Andreas Gedanken über seine Zeit als Freiwilliger Helfer bei Luz de Esperanza
eingetragen von tomas, 30.Jun.2008Mein viermonatiger Aufenthalt im Projekt Luz de Esperanza hat meine Familie um ca. 30 Mann vergrößert. Ich wurde vom ersten Tag an wie ein Mitglied behandelt, was mir auch sehr geholfen hat mich anfangs einzugewöhnen. Probleme mit der Umstellung auf die Höhe von 4000 Metern hatte ich zum Glück nicht. Dafür kam eines Tages ein Fußballspiel mit den Jungs in die Quere, welches mir zwei Monate Krücken bescherte. Die Krücken für Kinder waren für meine Größe von 1.90 m eher suboptimal, aber wer wird sich in so einer Situation schon beschweren. Unvergesslich während dieser Zeit wird die Unterstützung der Jungs bleiben, die mir bei jeglichen Problemen halfen.
machen.

Andreas und die Jungs von Luz de Esperanza
Durch meine Mobilitätseinschränkung belief sich der Tagesablauf im Wesentlich auf das Kochen des Mittagessens und den Physik und Englischunterricht. Je nach Bedarf kamen Computerkurse oder Mathenachhilfe hinzu. Als die Zeit der Krücken dann ein Ende nahm, haben wir einige Ausflüge z.B. nach Tiahunaco oder in Museen unternehmen können. Diese Art der Unternehmungen außerhalb des Projektes hätte ich gerne intensiviert, aber dann waren die Tage in El Alto leider viel zu schnell passiert. So musste ich mich leider viel zu schnell auf den Heimweg Andreas
Andreas Fuhrmannek
Hier findet ihr weitere Eindrücke und Berichte über das Sozialprojekt Luz de Esperanza, und weitere allgemeine Informationen zum Freiwilligendienst sowie zu freien Stellen in Bolivien.
Ein Freiwilliger Helfer berichtet: Unsere ersten Physikexperimente im Projekt Luz de Esperanza
eingetragen von tomas, 15.Mai.2008Zwischen Februar und Juni konnten wir im Projekt die ersten Physikexperimente durchführen. Hier haben wir versucht die grundlegenden Prinzipen aus Bereichen der Optik, der Akustik, der Mechanik oder etwa der Elektronik kennenzulernen.
Zum Beispiel haben wir eine Rakete aus einem Streichholz und Alufolie gebaut, um das Prinzip der Aktio-Reaktio zu untersuchen. Die beste Rakete schaffte es bis zu einem halben Meter weit zu fliegen.
Eine Streichholzrakete wird gezündet.
Unter anderem konnten wir feststellen, dass man mit Alufolie, einem fuenf Cent Stueck und einer Zitrone eine Batterie bauen kann. Als Beweis schlossen wir Kopfhoerer an die Folie und die Muenze an und konnten so deutliches Knacksen vernehmen. Auch haben wir gesehen, dass man mit Wasser Linsen bauen kann, die dann beispielsweise als Lupen funktionieren. Solche Art von Linsen sind u.a. in Augen von Lebewesen wiederzufinden.
Als Vergleich benutzten wir die Linse eines Schweineauges, um diesen Effekt zu reproduzieren. Im Anschluss konnten dann auch weitere Teile des Schweines zum Genuss aller effektiv genutzt werden ;-).
Andreas Fuhrmannek - zur Zeit Freiwilliger Helfer im Straßenkinderprojekt Luz de Esperanza in El Alto.

Andreas studiert Physik und bringt den Jungs von Luz de Esperanza spielend Naturgesetze bei.
Dorfentwicklung in Okola - ein erstes Treffen
eingetragen von tomas, 31.Mär.2008Wer von der Sonneninsel nach Norden schaut wird am gegenüberliegenden Üfer, weit in der Ferne einen beeindruckenden großen Felsen erblicken, der wie ein schlafender Drache aussieht.
Santiago de Okola, ein verschlafenes Dörfchen, liegt am Fuße dieses Drachenfelsens und betrachtet von dieser Seite des Sees das touristische Treiben gegenüber, auf der Sonneninsel und in Copacabana, begehrte Ziele in Bolivien.
Santiago de Okola am Fuß des Drachens
5 Familien des Dorfes begannen vor 2 Jahren mit zwei Tourismusagenturen ein Experiment in Sachen Zusammenarbeit: Die Familien stellten den Touristen ein Zimmer zur Verfügung und bereiteten ein traditionelles Abendessen vor, sowie das Frühstück am nächsten Tag.
Diese Zusammenarbeit lief gut und nun scheint es dass in den folgenden Jahren mehr Touristen kommen können. Aus den 5 Familien sind 7 geworden und die Anwesenheit von Touristen im Ort wird immer üblicher.
Auch die bolivianische Regierung hat die Potentiale erkannt die der Tourismus rund um den Tititcacasee birgt und hat Geldmittel von der Weltbank bereitgestellt bekommen um die Entwicklung der Region voranzutreiben. In Ausicht stehen Investitionen in Wasserversorgung, Abfallbeseitigung, Bewässerung und Touristischer Infrastruktur.
Die Menschen von Okola haben sich vorgenommen diese Chance zu nutzen und gemeinsam mit ihrer Gemeinde der Regierung ein Projekt schriftlich zu überreichen um aufgrund der guten und schlechten Erfahrungen die in den letzten zwei Jahren mit Touristen gemacht wurden einige wichtige Vorhaben umsetzen zu könnenwelche die Entwicklung des Dorfes voranbringen.
Unser Beitrag als visozial ist dabei die Gemeinde bei der Organisation und Planung dieses Dorfentwicklungsprojektes zu helfen.
Am 12. März trafen wir uns mit Einwohner des Dorfes und veranstalteten ein kleines Seminar in dem erste Ideen und Ziele zusammengetragen wurde die in ein konkretes Projekt einfließen sollen.
Beschlossen wurde die Unterstützung der Dorfschule mit Lehrmaterial und Geräte, besonders ein Fotokopierer ist nötig, denn der nächste befindet sich in 30 Km. Entfernung.
Zusamen mit dem Lehrerkollegium und den Elternrat werden wir ein Schulgarten fördern mit dem der landwirtschaftliche Reichtum in den Lehrplan integriert werden soll.
Das erste Planungstreffen im Dorf
Der Bau eines Dorfmuseums, einer Anlegestelle und die Einrichtung einer Gemeinschaftsküche und Essraum die sowohl für Touristische als auch für Gemeindezwecke genutzt werden soll wurden auch beschlossen.
Wir freuen uns auf eine enge Zusammenarbeit mit Santiago de Okola!
Tomás Sivila - La Paz
Vom Straßenkind zum Gründer von Luz de Esperanza
eingetragen von tomas, 26.Mär.2008Daniel, der selbst mehrere Jahre seines Lebens auf der Straße verbracht hat, leitet heute das
Sozialprojekt Luz de Esperanza (Licht der Hoffnung) in El Alto/Bolivien. viSozial unterstützt Luz de Esperanza seit langer Zeit. Daniels Geschichte möchten wir euch heute gerne einmal vorstellen:
“Eines Tages möchte ich ein eigenes Haus besitzen, wo wir als freie Menschen ruhig und friedlich leben können, ohne auf der Straße schlafen zu müssen!” Diesen Traum hatte der heute 23-jährige Daniel, als er wie Tausende anderer Kinder und Jugendliche auf den Straßen von El Alto lebte.
El Alto – eine Stadt mit ca. 800.000 Einwohnern am Rande von La Paz. Fern ab vom reichen Stadtzentrum prägen Straßenkinder, die sich in Pandillas (Banden) zwischen 20 und 100 Personen organisieren, das Stadtbild. Sie teilen untereinander das wenige Geld, das sie mühsam als Schuhputzer oder Markthelfer verdient oder erbettelt haben, um Essen oder Alkohol und Drogen kaufen zu können. Ihr Alltag ist geprägt von Bandenkriegen, Betteln sowie Alkohol- und Drogenkonsum – ein Kampf ums Überleben.
Daniel landete damals mit acht Jahren auf der Straße, als sich seine Eltern scheiden ließen. Seinen Vater hat er als gewalttätigen Menschen in Erinnerung. In dieser Zeit war Daniel oft auf dem Cementerio (Friedhof) in El Alto anzutreffen. Der Cementerio ist ein beliebter Unterschlupf und Treffpunkt für die Straßenkinder in El Alto, der ihnen gerade im eiskalten Winter auf 4000 Metern etwas Schutz bietet.
Schon mit acht Jahren arbeitete Daniel bis spät abends als Kassierer in einem Minibus. Zwei Jahre später, mit nur zehn Jahren, trank er regelmäßig Alkohol. Daniel wollte immer zur Schule gehen und etwas lernen, doch er schaffte es in den darauffolgenden Jahren immer seltener zum Unterricht, weil er zuviel Alkohol trank. Mit 16 Jahren war er regelmäßig betrunken, schwänzte immer öfter den Unterricht und musste schließlich alles verkaufen, was er sich hart erarbeitet hatte: Kleidung, Bücher usw.
Dann starb Daniels bester Freund Joaquín an den Folgen seines Alkohol- und Drogenkonsums auf der Straße. Bei dessen Beerdigung traf Daniel zum ersten Mal auf Doris, der heutigen Leiterin des Sozialprojektes Luz de Esperanza. Sie befasste sich schon seit Längerem mit den Straßenkindern von El Alto, hatte sich besonders mit Joaquín angefreundet und war schockiert, wie diese Kinder und Jugendlichen von der Gesellschaft ignoriert werden. Sie erkannte, dass Daniel wissbegierig war und unterstützte ihn und auch seine Freunde, indem sie ihnen die Teilnahme an einem Computer- und Malkurs ermöglichte. Daniel war daraufhin oft bei Doris zu Hause und lebte schließlich bei ihr. Heute ist Doris für ihn wie eine Mutter.
Eines Tages präsentierte sie ihm und seinen Freunden ein Grundstück in El Alto, welches die Ordensgemeinschaft von Doris gekauft hatte und welches ihnen gehören sollte. Daniel erinnerte sich an seinen alten Traum: “Eines Tages möchte ich ein eigenes Haus besitzen, wo wir als freie Menschen ruhig und friedlich leben können, ohne auf der Straße schlafen zu müssen!” Der Traum sollte Wirklichkeit werden! Daniel gründete mit Hilfe von Doris und ihrem Orden das Projekt Luz de Esperanza für ehemalige Straßenkinder und –jugendliche. Bei Luz de Esperanza finden sie ein neues, warmes Zuhause und werden in dieser Gemeinschaft bei ihrem sanften Drogenentzug unterstützt.
Das erste im Projekt gebaute Haus
Heute leitet Daniel gemeinsam mit Doris das Projekt. Luz de Esperanza betreut zurzeit 26 ehemalige Straßenkinder und -jugendliche zwischen 12 und 26 Jahren, die alle wieder die Schule besuchen. Die Kinder und Jugendlichen organisieren und versorgen sich hauptsächlich selbst. Sie kümmern sich gemeinsam um das Gemüse und die Blumen in den Gewächshäusern, füttern die Hühner und Schweine und abwechselnd ist eine andere Gruppe für Küchen- und Putzdienst verantwortlich. Luz de Esperanza bietet neben der schulischen Ausbildung auch die Möglichkeit, den Umgang mit dem Computer oder das Schneidern zu erlernen. Dafür gibt es extra einen Informatikraum sowie eine Schneiderin, die ehrenamtlich ins Projekt kommt und den Kindern und Jugendlichen den Umgang mit Nadel, Faden und der Nähmaschine lehrt.
Während der Anfänge von Luz de Esperanza hatte Daniel aber noch viel mit sich selbst und seiner Vergangenheit zu kämpfen. Um vom Alkohol loszukommen musste er seine alten Freunde aufgeben. Diese beneideten ihn um seine Entscheidung, das Leben auf der Straße hinter sich zu lassen. In dieser schwierigen Zeit half ihm sein Lebensmotto: “En tiempos de turbión no te mudes”. Das bedeutet soviel wie “Ziehe nicht um, wenn es hagelt”. Gemäß diesem Motto traf er, wenn es ihm schlecht ging, keine Entscheidungen. Denn nur wer zufrieden und mit sich selbst im Einklang ist, kann gute Entscheidungen treffen, die einen vorwärts bringen.
So schaffte es Daniel auch einen weiteren Wunsch zu verwirklichen: Mit Hilfe eines Stipendiums studiert er heute im dritten Semester Unternehmensverwaltung. Gemeinsam mit einem anderen Jungen von Luz de Esperanza ist er an einer der besten Universitäten Boliviens eingeschrieben - der UCB (Universidad Católica de Bolivia) in Obrajes, im Süden von La Paz. Mit seinem Wissen möchte er Luz de Esperanza, wo heute auch viele seiner alten Freunde leben, am Leben erhalten, um den Straßenkindern und –jugendlichen in El Alto einen liebevollen und sicheren Zufluchtsort zu geben. Davon träumt er heute, und er weiß, dass sich auch dieser Traum mit der Zeit erfüllen wird. “Deshalb darf man nie aufhören zu träumen!”
Das Projekt Heute
viSozial unterstützt diesen Traum. Mit euren viSozial-Spendengeldern können wir die Kinder und Jugendlichen und ihr Projekt mit Lebensmitteln und anderen Sachspenden versorgen.
Weitere Informationen zu diesem einzigartigen Projekt gibt es hier.
Über diese Website habt ihr auch die Möglichkeit Geld zu spenden oder euch als freiwillige Helfer bei Luz de Esperanza zu bewerben.
Bettina Mahnecke - Ehemalige Praktikantin in La Paz
Großmutter auf Zeit
eingetragen von Isabel, 25.Jan.2008Das Ende meines Beruflebens als Bibliothekarin war ebenso abzusehen wie mein Eintritt ins Rentenalter. Ich suchte nach einer Alternative, die mir die Möglichkeit bot, etwas Neues kennen zu lernen und gleichzeitig für andere nützlich sein könnte.
Im Internet, bei “ visozial“ fand ich Einsatzmöglichkeiten als Freiwillige in Südamerika- allerdings waren alle Berichte von Menschen bis ca. 30 Jahre geschrieben. Deshalb fragte ich erst mal bescheiden an, ob ich auch als 63 jährige Rentnerin hier arbeiten könnte. Die Antwort fiel positiv aus und im Projekt „ Luz de Esperanza“ in El Alto fehlte eine Großmutter- eine Abuela. So machte ich mich im Dezember 2006 auf nach Bolivien, nach La Paz, nach El Alto. Hier, in 4100 m Höhe, befindet sich auf 5 ha Land meine neue Familie. Ehemalige Strassenkinder im Alter von 10 bis 25 Jahre haben an diesem Ort ihre Familie, ein Zuhause, gefunden, das vor 7 Jahren auf Anregung und mit Hilfe von Hermana Doris, einer Ordensfrau, gegründet wurde. Das beeindruckende an dem Projekt ist, dass die Chicos ihr Leben weitgehend selbst organisieren, Häuser gebaut haben, es gibt eine Werkstatt, Schneiderei, natürlich auch eine große Essküche und Banos . Sie gehen einkaufen, kochen, reinigen ihre Zimmer, waschen ihre Wäsche selbst. Sie gehen zur Schule, einige besuchen auch die Universität. Ich wohne im Projekt in einer kleinen Kammer und kann immer präsent sein, wenn die Jungen mich brauchen, beim Essen zubereiten, beim Spielen, beim Zuhören, beim Trösten, bei der Hilfe bei den Hausaufgaben. Eben wie eine richtige Großmutter, die sie in der Regel ebenso wenig kennen lernen konnten wie normale,intakte Familienbeziehungen.
Das Leben hier oben in der Kälte war schon etwas hart und gewöhnungsbedürftig für mich, aber ich habe sehr viel von der Liebe, die ich geben konnte, von den Jungen zurückbekommen. Das hat mir den Abschied nach 5 Monaten- ich war fast die ganze Zeit erkältet und hatte auch Probleme mit der Höhe- schwer gemacht. Ich brauchte eine Auszeit und war dann 5 Monate in Deutschland, bis ich im Oktober noch einmal hierher gefahren bin. In Deutschland hatte ich die Möglichkeit, viel von meiner Zeit im Projekt zu erzählen und auch, wie ich Land und Leute erlebt habe. Nicht aus der Perspektive einer Touristin, sondern ein bisschen wie eine, die hier lebte (natürlich immer mit der Option, wieder nach Deutschland zurück kehren zu können). Viele Menschen aus meinem Umkreis, Verwandte, Freunde, ehemalige KollegInnen, Nachbarn waren sehr interessiert daran, von den Schicksalen und dem Leben „meiner“ Jungen“ zu erfahren und sehr bereit, das Projekt direkt mit Spenden zu unterstützen. So war es eine große Freude für mich, das Geld direkt vor Ort bringen zu können und hier unmittelbar in das umzusetzen, was gebraucht wurde: Turnschuhe, Unterwäsche, Lebensmittel, Kühlschrank, Tische, ein Keyboard (die Jungen sind sehr musikinteressiert), Geld für Computerkurse, einen Laptop, Geld für Arztbesuche und vieles, vieles mehr. Auch gehörten solche für sie sonst unmöglichen Dinge dazu, wie z.B. teure Besuche im Schwimmbad oder im Restaurant.
Nun werde ich wieder nach Deutschland zurückkehren, mit etwas schwerem Herzen, aber eine Großmutter ist normalerweise auch nicht immer bei ihrer Familie. Ich hoffe, dass ich nicht das letzte Mal hier gewesen bin und kann den vielen rüstigen Reiserentnern, die ich zum Teil hier erlebt habe, nur Mut machen, ihre Kraft, Zeit und Geld vielleicht auch einmal in ein ähnliches Altersabenteuer zu investieren.




