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Dorfentwicklung in Okola – ein erstes Treffen
Wer von der Sonneninsel nach Norden schaut wird am gegenüberliegenden Üfer, weit in der Ferne einen beeindruckenden großen Felsen erblicken, der wie ein schlafender Drache aussieht.
Santiago de Okola, ein verschlafenes Dörfchen, liegt am Fuße dieses Drachenfelsens und betrachtet von dieser Seite des Sees das touristische Treiben gegenüber, auf der Sonneninsel und in Copacabana, begehrte Ziele in Bolivien.
Santiago de Okola am Fuß des Drachens
5 Familien des Dorfes begannen vor 2 Jahren mit zwei Tourismusagenturen ein Experiment in Sachen Zusammenarbeit: Die Familien stellten den Touristen ein Zimmer zur Verfügung und bereiteten ein traditionelles Abendessen vor, sowie das Frühstück am nächsten Tag.
Diese Zusammenarbeit lief gut und nun scheint es dass in den folgenden Jahren mehr Touristen kommen können. Aus den 5 Familien sind 7 geworden und die Anwesenheit von Touristen im Ort wird immer üblicher.
Auch die bolivianische Regierung hat die Potentiale erkannt die der Tourismus rund um den Tititcacasee birgt und hat Geldmittel von der Weltbank bereitgestellt bekommen um die Entwicklung der Region voranzutreiben. In Ausicht stehen Investitionen in Wasserversorgung, Abfallbeseitigung, Bewässerung und Touristischer Infrastruktur.
Die Menschen von Okola haben sich vorgenommen diese Chance zu nutzen und gemeinsam mit ihrer Gemeinde der Regierung ein Projekt schriftlich zu überreichen um aufgrund der guten und schlechten Erfahrungen die in den letzten zwei Jahren mit Touristen gemacht wurden einige wichtige Vorhaben umsetzen zu könnenwelche die Entwicklung des Dorfes voranbringen.
Unser Beitrag als visozial ist dabei die Gemeinde bei der Organisation und Planung dieses Dorfentwicklungsprojektes zu helfen.
Am 12. März trafen wir uns mit Einwohner des Dorfes und veranstalteten ein kleines Seminar in dem erste Ideen und Ziele zusammengetragen wurde die in ein konkretes Projekt einfließen sollen.
Beschlossen wurde die Unterstützung der Dorfschule mit Lehrmaterial und Geräte, besonders ein Fotokopierer ist nötig, denn der nächste befindet sich in 30 Km. Entfernung.
Zusamen mit dem Lehrerkollegium und den Elternrat werden wir ein Schulgarten fördern mit dem der landwirtschaftliche Reichtum in den Lehrplan integriert werden soll.
Das erste Planungstreffen im Dorf
Der Bau eines Dorfmuseums, einer Anlegestelle und die Einrichtung einer Gemeinschaftsküche und Essraum die sowohl für Touristische als auch für Gemeindezwecke genutzt werden soll wurden auch beschlossen.
Wir freuen uns auf eine enge Zusammenarbeit mit Santiago de Okola!
Tomás Sivila – La Paz
Vom Straßenkind zum Gründer von Luz de Esperanza
Daniel, der selbst mehrere Jahre seines Lebens auf der Straße verbracht hat, leitet heute das
Sozialprojekt Luz de Esperanza (Licht der Hoffnung) in El Alto/Bolivien. viSozial unterstützt Luz de Esperanza seit langer Zeit. Daniels Geschichte möchten wir euch heute gerne einmal vorstellen:
“Eines Tages möchte ich ein eigenes Haus besitzen, wo wir als freie Menschen ruhig und friedlich leben können, ohne auf der Straße schlafen zu müssen!” Diesen Traum hatte der heute 23-jährige Daniel, als er wie Tausende anderer Kinder und Jugendliche auf den Straßen von El Alto lebte.
El Alto – eine Stadt mit ca. 800.000 Einwohnern am Rande von La Paz. Fern ab vom reichen Stadtzentrum prägen Straßenkinder, die sich in Pandillas (Banden) zwischen 20 und 100 Personen organisieren, das Stadtbild. Sie teilen untereinander das wenige Geld, das sie mühsam als Schuhputzer oder Markthelfer verdient oder erbettelt haben, um Essen oder Alkohol und Drogen kaufen zu können. Ihr Alltag ist geprägt von Bandenkriegen, Betteln sowie Alkohol- und Drogenkonsum – ein Kampf ums Überleben.
Daniel landete damals mit acht Jahren auf der Straße, als sich seine Eltern scheiden ließen. Seinen Vater hat er als gewalttätigen Menschen in Erinnerung. In dieser Zeit war Daniel oft auf dem Cementerio (Friedhof) in El Alto anzutreffen. Der Cementerio ist ein beliebter Unterschlupf und Treffpunkt für die Straßenkinder in El Alto, der ihnen gerade im eiskalten Winter auf 4000 Metern etwas Schutz bietet.
Schon mit acht Jahren arbeitete Daniel bis spät abends als Kassierer in einem Minibus. Zwei Jahre später, mit nur zehn Jahren, trank er regelmäßig Alkohol. Daniel wollte immer zur Schule gehen und etwas lernen, doch er schaffte es in den darauffolgenden Jahren immer seltener zum Unterricht, weil er zuviel Alkohol trank. Mit 16 Jahren war er regelmäßig betrunken, schwänzte immer öfter den Unterricht und musste schließlich alles verkaufen, was er sich hart erarbeitet hatte: Kleidung, Bücher usw.
Dann starb Daniels bester Freund Joaquín an den Folgen seines Alkohol- und Drogenkonsums auf der Straße. Bei dessen Beerdigung traf Daniel zum ersten Mal auf Doris, der heutigen Leiterin des Sozialprojektes Luz de Esperanza. Sie befasste sich schon seit Längerem mit den Straßenkindern von El Alto, hatte sich besonders mit Joaquín angefreundet und war schockiert, wie diese Kinder und Jugendlichen von der Gesellschaft ignoriert werden. Sie erkannte, dass Daniel wissbegierig war und unterstützte ihn und auch seine Freunde, indem sie ihnen die Teilnahme an einem Computer- und Malkurs ermöglichte. Daniel war daraufhin oft bei Doris zu Hause und lebte schließlich bei ihr. Heute ist Doris für ihn wie eine Mutter.
Eines Tages präsentierte sie ihm und seinen Freunden ein Grundstück in El Alto, welches die Ordensgemeinschaft von Doris gekauft hatte und welches ihnen gehören sollte. Daniel erinnerte sich an seinen alten Traum: “Eines Tages möchte ich ein eigenes Haus besitzen, wo wir als freie Menschen ruhig und friedlich leben können, ohne auf der Straße schlafen zu müssen!” Der Traum sollte Wirklichkeit werden! Daniel gründete mit Hilfe von Doris und ihrem Orden das Projekt Luz de Esperanza für ehemalige Straßenkinder und –jugendliche. Bei Luz de Esperanza finden sie ein neues, warmes Zuhause und werden in dieser Gemeinschaft bei ihrem sanften Drogenentzug unterstützt.
Das erste im Projekt gebaute Haus
Heute leitet Daniel gemeinsam mit Doris das Projekt. Luz de Esperanza betreut zurzeit 26 ehemalige Straßenkinder und -jugendliche zwischen 12 und 26 Jahren, die alle wieder die Schule besuchen. Die Kinder und Jugendlichen organisieren und versorgen sich hauptsächlich selbst. Sie kümmern sich gemeinsam um das Gemüse und die Blumen in den Gewächshäusern, füttern die Hühner und Schweine und abwechselnd ist eine andere Gruppe für Küchen- und Putzdienst verantwortlich. Luz de Esperanza bietet neben der schulischen Ausbildung auch die Möglichkeit, den Umgang mit dem Computer oder das Schneidern zu erlernen. Dafür gibt es extra einen Informatikraum sowie eine Schneiderin, die ehrenamtlich ins Projekt kommt und den Kindern und Jugendlichen den Umgang mit Nadel, Faden und der Nähmaschine lehrt.
Während der Anfänge von Luz de Esperanza hatte Daniel aber noch viel mit sich selbst und seiner Vergangenheit zu kämpfen. Um vom Alkohol loszukommen musste er seine alten Freunde aufgeben. Diese beneideten ihn um seine Entscheidung, das Leben auf der Straße hinter sich zu lassen. In dieser schwierigen Zeit half ihm sein Lebensmotto: “En tiempos de turbión no te mudes”. Das bedeutet soviel wie “Ziehe nicht um, wenn es hagelt”. Gemäß diesem Motto traf er, wenn es ihm schlecht ging, keine Entscheidungen. Denn nur wer zufrieden und mit sich selbst im Einklang ist, kann gute Entscheidungen treffen, die einen vorwärts bringen.
So schaffte es Daniel auch einen weiteren Wunsch zu verwirklichen: Mit Hilfe eines Stipendiums studiert er heute im dritten Semester Unternehmensverwaltung. Gemeinsam mit einem anderen Jungen von Luz de Esperanza ist er an einer der besten Universitäten Boliviens eingeschrieben – der UCB (Universidad Católica de Bolivia) in Obrajes, im Süden von La Paz. Mit seinem Wissen möchte er Luz de Esperanza, wo heute auch viele seiner alten Freunde leben, am Leben erhalten, um den Straßenkindern und –jugendlichen in El Alto einen liebevollen und sicheren Zufluchtsort zu geben. Davon träumt er heute, und er weiß, dass sich auch dieser Traum mit der Zeit erfüllen wird. “Deshalb darf man nie aufhören zu träumen!”
Das Projekt Heute
viSozial unterstützt diesen Traum. Mit euren viSozial-Spendengeldern können wir die Kinder und Jugendlichen und ihr Projekt mit Lebensmitteln und anderen Sachspenden versorgen.
Weitere Informationen zu diesem einzigartigen Projekt gibt es hier.
Über diese Website habt ihr auch die Möglichkeit Geld zu spenden oder euch als freiwillige Helfer bei Luz de Esperanza zu bewerben.
Bettina Mahnecke – Ehemalige Praktikantin in La Paz




