Bienvenido a Chile – Ankunft im Casa de los Pinos
Gerahmt vom Andenpanorama liegt vor mir der Hinterhof des Casa de los Pinos und angesichts des schönen Sonnenuntergangs, der sich in den schneebedeckten Bergen zu spiegeln scheint, könnte man fast vergessen, in was für armen Verhältnissen die meisten Kinder leben, die gerade diesen Hof verlassen haben. Ich befinde mich in der dritten Woche meines Praktikums in Santiago de Chile und realisiere langsam, wie sehr es an allen Ecken und Enden fehlt und wo meine Aufgaben liegen werden. Hier in dem größten aber auch ärmsten Stadtteil Santiagos, Puente Alto, im Bezirk Casas Viejas, steht das für Kinder und Jugendliche offene Zentrum Casa de los Pinos, welches tagtäglich für ein paar Stunden Selbstbestimmung und Schutz, aber auch „einfaches“ füreinander Dasein und Zusammenhalt zu bieten versucht. Das „einfach“ aber eigentlich das falsche Wort ist, lässt ein Blick auf den Familienalltag und den Stadtteil generell erahnen.
Puente Alto erlebte nach dem 11. September 1973 – einem Datum, welches den Chilenen nicht weniger in Erinnerung bleibt, als den Nordamerikanern – beziehungsweise der Machtübernahme des Militärdiktators Augusto Pinochet einen Wandel, welcher das Gesicht des Stadtteils geprägt und verändert hat. Da Obdachlose und arme Menschen nicht in des Diktators Bild einer prunkvollen Hauptstadt passten, drängte er sie in die Peripherie, also in Randbezirke wie Casa Viejas, in denen einfache, kaum isolierte Wellblechhütten auf die Menschen warteten.
Heute gilt der Stadtteil, in dem rund 70% der Einwohner unterhalb der Armutsgrenze leben, als ein sozialer Brennpunkt, in dem Arbeitslosigkeit, Drogenmissbrauch und (intrafamiliäre) Gewalt an der Tagesordnung sind. Da zudem Gesundheits- und Bildungswesen privatisiert und somit teuer sind, lässt sich erahnen, das vor allem die Kinder unter der Situation leiden. Hier versucht das Casa de los Pinos anzusetzen und, wie eingangs erwähnt, den Kindern und Jugendlichen einen Ort der Fürsorge und des Schutzes zu bieten. Mit der Hilfe von Luis, dem Psychologen und Direktor der Einrichtung, zwei Erzieherinnen und VoluntärInnen soll für ein paar Stunden am Nachmittag eine geeignete Betreuung angeboten werden, aber auch die Möglichkeit bestehen, die Familien zu unterstützen, sich selbst aus der strukturellen Armut zu befreien.
Ich bin daher sehr erfreut, das Los Pinos in meiner Rolle als Soozialkoordinator unterstützen zu können und für die Kinder hoffentlich eine neue Vertrauensperson darzustellen. In jedem Fall haben schon die ersten Tage im Projekt einen positiven Eindruck hinterlassen, so dass ich sehr motiviert bin, für die kommenden 5 Monate hier gute Arbeit zu leisten.




