Gemeindeentwicklungsprojekt in Taboquinhas (community-based Tourism)

Taboquinhas ist ein Distrikt des Küsten- und Ferienstädchens Itacaré in Bahia. Es liegt 30 km entfernt im Hinterland in der Kakaoprovinz und ist nur auf schlechten Erdstrassen zu erreichen.
 Gemeindeentwicklungsprojekt in Taboquinhas (community-based Tourism)

Die gesamte Bevölkerung von etwa 5000 Seelen lebt von den Kakaoplantagen, welche aber 1993 von einer Pilzkrankeit heimgesucht wurden. Heute ist der Ertrag nur noch etwas über 10% der ursprünglichen Ernte. Durch das Aufpfropfen von gesunden Planzen kommt nun wieder etwas Hoffnung auf, aber der Ort lebt immer noch in einer ohnmächtigen Dekadenz. Der Lebensstandart ist auf das notwendigste beschränkt, viele Familien haben kein fliessendes Wasser und somit auch keine Toiletten oder Dusche. Es gibt kaum Arbeit und der Kommerz ist auf einige kleine Tante Emma Läden beschränkt.

Viele der jungen Menschen suchen in den Grosstädten Brasiliens ein besseres Leben, doch die meißten von ihnen landen in den Slums von Rio de Janeiro, São Paulo oder Salvador, ohne Chancen auf eine bessere Zukunft. Der ganze Ort ist praktisch von der Hauptgemeinde Itacaré vergessen. Die Straße wird nicht in Ordnung gehalten, in der Schule gibt es keine Bücher, im ganzen Ort gibt es nur zwei Computer, die Krankenstation hat keine Medikamente, die Polizei und der Krankenwagen kein Benzin für das Fahrzeug und die Qualität der Schulausbildung ist leider mehr als defizitär.

Wie alles begann.

Im Jahre 2000 hatte Otto Hassler die Stromschnellen des Rio de Contas Flusses am Eingang des Städchens für den Rafting entdeckt. Noch im selben Jahr wurde von ihm die erste Raftingbasis im Ort gegründet und viele Touristen kamen aus dem nahegelegenen Touristenstädchen Itacaré, um die Stromschnellen des Flusses zu bewältigen. Dies brachte einen Aufschwung für den Ort und einige der Jugendlichen, welche sonst in die Großstädte abgewandert wären, fanden bei den Abenteuersportarten eine neue Arbeit.

Das kulturelle und landschaftliche Potential des Ortes ist aber weit größer, weshalb die Idee des community-based Tourism aufgegriffen wurde um die Gemeinde ganzheitlich zu unterstützen. Seit 2003 sind mehrere Familien an diesem Projekt beteiligt und bereiten sich darauf vor, den Touristen ihre Kultur und Lebensweise zu zeigen.

Eine erste Gruppe von Touristen aus Deutschland war so sehr von dem Ort und ihren Bewohnern begeistert, weshalb sie den kleinen Verein IST-BB gründeten, der unter anderem den Englischlehrer für die Mitarbeiter der Raftingbasis bezahlt.

viSozial unterstützt das Projekt seit Oktober 2007.

Gemeindeentwicklungsprojekt Taboquinhas (community-based Tourism)

Ziel des Projektes ist, die traditionelle Kultur zu stärken und auch für die Touristen zugängig zu machen, um somit neue Einkommensmöglichkeiten zu schaffen. Der Hauptort Itacare ist eine Touristengemeinde an der Küste, wodurch das touristische Potential auch in Taboquinhas sehr hoch ist.

Daher möchten wir in unserer Arbeit verstärkt die Beratung des nachhaltigen Tourismus in den Vordergrund stellen. Eng daran geknüpft ist die Erarbeitung eines Bildungskonzept, das in enger Zusammenarbeit mit den Menschen in Taboquinhas entwickelt wird. Wir denken, dass so die Menschen selber ihre eigenen Fähigkeiten stärken und entwickeln können, und so die Möglichkeit haben, ihre Zukunft selber zu gestalten und neue Einkommensmöglichkeiten zu generieren (Capacity Building). Auch die Wiederbelebung und nachhaltige Sicherung der kulturellen Traditionen ist ein zentraler Punkt. Wir möchten zusammen mit der Gemeinde die Möglichkeit schaffen, dem Besucher die Menschen und die Kultur aus Taboquinhas näher zu bringen; z.B. durch:

  • Kennenlernen der Kakaokultur der Kleinbauern. Hier gibt es für Touristen die Möglichkeit, die Kakaoproduktion aus erster Hand kennen zu lernen und selber Kakao oder Schokolade herzustellen.
  • Kennenlernen, wie die Fischer die kleinen Flußshrimps unter den Steinen fischen.
  • Kennenlernen des Kampftanzes Capoeira, wobei auch die Instrumente selbst hergestellt werden können.
  • Kennenlernen der Verarbeitung des Maniokmehls.

Die Begünstigten des Projektes kommen allesamt aus der armen Bevölkerungsschicht und ihre Hoffnung ist, durch die Hilfe des Projektes, nachhaltig ein Einkommen zu erlangen, welches die Lebensbedingungen verbessert. Dadurch kann die Abwanderung in die Slums der Großstädte verhindert und gleichzeitig die Erhaltung der traditionellen Kulturen gesichert werden.

Unsere Arbeit in Taboquinhas bedeutet konkret:

  • Wir beraten die Kommune hinsichtlich des Aufbaus einer nachhaltigen Tourismusentwicklung (besonders im Bereich der Übernachtung, Gastronomie und des Abenteuersports) und bauen die Gemeinde als Tourelement in die viventura-Brasilien-Reise mit ein
  • Wir binden den Tourismus in ein breit angelegtes Bildungsangebot (Kinder- und Erwachsenenbildung) ein, um neue Einkommens- und Beschäftigungsmöglichkeiten zu schaffen und so die Basis für eine selbständige und verantwortungsvolle Stärkung der wirtschaftlichen und sozialen Strukturen zu legen. So fördern wir Arbeitskreise in den Bereichen: traditionelles Handwerk, Englischkurse, Erste Hilfe Kurse, Computerkurse, Herstellung von Kakaoprodukten, Ausbildung zu lokalen Guides
  • Darüber hinaus unterstützen wir die Gemeinde bei der Säuberung des Ortes und des Flussufers, so dass gemeinsam der Müll aufgeräumt wird und sich langsam ein Umweltbewusstsein entwickelt
  • In Zusammenarbeit mit einer Umweltorganisation in Itacaré und IST-BB werden Einheimische aus Taboquinhas im Recycling von Abfall ausgebildet. In einer ersten Etappe haben sie gelernt, Einkaufstaschen aus Plastiktüten aus Müll herzustellen. Das Recyclingprojekt soll weitergeführt werden, um das große Problem `Abfall´ im Ort zu lösen und gleichzeitig durch den Verekauf von recyclebaren Produkten Einkommen zu generieren
  • Jährlich werden ein bis zwei Kinderfeste veranstaltet, jeweils in einem anderen Ortsteil
  • Außerdem helfen wir mit Kleidern- und Spielzeugspenden der Bevölkerung

Erste Erfolge:

Kakaoernte in TaboquinhasMittlerweile arbeitet ein Teil der Bevölkerung als Nebenbeschäftigung im Tourismus und übenimmt die Verantwortung als Guides beim Rafting, Abseiling und Flying Fox sowie bei Wanderung am Flußcanyon. Die lokale Bevölkerung hat es geschafft, den Touristen ihr Dorf zu präsentieren. Die lokale sowie regionale Kultur wird den Touristen durch Interaktion nähergebracht und wieder richtig wertgeschätzt. Neue Einkommensmöglichkeiten ergeben sich durch Ausflüge zu den Kakaofazendas und zum Fischen mit den Fischern aber auch durch das Unterrichten des Kampftanzes Capoeira sowie durch das Herstellen des Instruments Berimbau. Es gibt ein kleines Restaurant am Flußufer und ein kleines Andenkengeschäft mit Kunsthandwerk, die die lokale Bevölkerung selber hergestellt hat. Ausserdem arbeiten verschiedene Jugendliche als Fotografen und eine weitere Familie lebt vom Verkauf von Kokoswasser.
Diese Aktivitäten haben bereits wieder Hoffnung aufkeimen lassen, dass mit dem lokalen Know-How und der traditionellen Kultur ein Wert geschaffen werden konnte, mit dem sie überleben können.

Was wird in naher Zukunft geplant:

- Weiterführung des Englischkurses
- Vertiefung der Erste-Hilfe und Rescue-Kurse
- Ausweitung der Computerkurse
- Weiter Aktionen zur Säuberung des Ortes und des Flussufers
- Abfall-Recycling
- Wasserver- und -entsorgung im Ortsteil Pancada
- Aufforstung von Ufergrundstücken mit einheimischen Bäumen
- Restaurierung der historischen Pflasterstrasse am Ufer des Flusses
- Hilfe bei der Veredelung von Kakaobäumen für Kleinbauern
Das Projekt kann sich noch nicht selbst tragen, da bisher nur sehr wenige Touristen nach Taboquinhas kommen. Dieser geringe Touristenfluss ist auch die größte Gefahr für ein Scheitern des Projektes, da sich schon einige mit den Gedanken tragen, in die Großstadt auszuwandern. Leider ist der Preis der Abenteueraktivitäten (Rafting/Abseilen) durch die starke Konkurenz von großen Unternehmen so niedrig, dass der erwirtschaftete Gewinn immer noch sehr gering ist. Daher ist das Projekt dringend auf Spenden angewiesen, um die Lebenssituation der Menschen in Taboquinhas weiter nachhaltig zu verbessern.

Unterstützung durch Spenden:

Wer unser Vorhaben in der Gemeinde Taboquinhas unterstützen möchte, den bitten wir das folgende Spendenformular auszufüllen.

Aktive Unterstützung durch Freiwilligenarbeiter:

Ab 2008 vermitteln wir auch Freiwilligenarbeit ins Gemeindeprojekt Taboquinhas.

Das Betreuungsgebiet ist der kleine Ortsteil Pancada, direkt am Flussufer gelegen. In diesem Ortsteil gibt es nur in zwei Häusern fließendes Wasser, d.h. die Kakaopflanzung hinter dem Haus und der Fluss dienen als Toilette. Im Fluss wird natürlich auch gebadet und das Geschirr und Kleider gewaschen. Der Abfall wird in der Regel vor das Haus geworfen aber in jahrelangen Gesprächen haben wir nun in diesem Bereich endlich ganz kleine Fortschritte erzielt.
Die Gemeinde soll auf den nachhaltigen Tourismus vorbereitet werden und somit gibt es ein breites Arbeitsspektrum für Voluntäre.

- Hygienelehre in den Familien
- Mithilfe beim Projekt “Wasser für die Pancada”
- Englisch- und Computerunterricht geben
- Mithilfe bei der Bedienung der Touristen
- Insbesondere Organisationslehre mit den Einheimischen
- Die Gemeinde dazu bewegen, den Uferstreifen mit einheimischen Bäumen zu bepflanzen
- Kinderfeste und Ausflüge organisieren
- das Projekt Müllrecycling weiterführen
- Handarbeitskurse abhalten
- Mithilfe bei der Produktion und Vermarktung von Kakaoprodukten.

In der Raftingbasis steht ein kleines Zimmer zur Verfügung und die Küche des kleinen Restaurants kann benutzt werden. In beiden gibt es fließendes Wasser.

Damit eine gute Integration mit den Gemeindemitgliedern entsteht, sollten folgende Grundvoraussetzungen erfüllt sein:

- gute Portuguiesischkenntnisse besitzen (vor allem mündlich).
- mindestens 22 Jahre alt sein.
- mindestens 3-monatiger Aufenthalt im Projekt
- aufgeschlossen, tolerant und emotional stabil sein.
- gut mit Kindern und auch Erwachsenen umgehen können.
- alle nötigen Impfungen und Versicherungen selbst organisieren.
- unter einfachen Bedingungen leben können
- Verantwortungsbewusst und kompromissbereit sein.
- Neugier und Interesse an einer fremden Kultur zeigen.
- viel Geduld aufbringen und Kreativ sein
- Tourismus (Strandtourismus im nahegelegenen Itacare) nur am Wochenende betreiben.

Bewerbungsprozess:

Einzureichen sind auf portugiesisch:
- Lebenslauf
- Foto im jpg-Format
- Anschreiben inkl. Informationen zur Motivation

Den richtigen Ansprechpartner des jeweiligen Projekts für die kompletten Bewerbungsunterlagen teilen wir auf Anfrage über das Kontaktformular mit.

Sobald die Bewerbung bei uns eingegangen ist, werden wir uns mit dem Projekt in Verbindung setzen und die Bewerbung weiterleiten. Eventuell werden wir den Bewerber um ein kurzes Vorstellungsgespräch bitten (per Skype).

Wenn die Voraussetzungen erfüllt sind, wird euch die Gemeinde mit offenen Armen aufnehmen und ihr werdet eine ganz neue Kultur kennenlernen und die Menschen bald in Euer Herz schließen.

Weitere allgemeine Informationen zum Freiwilligendienst sowie zu freien Stellen in Brasilien

- Antworten auf weitere Fragen findet man auch in den FAQs

Gerne kann man aber auch Kontakt zu unserem Ansprechpartner Otto in Brasilien aufnehmen

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