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Peru: Ernaehrungskampagne Capachica – Teil 2
Im November letzten Jahres hatte ich bereits ueber die erfreulichen Erfolge unseres “Kinder-Mittagtisches” im Rahmen er Ernaehrungskampagne berichtet. Die Frage, die dabei offen geblieben ist, lautet: Wie koennen wir moeglichst sicher stellen, dass die Kinder auch nach Abschluss der Kampagne weiterhin eine ausgewogene Mahlzeit pro Tag erhalten ? Eine grosse Hilfe sind uns dabei die Kinder selber, die nicht mehr willens sind, immer nur Kartoffeln und Quinua-Suppe zu essen, sie ueben entsprechenden Druck auf ihre Eltern aus. Doch was nuetzt dies, wenn in den Familien das Geld fehlt, um die Lebensmittel, die sie nicht selber anbauen koennen wie Obst und Gemuese, zu kaufen ? Aufgrund dieser Ueberlegungen wurde parallel zu der Kinderverpflegung in der Gemeinde Chifron das Pilotprojekt “Transformación de Alimentos Nativos” gestartet. Hierin geht es um die Herstellung von Speiseprodukten auf Basis der Nahrungsmittel, die die Menschen auf Capachica zur Verfuegung haben. Die Idee ist zum einen, die Mahlzeiten etwas abwechslungsreicher zu gestalten, zum anderen, dass sie diese Produkte auf dem Markt verkaufen bzw. gegen andere Lebensmittel tauschen. Die Palette ist breiter als man denkt, neben Milchprodukten wie Kaese und Joghurt lassen sich auch leckere Auflaeufe und Kuchen aus Kartoffeln, Mais, Quinua u.ae. herstellen.
Das Projekt stiess in Chifron auf reges Interesse, doch die Feuerprobe galt es in Puno, der nahegelegenen Regionalhauptstadt, zu bestehen. Am 30. November 2008 war es dann so weit. Waehrend fleissige Helfer bereits um 7 Uhr morgens am Parque Pino, dem zweitwichtigten Platz Puno´s, mit den Aufbauten begannen, machten sich die Familien von Capachica aus auf den Weg, im Gepaeck ihre selbstgemachten Kostlichkeiten sowie etwas Kunsthandwerk. Unter dem Motto “Foerderung einer nachhaltigen laendlichen Entwicklung” informierten wir ueber unsere Aktivitaeten auf Capachica. Marie Isabel, unsere Ernaehrungsberaterin, hatte sich eine Kollegin zur Verstaerkung mitgebracht, das war auch bitter notwendig. Der Andrang war enorm. Interessiert liessen sich Eltern ueber ein gesundes Pausenbrot aufklaeren, ihre Kinder wiegen, aber der Renner waren eindeutig die Capachica-Koestlichkeiten. Vielen Besuchern fiel es schwer, zu glauben, dass man solch leckere Dinge aus den einfachsten Zutaten und ganz ohne Chemie herstellen kann, alles 100 % Oeko. Die Rezepte waren im Nu vergriffen. Selbst Fernsehen und Radio schenkten uns Beachtung, was will man mehr.
Derzeit laufen die Planungen, in welcher Form wir die Ernaehrungskampagne in diesem Jahr weiter betreiben wollen. Sinnvoll erscheint, nach einem sehr allgemein und breit gestaltetem Anfang individueller auf die einzelnen Orte einzugehen. Marie Isabel, unsere unverzichtbare Ernaehrungsberaterin, hat bereits einige vielversprechende Ideen praesentiert. Wuenschen wir ihr und damit den Kindern viel Erfolg !
Weihnachtskampagne am Titicacasee
In der diesjaehrigen Weihnachtskampagne am Titicacasee wurden an zwei Tagen (15./16.12.) alle vier Projekte auf Capachica (Grundschule und Kindergarten Hilata, Gemeinde Chifron, Kindergarten Santa Maria, Grundschule Llachon) sowie das Blindenzentrum in Puno besucht. Eine gewisse logistische Herausforderung, zumal am Vortag der fuer diese Reise reservierte Bus wegen technischen Defekts ausfiel -:) , doch die entscheidende Frage dieses Jahr lautete: “Haelt das Wetter ?” In der vorhergehenden Woche hatte es fast ununterbrochen geregnet, doch fuer Capachica brauchten wir unbedingt trockenes Wetter. Die Kampagnen auf Capachica sind immer so etwas wie ein kulturelles Ereignis, zu dem auch die Familien der Kinder erscheinen. Und die Schulen / Kindergaerten / Gemeinden verfuegen ueber keine Raeumlichkeit, die gross genug waere, alle aufzunehmen. Um es vorweg zu nehmen, der Weihnachtsmann und/oder das Christkind war(en) mit uns, es blieb die ganzen zwei Tage trocken. Der Regen setzte erst puenktlich am Abend zur Abreise der zu dieser Kampagne aus Arequipa angereisten Kollegen wieder ein.
Der Startschuss fiel am Montag morgen in Hilata. Dank eines grosszuegigen Paten ist es hier schon zur Tradition geworden, ein Fussballturnier auszurichten. Hierbei spielen die verschiedenen Schulklassen gegeneinander. Doch was tun mit den Kindergartengruppen ? Ich hatte im Vorfeld die beiden Erzieherinnen gefragt, ob es moeglich ware, dass die Kinder in den Spielpausen etwas tanzen koennten – mit dem nachfolgenden Ergebnis haette ich im Traum nicht gerechnet.
Das Eselchen aus Bethlehem
Um im sonnigen Klima Punos in Weihnachts-stimmung zu kommen, suchte ich hier am Titicacasee so etwas wie „Oh Tannenbaum“ oder „Oh Du Fröhliche“ – eben ein typisches Weihnachtslied zum Mitschmettern. Zu meinem Bedauern muss ich feststellen, dass es so etwas praktisch nicht gibt. Für die fast ausschließlich indigene Bevölkerung hat Weihnachten nicht die Bedeutung wie für uns – so sind die Lieder, die hier in der Weihnachtszeit gesungen werden spanischen Ursprungs und somit weit verbreitet. Vor allem bei den jüngeren Kindern sehr beliebt ist „Der kleine Esel von Bethlehem“. Warum? Das ist ganz einfach: Das Tuqui, tuqui, tuqui, das Hufgeklapper des kleinen Esels, verführt die Kinder jedes Mal zum Mitmachen – der Takt wird feste mit den Füssen mitgestampft.
Und hier kommt der Text mit Gitarrengriffen!
Erfolgsstory Ernaehrungskampagne
Im Mai 2008 fiel der Startschuss zu unserer Ernaehrungskampagne auf Capachica. Auf Capachica sind die meisten Menschen Selbstversorger, doch auf dieser Hoehe (ca. 3800 m) ist Landwirtschaft schwierig. Allein Kartoffeln, Mais und Quinua (das Andenkorn) gedeihen hier gut. Von einer ausgewogenen Ernaehrung kann keine Rede sein, und so wundert es nicht, dass die Kinder hier viel kleiner sind als in der Stadt und oftmals sehr duenn.
Fuer das Projekt konnte die peruanische Ernaehrungswissenschaftlerin Marie Isabel Parillo Onque gewonnen werden – ein wahrer Gluecksgriff, wie sich schnell zeigen sollte.
Ziel des Projektes ist und war
- allen Kindern eine ausgewogene Mahlzeit am Tag zukommen zu lassen,
- die die Muetter im Wechsel zubereiten
- und dabei Grundkenntnisse ueber Nahrungsbestandteile, eine ausgewogene Ernaehrung etc. erlangen.
Durchgefuehrt wird das Projekt in den Schulen und Kindergaerten (wawawasis) auf Capachica, in denen viSozial seit laengerem aktiv ist, d.h. im wawawasi und in der Schule von Hilata, im wawawasi Santa Maria und in der Schule von Llachón, insgesamt knapp 140 Kinder. Das Ganze sollte natuerlich auch messbar gestaltet werden. So wurden im Mai mit Einverstaendnis der Eltern Koerpergroesse und Gewicht von mehr als 120 Kindern aufgenommen. Die hohe Quote ist allein Marie Isabel zuzuschreiben. Mit unendlicher Geduld und Hingabe ueberzeugte sie in zahlreichen Gespraechen die Eltern davon, dass dies nur zum Besten ihrer Kinder waere, ihnen keine Nachteile daraus entstehen wuerden.
Die Auswertung dieser Messergebnisse zeigte fuer alle Orte mehr als 50 % Unterernaehrung, trauriger Spitzenreiter die Schule von Hilata mit 70,6 %. Ferner war eindeutig festzustellen, je juenger die Kinder, desto gravierender der Grad der Unterernaehrung. So kamen die wawawasis in Hilata und Santa Maria auf knapp 10 % mittlere bis ernste Unterernaehrung, z.T. schon verbunden mit den “aufgedunsenen Baeuchen”, die wir in Europa eigentlich nur mit Fernsehbildern aus Afrika in Verbindung bringen. Ausreisser in die andere Richtung, d.h. Uebergewicht gab es nur in Llachón. Nun gilt hier in Peru gerade auf dem Land immer noch dick = reich, und, um das Ergebnis schon einmal vorwegzunehmen, an dieser Quote haben wir nichts aendern koennen, keiner wollte seinen Reichtum aufgeben. :’(
Am 1. Juni wurde dann das erste Mal gekocht – bis heute erstellt Marie Isabel Muster-Speiseplaene fuer jeden Ort, wobei sie darauf achtet, moeglichst viel “Capachica-eigene” Produkte zu verwenden und auch die althergebrachten Zubereitungsarten zu beruecksichtigen. Hier gab es im Verlauf des Projektes manche Klippe, die sie jedoch mit Bravour gemeistert hat – ich moechte nicht wissen, wie es hier einem Europaeer ergangen waere
. Lebensmittel, die im Sinne einer ausgewogenen Ernaehrung auf Capachica aber kaum zu bekommen oder herzustellen sind wie Obst und Gemuese, schleppt sie bis heute muehsam selber dorthin. Sie besucht jeden Ort einen Tag in der Woche, hilft bei der Zubereitung, erklaert und beantwortet die Fragen, die die Muetter haben.
Bereits Ende Juli erfolgte die erste Kontrollmessung. Es waren gerade mal 2 Monate vergangen, so dass wir keine hohen Erwartungen hegten. Aber die Wirklichkeit belehrte uns eines Besseren – ueberall waren deutliche Verbesserungen messbar, sowohl die Anzahl der Faelle als auch den Grad der Unterernaehrung betreffend. So konnte durchgaengig die Anzahl der Kinder mit einer mittleren bis ernsten Unterernaehrung mindestens halbiert werden, aber auch in den leichterern Faellen gab es Verbesserungen bis hin zum Normalzustand. Besonders beeindruckend die Verbesserungsquoten in Summe in den wawawasis, Hilata mit 11,3 % und Santa Maria sogar mit 16,5 %. Dies zeigt wieder einmal, wie sensibel gerade die Kleinsten reagieren, und wie wichtig es ist, hier fruehzeitig zu helfen, bevor es zu irreparablen Schaeden kommt.
In diesen Tagen finden erneute Messungen statt. Ich kann es kaum erwarten, die Ergebnisse zu bekommen.
Ein Tag in Copacabana – Geburtstagsausflug der besonderen Art
Nachfolgender Artikel stammt von Birgit, unserer derzeitigen Voluntaerin im Blindenzentrum.
Happy Birthday! Das Blindenzentrum “Institución Educativa de Nuestra Señora de Copacabana” am Titicacasee hatte Geburtstag. Seit 20 Jahren werden dort blinde, sehbehinderte und geistig behinderte Kinder und Jugendliche unterrichtet.Im katholischen Peru sollte der Dank für diese 20 Jahre vor allem der Schutzpatronin von Schule und Titicacasee, der Señora de Copacabana, gelten. Darum beschloss das Kollegium, mit den Schülern nach Bolivien zu fahren, in den kleinen Wallfahrtsort Copacabana, um der Jungfrau die Ehre zu erweisen. Nach mehreren Terminverschiebungen sollte der Ausflug schließlich an einem Donnerstag stattfinden. Ich wurde eingeladen, mit sieben weiteren Erwachsenen und ca. 12 Schülern die vierstündige Fahrt im “Schulbus” anzutreten.
Um spätestens sieben Uhr sollte es losgehen. Bei meiner Ankunft im Blindenzentrum um kurz vor sieben musste ich jedoch schnell feststellen, dass der Zeitplan wohl nicht aufgehen würde. Die Schüler saßen noch beim Frühstück, der Bus war noch nicht da und auch kein einziger Lehrer in Sicht. Als gegen halb 9 schließlich der Direktor mit dem Schulbus (der sich als Kombi mit ca. 12 Sitzen entpuppte) ankam, stellten wir fest, dass der linke Hinterreifen Luft verlor. Also wurde mit vereinten Kräften das Auto angeschoben, sprang schließlich auch an und zwei Lehrer fuhren Richtung Werkstatt. Für die Schüler und die größtenteils mittlerweile eingetroffenen Lehrer hieß es also erneut warten.Nach ca. 45 Minuten kam das Auto mit neuem Reifen zurück und endlich konnte es losgehen. Nachdem Essen und Trinken verstaut waren, nahmen die Schüler und schließlich auch die Lehrer Platz. Da der Bus aber leider nicht groß genug war, musste “gestapelt” werden. So saß schließlich die meiste Fahrtzeit über ein Kind auf meinem Schoß. Schön kuschelig fuhren wir los und bereits nach wenigen Metern wurden die ersten Lieder angestimmt und so sangen und lachten wir bis zur bolivianischen Grenze.Copacabana liegt auf der gleichnamigen Halbinsel am Titicacasee und ist vor allem für Peruaner und Bolivianer ein beliebter Pilgerort. Im Dorf angekommen, machten wir uns zunächst auf den Weg Richtung Kathedrale. Die innen komplett vergoldete Kirche nutzten Schüler und Lehrer für zahlreiche Dankgebete. Es wurden Kerzen angezündet für die Señora de Copacabana und für die Schule.
Nach einem kurzen Marktbesuch fuhren wir Richtung Strand, um dort das mitgebrachte Mittagessen mit Blick auf den See zu genießen. Vor der Heimfahrt blieb noch etwas Zeit, um die Umgebung zu erkunden. Diese nutzte ich mit vier stark sehbehinderten Schülern zu einer Tretbootfahrt auf dem See. Nach anfänglicher Angst vor Boot und Wasser genossen die Jugendlichen die Fahrt sehr, wechselten sich ab mit dem Treten und wollten schließlich kaum ans Ufer zurück.
Die Heimfahrt nach Puno verlief dann sehr ruhig. Spät abends erreichten wir mit den glücklich schlafenden Kindern das Zentrum.










