viSozial in Brasilien
Brasilien ist wahrscheinlich von der stärksten sozialen Ungleichheit gekennzeichnet wie kein anderes südamerikanisches Land. Die Schere zwischen Arm und Reich ist in diesem großen Land mehr als offensichtlich. In den Großstädten nehmen die Slums, hier Favelas genannt, immer grössere Bereiche ein. Fast ein jeder Brasilianer aus dem Hinterland hat irgendeinen Verwandten, welcher am Rand einer Großstadt lebt. So ist besonders nach einer Trockenperiode die Landflucht sehr groß und in die ärmlichen Behausungen der Verwandten in der Stadt kommen weitere Familienangehörige in der Hoffnung auf ein besseres Leben. Natürlich soll der Aufenthalt immer nur für kurze Zeit sein, um dann mit dem selbstverdienten Geld schnell ein eigenes Häuschen zu bauen. Doch dies bleibt meist ein Traum und so drängen sich auf allerkleinstem Raum immer mehr Menschen zusammen.
Diese Situation ist natürlich wie Dünger für eine Unmenge von sozialen und gesellschaftlichen Problemen innerhalb der Familie und auch unter den Nachbarn. Die Väter lassen ihre Familie oft im Stich und verschwinden oftmals mit einem jungen Mädchen in ein anderes Armenviertel. Die Mütter müssen dann alleine die Kinder durchbringen, aber wenige können der seelischen und körperlichen Anstrengungen standhalten. Daher suchen oftmals schon die Kinder Alternativen, um aus diesen unhaltbaren Verhältnissen zu entfliehen. Aber der Wunsch nach einem besseren Leben geht bei vielen Kindern und Jugendlichen schnell verloren, da sie meistens keine gute Ausbildung genossen habe. Viele Mädchen sind in diesem Alter schon schwanger und die Hoffnung auf ein besseres Leben weicht oft einem noch tieferen Abgrund. Die Jungs versuchen durch Diebstahl und als Handlanger für die Drogenhändler leichtes Geld zu verdienen, was sie aber oft mit dem Leben bezahlen.
Wer einmal in dieser Umgebung lebt, hat kaum eine Chance, da heraus zu kommen. Auch mit großem Einsatz und Willen bleibt es meißt nur bei dem Versuch, eine bessere Schule oder Arbeit zu bekommen. Die Reichen und der Mittelstand brauchen die Favelabewohner, welche für einen Mindestlohn arbeiten, um ihren Lebenstandart halten zu können.
Die Regierung versucht zwar mit sozialen Programmen die Situation der Armen zu verbessern, aber es sind immer nur Hilfen für den Moment, es gibt kaum staatliche Projekte für eine nachhaltige Veränderung der Lebenssituation dieser Bevölkerungsschicht. So bekommen viele Familien Care-Pakete und ein Zusatzgeld von der Regierung, welche der momentanen Situation der Familien eine kleine Hilfe sein können. Aber eine bessere Zukunft wird mit diesen Programmen nicht gewährleistet und der Teufelskreis bleibt weiterhin geschlossen.
Um diesen Kreis zu sprengen, unterstützen wir verschiedene Projekte in den Grosstädten sowie auch im Hinterland. Unsere zentrale Idee ist, durch die Förderung der individuellen Fähigkeiten sowie die Einbeziehung und nachhaltige Nutzung des natürlichen und kulturellen Potentials, neue Einkommens- und Beschäftigungsmöglichkeiten zu generieren. Auch soll dadurch beispielhaft der Umwelt gezeigt werden, dass es Alternativen gibt zu Raub, Drogen und Prostituition.
ABEAC - Jugendzentrum
Die ABEAC (1999 gegründet) versucht im Sinne eines Stadtteilprojektes die Kinder und Jugendlichen der Halbinsel Itapagipe zu unterstützen. Diese wohnen zwar in ihren eigenen Familien und gehen in die Schule, bekommen aber im Zentrum Mahlzeiten und können die schulfreie Zeit dort verbringen. Momentan frequentieren ca. 120 Kinder von 5 – 17 Jahren das Jugendzentrum. Hausaufgabenbetreuung, Nachhilfe, Spiele, Tanz und Sport werden regelmäßig angeboten. Außer der strukturellen Hilfe für das Projekt versuchen wir, die älteren Jugendlichen als lokale Touristenguides auszubilden, um ihnen dadurch eine eigene Einkommenquelle zu ermöglichen. Hier geht es zur Projektbeschreibung von Abeac.
Gemeindeentwicklunsgprojekt Taboquinhas
Taboquinhas ist ein Distrikt des Küsten- und Ferienstädchens Itacaré in Bahia. Es liegt 30 km entfernt im Hinterland in der Kakaoprovinz und ist nur auf schlechten Erdstrassen zu erreichen.
Die gesamte Bevölkerung von etwa 5000 Seelen lebt von den Kakaoplantagen, welche aber 1993 von einer Pilzkrankeit heimgesucht wurden. Heute ist der Ertrag nur noch etwas über 10% der ursprünglichen Ernte. Wir versuchen durch eine ganzheitliche Zusammenarbeit mit der Gemeinde, die Erwerbsstrukturen zu diversifizieren, um so die große Abhängigkeit von dem Kakao zu verbessern, wobei besonders die Tourismusförderung im Vordergrund steht. Hier geht es zur Projektbeschreibung von unserem Gemeindeentwickungsprojekt in Taboquinhas.
Favelaprojekt: Curumim in Rio de Janeiro
Dieses Projekt unterstützt Kinder, Jugendliche und Mütter in der kleinen Favela Julio Otoni in Rio de Janeiro. Wie auch im Projekt in Salvador, bekommen die Kinder Mahlzeiten und Nachhilfeunterricht. Außerdem werden Kurse angeboten, um die individuellen Fähigkeiten und Potentiale der Kinder zu unterstützen (z.B. Musik und Tanz). Auch werden regelmäßig Versammlungen mit den Müttern abgehalten, wobei gemeinsam versucht wird, die Familienprobleme zu lösen. viSozial setzt sich hier stark ein für die Tanz- und Musikgruppe, welche bereits mit Sambaunterricht für Touristen ihr eigenes Geld verdienen. Hier geht es zur Projektbeschreibung von Curumin.
