Straßenkinderprojekt: Luz de Esperanza

Das Sozialprojekt Luz de Esperanza wurde ab Anfang 2006 von viventura Reisen GmbH unterstützt und seit der Gründung von viSozial e.V. im Jahr 2006 von uns weitergefördert.

30 Minuten mit dem Bus vom Zentrum der bolivianischen Großstadt La Paz entfernt liegt El Alto. Die circa 1 Mio Einwohner Boliviens am schnellsten wachsende Stadt leben auf etwa 4000m unter rauhen Lebensbedingungen und hoffen doch, in dieser Stadt Arbeit und somit ein besseres Leben zu finden. Die meisten von ihnen zogen in den letzten 30 Jahren aus dem ländlichen Raum und den Bergbauregionen zu. Nahezu alle sind indigenen Ursprungs. In El Alto kollidiert somit traditionelles bäuerliches Leben mit der Dynamik einer wachsenden Millionenstadt. Viele Familien zerbrechen an diesen Druck, ihre Kinder und Jugendlichen zahlen die Zeche. Das Straßenbild El Alto ist geprägt von Schuhputzern, Bettlern und Obdachlosen jeglichen Alters. Und leider auch von Jugendlichen, die an der Flasche hängen oder Klebstoff schnüffeln und sich ihren Lebensunterhalt mit Diebstahl und Prostitution verdienen. Staatliche Initiativen zur Begrenzung der Kinder- und Jugendobdachlosigkeit sind so gut wie nicht existent. Kirchliche Institutionen, NGOs und private Initiativen übernehmen hier die Rolle die eigentlich dem Staat zustünde. viSozial hat sich zum Ziel gesetzt die benachteiligten Kinder und Jugendlichen El Altos einen Weg zurück in ein normales Leben zu ermöglichen und ihnen eine Zukunftsperspektive zu bieten.

small Straßenkinderprojekt: Luz de Esperanza

Wie alles begann

2000: Die Ordensschwester Doris Huerta Quino und wenige Jugendliche beginnen auf einem kirchlichen Grundstück ein erstes kleines Haus zu bauen.

2000 bis 2005: Dank der Unterstützung verschiedener Organisationen werden von den Jugendlichen selber weitere Unterkünfte, Werkstätten und Anbauflächen für Kartoffeln errichtet, sowie Ställe und Lagerräume.

2006: Unterstützung des Projekts durch Sachspenden und Exkursionen ins Gebirge, Finanzierung von Mobiliar sowie die finanzielle Übernahme Solar beheizter Warmwasserspeicher

Seit Juni 2006: Übernahme der Unterstützung durch viSozial e.V.

Projektbeschreibung

Luz de Esperanza ist eine im Jahr 2000 gegründete gemeinnützige Organisation welche das Ziel verfolgt auf Straßenkinder und Jugendliche zuzugehen um ihre Tendenzen zur Marginalisierung Kriminalität und Alkohol-und Drogenkonsum (Klebstoffe) zu begrenzen. Seit März 2000 kümmert sich die Ordensschwester Doris Huerta Quino um eine Gruppe von 7 bis 9 Straßenkinder die in der Umgebung des Friedhofs in La Paz lebten und baut ein Vertrauensverhältnis mit ihnen auf. Mit dem Tod von zwei der Strassenkinder beschliesst die restliche Gruppe das Strassenleben aufzugeben und zieht ins Ordenshaus von Schwester Doris´ Kongregation.

Mit Hilfe der Kirche bauen die „chicos de la calle“ – die Straßenkinder auf einem 5 Hektar großen kirchlichen Grundstück am Rande von El Alto eine 54 qm große Wohnung gebaut, sie beinhaltete 2 Schlafräume, ein Wohn- und Essraum, Küche und Bad. Schon während des Baus gaben einige Kinder den Alkoholkonsum auf und besuchten Computerkurse in kirchlichen Institutionen.

Die Kinder sagten: „Uns, die auf der Strasse leben, helfen keine Projekte die von 9 bis 17 Uhr funktionieren, wir brauchen etwas was 24 Stunden läuft und 7 Tage die Woche“… So kam es dass sie selber anfingen ihr Projekt weiterzuleben und es selber zu organisieren.

Wenig später war das erste Wohnhaus zu klein und weitere kamen hinzu. Heute leben etwa 30 “Chicos de la calle“ regelmäßig im Projekt. Es hat heute neben den Wohneinrichtungen auch Werkstätten, Lagerräume kleine Anbauflächen, Ställe, einen Sportplatz, eine Bäckerei und ein Computerraum. Die Kinder und Jugendlichen von Luz de Esperanza leben im Projekt, welches sie als ihr Zuhause verstehen, je nach Eignung und Alter besuchen sie schulische Einrichtungen oder sogar schon Universitäten.

Im Speisesaal von Luz de Esperanza

Die Philosophie des Projektes lässt sich so zusammenfassen:

Die Menschen finden in ihren eigenen Krisen die Kraft, um aufzustehen…der Mensch kann aus Hindernissen neue Wege erschaffen.
Wenn sich jemand in sensibler und richtiger Weise verstanden fühlt, entwickelt er/sie ein Verhalten was zu Veränderung und Wachstum führt.

Den Jungs müssen wir “das fischen beibringen und ihnen nicht den Fisch zu schenken”.

Und als therapeutisches Ziel verfolgt Luz de Esperanza:
- Dass die Jungen des Projektes selber ihr Bedürfniss nach Veränderung
entwickeln
- Dass es Wirklichkeit wird, dass der Nutzer des Projektes der Hauptakteur
seiner Geschichte und seines neuen Lebensstiles wird.

Der Verein steht im engen Kontakt zu anderen therapeutischen Einrichtungen und zu fördernden Institutionen, darunter außer der katholischen Kirche, die Fundacion Suez, Usaid, wir von viSozial, die Vereinigung der Botschafterfrauen und andere.

Was bedeutet unsere Arbeit konkret?

Luz de Esperanza unterstützen wir aktiv und finanziell, etwa einmal im Monat veranstalten wir mit den Chicos de la Calle Ausflüge in die Königskordillere und sportliche Aktivitäten.

Finanziell unterstützen wir bisher den Ausbau der Waschgelegenheiten und Duschräume des Projektes sowie die Anschaffung und Installation der solaren Warmwasseranlagen für die Dusch- und Waschräume.

Sehr wichtig ist unsere Vermittlung von freiwilligen Helfern an das Projekt.

Durchschnittliche Kosten pro Monat:

Auch wenn das Projekt gut ausgestattet erscheint sollte man beachten dass die Finanziellen Mittel für den Erhalt und Ausbau des Projektes von Schwester Doris selber aufgetrieben werden müssen. Staatliche Stellen unterstützen das Projekt kaum, es ist daher auf die Förderung durch wohlmeinende Institutionen und Privatpersonen angewiesen.

Die Monatlichen Kosten belaufen sich auf:

- Verpflegung: 5270 Bs. (ca. 530 EUR), ein wichtiger teil der Nahrungsmittel wird selber angebaut (Gemüse, Kartoffeln)

- Ausbildung: 2325 Bs. (ca. 253 EUR).

- Wasser, Gas, Strom: 1162 Bs (ca. 120 EUR)

- Kleidung: 1162 Bs (ca. 120 EUR)

- Gesundheit: 550 Bs. (ca. 55 EUR)

- Erholung: 385 Bs (ca. 38 EUR)

Das Projekt kann vom Staat kaum Hilfe erwarten, es ist auf finanzielle und materielle Hilfe durch Spender angewiesen. Dies zeigt, dass unsere Unterstützung auf jeden Fall fortgesetzt werden muss.

Unterstützung durch Spenden

Wer Luz de Esperanza unterstützen möchte, den bitten wir das folgende Spendenformular auszufüllen.

Was wird in naher Zukunft von viSozial e.V. geplant?

- Übernahme von Infrastrukturkosten

- Vertiefung der inhaltlichen Zusammenarbeit

- Vermittlung von freiwilligen Helfern

Aktive Unterstützung durch Freiwilligenarbeiter

Seit 2006 vermitteln wir auch Volontäre nach Luz de Esperanza. Schwerpunktmäßig liegt die Unterstützung die man leistet bei der Landwirtschaft, bei der Unterstützung in den Werkstätten oder durch Lernhilfe, z.B. Nachhilfe, Unterstützung bei den Hausaufgaben, dies vor allem in Abhängigkeit der Fertigkeiten des Helfers. Als Hauptaufgabe allerdings gilt das Zusammenleben mit den Jungs von Luz de Esperanza, und das Teilen ihres Alltages. Übernachtung und Verpflegung werden vom Projekt gestellt.

Da sich die Kinder und Jugendlichen hauptsächlich selbst organisieren, würden sie alles zeigen und das einlernen übernehmen, natürlich mit Unterstützung der Projektleiterin Doris.

Im Projekt leben nur Kinder und junge Männer, in jüngster Vergangenheit gab es Probleme durch die Anwesenheit junger weiblicher freiwillige Helferinnen, dadurch wird unsere Vermittlung von freiwilligen Helfer auf Wunsch des Projektes auf männliche Bewerber beschränkt. Bitte habt Verständniss dafür.

Damit man sich beim Sozialprojekt Luz de Esperanza gut einbringen kann, sollten folgende Grundvoraussetzungen erfüllt sein:

- gute Spanischkenntnisse (vor allem mündlich), im Projekt spricht niemand Deutsch oder Englisch

- mindestens 25 Jahre; die Kinder und Jugendlichen im Projekt sind zwischen 12 und 26 Jahren

- aufgeschlossen, tolerant und emotional stabil sein.

- gut mit Kindern und Jugendlichen umgehen können

- unter einfachen Bedingungen leben können: Männliche Volontäre schlafen in Mehrbettzimmern mit den Jungs vom Projekt, weibliche bekommen ein Einzelzimmer

- Verantwortungsbewusst und kompromissbereit sein

- Neugier und Interesse an einer fremden Kultur zeigen

- Nichtraucher sein, bzw. nicht im Projekt rauchendamit die ehemals drogenabhängigen Kinder und Jugendlichen nicht zum Zigarettenkonsum verleitet werden.

- im Projekt auf den Genuss von Alkohol verzichten

- körperlich relativ fit sein (bis zur nächsten Straße sind es ca. 20 Fußminuten)

Ausserdem sollte man

- sehr viel Toleranz gegenüber allen Mitbewohner zeigen, vor allem Toleranz gegenüber der Frustration

- sich in die Tätigkeiten und Aufgaben des Projektes engagieren (Küche, Bäckerei, Putzen, Einkaufen auf dem Markt etc.)

- im Projekt mindestens 4 Monate bleiben (ein Monat als Eingewöhnungszeit und 3 Monate Mitarbeit)

- offen sein und einen Sinn für Gemeinschaft mitbringen

- etwas konkretes lehren: Mathematik, EDV, Englisch, Musik, Lesen, etc.

- die Mahlzeiten gemeinsam einnehmen

- an allen Aufagben teilnehmen, nicht immer im gleichen Maße wie die Jungs aber zumindest Engagement zeigen

- bitte private Reisen vor oder nach der Helfertätigkeit betreiben

- mögliche Abwesenheit zeitig melden und bitte nur tagsüber das Projekt verlassen oder zum Projekt zurückkehren, um nicht nachts in El Alto unterwegs zu sein

- Kreativität mitbringen

- zur Ordnung und Sauberkeit im Projekt beitragen

- so oft wie möglich an unseren organisatorischen Treffen teilnehmen

- bevor Geschenke gemacht werden, bitte zuvor bescheid sagen (Doris), die Jungs neigen oft zum Bitten und Betteln. Wir möchten aber, dass die Jungs sich ihren Lohn verdienen.

- Spaziergänge oder Ausflüge mit Jungs aus dem Projekt bitte immer mit dem/der Verantwortlichen absprechen

- bei geplanten Tätigkeiten die Organisation im Projekt berücksichtigen

- Mitgefühl für jeden im Projekt und auch außerhalb mitbringen.

Einen guten Eindruck über das Projekt vermittelt die von spanischen Helfern initiierte Webseite des Projekts

Manuel Schaaf war der erste Volontär im Projekt, das Feedback zu seiner Zeit im Projekt ist sehr Anschaulich.

Feedback von Manuel Schaaf - Luz de Esperanza (Bolivien)

Also bevor ich auf meine Erfahrungen zu sprechen komme, will ich mich kurz vorstellen. Ich bin Manu, 24 Jahre alt, Student der Wirtschaftswissenschaften und lebe normalerweise in Berlin.

Ich habe im Projekt “Luz de Esperanza” 3 Monate mit den Kids gearbeitet, gelebt und gelacht. Das Projekt liegt in El Alto auf ca. 4000m Höhe was meine ersten Umstellungsschwierigkeiten hervorrief. Kopfschmerzen und leichte Magenverstimmung sind da voll normal. Das Ganze wäre auch nach 3 Tagen vorbei gewesen, wenn man (ich) nicht auf die Idee gekommen wäre Fußball zu spielen. Also damit sollte man ein bisschen warten oder es zumindest langsamer angehen lassen. Das Leben im Projekt ist anders und es gehört ein gutes Stück Anpassungsvermögen dazu, um sich auf alles Neue einlassen zu können. Mir ist dies recht gut gelungen und ich habe mich im Projekt wohlgefühlt. Die Kids sind alle schwer in Ordnung und es war das erste mal dass ich 28 Brüder hatte. Aufregend!

Meine Arbeit bestand im täglichen Englischunterricht und im 2 x Mal wöchentlich stattfindenden Computerunterricht und natürlich dem Leben im Projekt selbst. Ob ich mit den Kids gespielt habe oder ihnen mit ihren Hausaufgaben half und alleine die Präsenz im Projekt ist ein Teil des Aufgabenfeldes. Es war natürlich nicht immer einfach, weil, auch wenn das Projekt groß ist, es manchmal klein dort wird und manchmal schaffte ich es trotz 28 Brüder, mich ein wenig einsam zu fühlen.

Doch alles in allem hatte ich eine schöne und unvergessliche Zeit und habe selbst wieder viel dazugelernt. Meine Arbeit hatte mit meinem Studium überhaupt nichts zu tun, doch ich habe vieles vieles wichtigere andere gelernt.

Ein letztes Wort zu viventura, also Iris und Tomás, ihr seid zwei super sympathische Personen. Weiter so. Muchas Gracias Manu.

Anmerkung viSozial: Manu war unser erster Volontär im Luz de Esperanza. Wir danken ihm sehr für sein Engagement. Alles Gute, Manu!

Weitere allgemeine Informationen zum Freiwilligendienst sowie zu freien Stellen in Bolivien

- Antworten auf weitere Fragen findet man auch in den FAQs

Gerne kann man aber auch Kontakt zu unserem Ansprechpartner Tomás in Bolivien aufnehmen

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