Erdbeben in Chile – Glück im Unglück für Los Pinos
“Ich bin sehr froh, dass es den Kindern, den Betreuern und allen Volontären gut geht und nach meinen bisherigen Kenntnissen hat auch das Zentrumsgebäude das Beben ohne große Schäden überstanden,” zeigt sich Dominik, derzeit Koordinator für den Sozialbereich in Chile erleichtert. Trotz Einschränkungen in der Kommunikation durch Überlastung oder Ausfall der Handynetze konnte er mit Luis, dem Leiter des Los Pinos ziemlich bald telefonieren und die Situation vor Ort besprechen. Am Tag nach dem schweren Erdbeben in der Nacht vom vergangenen Freitag auf Samstag galt es zunächst, Kontakt zu allen Beteiligten aufnehmen.
Die Volontäre, die alle im Zentrum wohnen, fanden sich schnell zusammen. Alle hatten das Beben gut überstanden. Sie waren vom Beben sehr beeindruckt, die Dimenson wurde ihnen allerdings erst richtig bewusst, als sie die Bilder im Fernsehen und Internet sahen. Außer kleineren Schäden wie herunterfallenen Flaschen oder feinen Rissen im Putz hatten die Wohnungen der Volontäre dem Beben stand gehalten. Die erste Nacht in Chile hatte sich Stefan, der am Freitag in Santiago ankam und ab April als Nachfolger von Dominik tätig sein wird, auch anders vorgestellt. Geschockt war er dennoch nicht. “Ich war so müde, dass ich erst einige Zeit brauchte, um zu realisieren, was los ist. Ich kannte ja auch das Gefühl nicht und erst als das Beben nicht aufhörte, dachte ich mir, jetzt musst du doch raus. Wenn ich gleich am Anfang meines Chileaufenthaltes so etwas überstanden habe, wird mich in den nächsten Monaten nicht so leicht was erschrecken, ” fasste er seine Eindrücke zusammen.
Los Pinos-Direktor Luis schaute gleich nach dem Kinder- und Jugendzentrum und informierte Dominik, dass das Zentrumsgebäude heilgeblieben war. Nur eine Mauer, die das Gelände des Zentrums und der nebenstehenden Schule umgibt, war teilweise eingestürzt. Im Stadtteil Casas Viejas, wo sich das Los Pinos befindet, gab es den ganzen Samstag keinen Strom und somit auch keinen Telefonkontakt. Deshalb entschieden Dominik und einige (ehemalige) Volontäre, mit dem Bus nach Casas Viejas zu fahren. Die Metro war geschlossen und öffnete erst am Sonntag wieder einige Linienabschnitte. Valerie, die bis Dezember im Los Pinos als Volontärin gearbeitet hatte, wollte am Sonntag nach zweimonatiger Südamerikareise zurück nach Österreich fliegen. Der Flughafen von Santiago hatte jedoch einige Schäden und ist bis auf weiteres gesperrt. Somit wurde natürlich auch Valeries Flug gestrichen und sie begleitete Dominik und den Volontär Bastian nach Casas Viejas. Beim Besuch der beiden chilenischen Betreuerinnen Raquel und Angélica erfuhren die drei, dass auch in Casas Viejas die Gebäude weitesgehend verschont geblieben waren. Die weit verbreiteten Holzbauten sind flexibler und halten Beben dadurch leichter stand. Da auch ziemlich bald der Strom ausfiel, bestand zumindest keine Gefahr eines Brandes. Noch bis zum jetzigen Zeitpunkt ist Casas Viejas ohne Strom und Mobilfunkempfang. “Auf der einen Seite können wir froh sein, dass die Kinder vom Los Pinos und deren Familien vor allem nur von kleineren Schäden wie zerbrochenem Geschirr betroffen sind,” so der Sozialkoordinator. “Auf der anderen Seite wissen wir, dass die Familien oft nicht das Geld haben, um einfach mal noch ein paar Tassen zu kaufen. Sicherlich werden wir vom Los Pinos hier an der einen oder anderen Stelle auch individuelle Hilfe leisten. Dies werden wir aber erst in den nächsten Tagen klären können. Ich bitte alle, die bereits ihre Spendenbereitschaft gezeigt haben, um Verständnis, dass wir zum momentanen Zeitpunkt noch keinen konkreten Hilfebedarf formulieren können. “
Auch wenn sich am Sonntag die Lage in Santiago ansatzweise zu normalisieren begann, ist völlig unklar, wie es die nächsten Tage weitergeht. Denn nach wie vor treten immer wieder Nachbeben auf. Das Schlimmste ist aber erst einmal überstanden.





Liebes Team Chile, liebe Blog-Leser!
vielen Dank an Dominik für den Artikel. Es ist sehr schön zu hören, dass es allen gut geht! Vielen Dank auch für die E-Mails unserer Unterstützer, die sofort wissen wollten, wie es den Kindern und dem Team geht! Wir freuen uns sehr über die Anteilnahme. Sicher können wir im Laufe dieser Woche uns einen weiteren Eindruck verschaffen und euch hier weiter informiert halten.
Liebe Grüße
Nicole
[...] Einrichtung, dem Casa de los Pinos. Wie die Situation in Puente Alto und Santiago war, könnt ihr hier nochmal [...]