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Gemeindetourismus in Quilotoa
Letzten Freitag wurde an dem malerischen Kratersee Quilotoa im Rahmen eines Projekts des Gemeindetourismus ein neues Restaurant direkt am Kraterrand eingeweiht. Mitglieder der Gemeinde hatten in den letzten fünf Monaten touristische Fortbildungen erhalten, um in dem neuen Restaurant fachgerecht zu arbeiten.
Unsere Mitarbeiterinnen Britta und Berit waren vor Ort, und haben mit der Gemeinde gefeiert. Durch den Betrieb des Restaurants und Übernachtungen in den Hostals der indigenen Familien von Quilotoa wird der Ort selbst gefördert, da die Einnahmen direkt bei den Gastgebern bleiben. Der Bau des neuen Restaurants Kirutwa, Mushuk Wasi und die Ausbildung der Mitarbeiter aus der Gemeinde wurde von der Stiftung Maquita Cushunchic gefördert, um den Gemeindetourismus aufzubauen und dem gesamten Dorf eine Einkommensquelle zu schaffen.
Gemeindetourismus gewinnt in Ecuador immer mehr an Bedeutung und wird von höchster Stelle, dem Tourismusministerium, gefördert. Im Rahmen eines Nachhaltigen Tourismus soll sowohl das Einkommen der lokalen Bevölkerung gesichert, als auch die reichhaltige Natur und die materielle wie immaterielle Kultur der vielfältigen Ethnien des Landes geschützt werden.
Reittherapie für die Kinder der FUSA
Ein Wiehern hallt durchs Wohnzimmer. Die 11-jährige Maria Carolina sitzt vor dem Fernseher und schaut einen Pferdefilm. Sie ist aufmerksam, konzentriert und lächelt. Sie liebt Pferde wie so viele Mädchen in ihrem Alter. Dabei kann sie noch nicht einmal das Wort Pferd sagen. Maria Carolina ist mit dem Angelman-Syndrom auf die Welt gekommen, einem neurologischen Geneffekt, den eine angeborene Intelligenzstörung, epileptische Anfälle, eine gestörte Psychomotorik und eine fehlende Sprachentwicklung charakterisieren. Im besten Fall wird sie in ihrem Leben fünf verschiedene Worte sprechen können. Maria Carolinas einziges Wort ist bisher Papa.
Seit Februar 2006 hat die von viSozial unterstütze Organisation FUSA – Fundacion Sonrisa de un Angel – die Möglichkeit mit den geistig und körperlich behinderten Kindern alle 2 Wochen zur Therapie zu kommen. Das war vorher nicht möglich, da die finanziellen Mittel für Therapie und Transport fehlten. Die Finanzierung des Transports ist mittels der Spendengelder von viventura-Reiseteilnehmern nun möglich. Die 8 Kinder der FUSA freuen sich seitdem jeden 2. Dienstag auf den Ausflug ins Tal und genießen den Kontakt zu den großen ruhigen Tieren.
Vor drei Jahren hat Maria Carolina schon einmal Reittherapie gemacht, die ihr sehr gut getan hat. Denn die dreidimensionale Schwingung des Pferderückens trainiert die Grobmotorik, das Gleichgewicht und die Halte-und Stützfunktionen. Ihre Mama Rocio hat ihr gesagt, dass sie wieder Reiten darf und sie ist wie ausgewechselt. Sie erinnert sich an die großen Tiere und wartet auf den großen Tag.
Wir bringen sie zum Pferd, da sie nicht ohne Stütze laufen kann. Dann bekommt sie plötzlich Angst, schreit und schlägt um sich. Das Pferd steht geduldig und still. Mit viel Geduld und gutem Zureden schaffen wir es, dass sie sich auf das Pferd setzen lässt. Die ersten Schritte ist sie angespannt, dann beruhigt sie sich ein wenig und wir schaffen 2 Runden und ein paar Übungen mit den Armen. Dann reicht es, sie fängt wieder an zu schreien und will nicht mehr. „Sie hat sich tagelang gefreut, sie hat auf jedes Pferd gezeigt, dass sie in einer Zeitschrift gesehen hat und gestrahlt“, sagt Rocio. Keiner versteht, warum sie sich sträubt. Heute hat sie ihre 3. Therapiestunde beendet, mittlerweile sitzt sie alleine auf dem Pferd und macht Übungen mit der begleitenden Therapeutin. Sie legt sich mit dem Kopf nach unten auf das Pferd, reckt die Arme nach oben und seitwärts oder reitet rückwärts.
Die Nutzung der Bewegungen des Pferderückens hat bereits erstaunliche Erfolge in der Behandlung verschiedener physischer und mentaler Erkrankungen und Behinderungen gebracht. Es wird nicht als Therapie empfunden und bewirkt unmittelbare positive Erlebnisgefühle der Freude und des Spaßes.
Allgemein steht die FUSA momentan finanziell auf sehr wackeligen Beinen und viSozial half der Fundacion diesen Monat mit einer Sonderspende von 500 USD für Miete und laufende Kosten wie Wasser und Elektrizität aus der Krise.
Über jede Unterstützung sind Maria Carolina, ihre Mama Rocio und alle anderen Kinder und Eltern dankbar, sei es als Spende oder durch Mithilfe im Projekt.
Weihnachten in Quilotoa
Direkt vor den Feiertagen ist das viSozial-Team in Ecuador nach Quilotoa gefahren, um den Patenkindern im Rahmen der Weihnachtsaktion Geschenke zu überbringen.
Hier möchte ich euch nun über Weihnachten im andinen Hochland von Ecuador erzählen. Wir haben wieder fleißig Fotos für euch gemacht und sogar ein kleines Video gedreht:
Die meisten Einwohner Südamerikas gehören dem katholischen Glauben an und so ist Weihnachten auch in Ecuador ein bedeutender Feiertag. In großen Städten wird das wichtigste christliche Fest recht ähnlich wie in Deutschland gefeiert, mit einem guten Essen an Heiligabend, Kirchbesuchen, Familienzusammenkünften am Weihnachtsfeiertag, Geschenken, Plätzchen und geschmückten Plastikbäumen. In abgelegenen indigenen Gemeinden in den Anden sind die Bräuche hingegen etwas anders…
Am Wochenende vor Weihnachten fuhr das Team von viSocial Ecuador nach Quilotoa, einem kleinen Dorf auf 3800 Meter Höhe in den Anden. Dort befindet sich das Hauptprojekt von viSocial, das in der Unterstützung der Schüler der Gemeinde mit ihren fünf Grundschulen und ein paar Oberschülern besteht.
Schon auf dem Weg nach Quilotoa konnten wir einen Brauch hautnah erleben: kleine „Wegelagerer“ blockierten die Straße und ließen uns erst nach einer Bestechung mit Süßigkeiten passieren! Glücklicherweise war unser Fahrer vorbereitet und wir konnten den Kinder entlang der Route mit Schokolade und Keksen eine Freude machen.
Als wir einige Straßenblockaden später in Quilotoa am Haus unseres lokalen viSozial-Koordinators José ankamen, war es dunkel und ordentlich kalt. Josés Frau hatte uns aber bereits einen Canzelazo zubereitet, die hiesige Variante von Glühwein aus Naranjilla-Früchten, einem andinen Nachtschattengewächs, dem man selbst einen Schuß Rum nach Belieben beifügt.
In gemütlicher Runde mit José, seiner Frau Delfina und sechs seiner acht Kinder erzählte uns die Familie von Weihnachten in den ecuadorianischen Anden. Neben den auch uns bekannten Bräuchen, wie einem gemeinsamen Essen im Kreis der Familie, stehen in Quilotoa nicht die Geschenke, ein Besuch in der Kirche oder die Zusammenkunft der Familie im Vordergrund. An Weihnachten fahren die Familien von Quilotoa abends in den nächstgroßen Ort Zumbahua, wo auf dem Marktplatz ein reges Treiben herrscht. Von mehreren umliegenden Dörfern und Weilern kommen die Menschen hierher, um zu feiern. Sie bringen holzgeschnitzte Masken mit, die während des Jahres teilweise als Schmuck an den Wänden der Wohnungen hängen. In Gruppen tanzen die Maskierten auf dem Platz, wobei jede Person eine individuelle Rolle tanzt. Es handelt sich also nicht um einen einstudierten Gemeinschaftstanz, sondern um ein improvisiertes gemeinschaftliches Tanzen. Erst spät am Abend finden die Tänze ein Ende und die Teilnehmer machen sich zu Fuß oder auf einfachen Pritschenwagen auf den Heimweg.
Auch wir kuschelten uns tief in unsere Schlafsäcke, nachdem das Feuer in dem kleinen Holzofen in Josés Wohnzimmer erlöscht war. Am nächsten Morgen schon während wir früstückten, versammelten sich immer mehr Kinder teilweise mit ihren Eltern auf der Wiese vor Josés Haus. Um zehn Uhr war die Wiese dicht belagert und mehrere Schulklassen sowie eine Kindergartengruppe sangen der Reihe nach ein Weihnachtslied auf Quechua, Spanisch und sogar Englisch. Fleißig klatschten wir mit den Kindern mit, zum einen, um die kleinen Sänger anzufeuern, zum anderen, um unsere kalten Hände zu wärmen.
Nachdem jedes Kind eine Tüte mit Süßigkeiten erhalten hatte, blieben nur noch die Kinder des Patenprogramms von viSocial da. Nach Schulen wurden sie einzeln aufgerufen und holten sich ihr Weihnachtsgeschenk ab. Jedes Kind bekam von viSocial ein altersgerechtes Puzzle geschenkt, und die Kinder mit persönlichen Patenpäckchen erhielten auch diese. Als wir die Kinder mit ihren Geschenken fotografieren wollten, waren fast alle so aufgeregt, dass sie gar nicht in die Kamera lächeln konnten, aber Tom fand das Zauberwort heraus: „Asi!“ Das heißt „Lächeln“ auf Quichua.
Nach über fünf Stunden und mit eiskalten Füßen war der Spuk vorbei und nur einige Nachzügler, die nicht früher ins Dorf kommen konnten, mussten noch versorgt werden. Die Kinder hatten sich fröhlich auf den Heimweg gemacht, und wir wärmten uns mit heißer Suppe auf, bevor wir den Rückweg durch die weihnachtlichen Straßensperren der Kinder nach Quito antraten.
Auch dieses Jahr konnten wir so durch die Unterstützung von Paten, viventura-Reiseteilnehmern und Spendern den Kindern von Quilotoa wieder eine kleine Weihnachtsfreude bereiten.
Vielen Dank im Namen der Kinder von Quilotoa an alle Unterstützer von viSocial Ecuador!!!






