonleitungen und Netzüberlastungen kaum realisieren lässt. Unser Ziel ist es, einer dem Los Pinos ähnlichen Einrichtung in der Krisenregion zu helfen und diese finanziell zu unterstützen.

Mittwoch, 03.03.2010

Chile wurde erneut von schweren Nachbeben der Stärken 5,0 und 6,1 heimgesucht. Diese waren auch in Santiago wieder deutlich zu spüren.

Heute haben wir die Arbeit im Los Pinos wieder aufgenommen, da die Stromzufuhr hergestellt werden konnte. (Hier geht’s zum Artikel).

Donnerstag, 04.03.2010

Auch in Chile wird unter der Bevölkerung für Hilfe mobilisiert. “Chile hilft Chile” ist das Motto. Beim Roten Kreuz und anderen Hilfsorganisationen können Hilfsmittel abgegeben werden. Viele Freiwillige sortieren Kleider und stellen Essenspakete zusammen. In den betroffenen Regionen werden Medikamente und Lebensmittel an die Bewohner verteilt. Chilenische Firmen melden Verluste und Stilllegung der Produktion, andere stellen Hilfe bereit.

Luis, unser Projektleiter im Casa de los Pinos fuhr mit einem Hilfskonvoi nach Concepción und Constitución, um sich selbst ein Bild zu machen. Im Projekt haben wir den Fußballkurs wieder anlaufen lassen.

Freitag, 05.03.2010

Knapp eine Woche nach dem schweren Erdbeben sind die Folgen immer noch spürbar. Sowohl die schleppend anlaufene Hilfe, als auch weitere schwere Nachbeben machen dem Land zu schaffen. Allein elf waren es an diesem Freitag, die Stärke ging laut amerikanischen Erdbebenmessungen bis auf 6,6 Richter.

Im Los Pinos ist wieder größtenteils Normalität eingekehrt, außer dass das Projekt wegen der Verschiebung des Schulbeginns um eine Woche noch immer vormittags statt nachmittags stattfindet.

Noch immer ist das volle Ausmaß des Erdbebens nicht einzuschätzen. Vor allem in ländlichen Regionen ist es auf Grund der fehlenden Informationen schwer, die Zerstörung einzuschätzen. In unserem Artikel “Helft Erdbebenopfern in Chile” bitten wir um Spenden. Wir, das Casa de los Pinos und viSozial Chile rufen ALLE auf, die Erdbebenopfern in Chile in dieser schweren Zeit zu unterstützen.

Zerstörtes Haus

Donnerstag, 18.03.2010

Knapp drei Wochen ist es jetzt her, das Chile von einem schweren Erdbeben erschüttert wurde. Während in Santiago und im Casa de los Pinos wieder Normalität eingekehrt ist, wachsen die Probleme in den Regionen um Concepción. Vor allem das starke Nachbeben am vergangenen Donnerstag, den 11.03.2010 richtete bei einer Stärke von 6,8 auf der Richterskala nochmals Schaden an und versetzte die Bewohner in Angst. Nicht nur in den Küstenstädten in der Südzentralzone, welche neben dem Beben auch noch vom Tsunami getroffen wurden, sondern  vor allem in den kleinen, umliegenden Dörfern wird die Not immer schlimmer. Die dort lebende Bevölkerung haust in Zelten, hat wenig Kleidung und noch weniger Wasser und Nahrung.

Luis, Leiter des Casa de los Pinos hat bereits eine weitere Reise in die Krisenregion auf sich genommen, um die dort Lebenden mit Kleidung und Nahrung zu unterstützen. Das kleine Fischerdorf Caleta Tumbes, nördlich von Concepción, in dem Luis unter anderem seine Hilfe anbot, wurde durch den Tsunami nahezu zertört. In Zusammenarbeit mit Red Viva, einer in Costa Rica ansässigen sozialen Organisation, welche lateinamerikansichen Ländern in Krisenzeiten hilft, haben wir vom Los Pinos und Visocial Chile ein Unterstützungsprogramm aufgebaut, mit dem wir dem Dorf in den nächsten Wochen und Monaten helfen wollen.

Wir sind hier auf eure Spenden angewiesen! Was wir an Hilfe geplant haben und wie ihr dabei helfen könnt, kann man hier nachlesen.

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