Ein sonniger Freitag im Casa de los Pinos

Freitag, den Juni 27, 2008 von Katharina 3 Kommentare »

Mein Name ist Anne und derzeit mache ich ein Praktikum an der deutschen Schule (Privatschule) in Santiago de Chile. Seit über einem Jahr übernehme ich die Patenschaft für ein Patenkind im Zentrum Casa de los Pinos und so stand ein Besuch des Zentrums und ein Treffen mit meinem Patenkind ganz oben auf der Liste der Dinge, die ich in Chile gern tun möchte.

Anne+und+Cathy_abcd-480-65463 Ein sonniger Freitag im Casa de los Pinos

Es ist Freitag, der 06. Juni 2008 und ich sitze auf einer Bank in der Nähe der Metrostation Santa Isabel und warte auf Katharina, die Mitarbeiterin von ViSozial in Chile. Gemeinsam wollen wir das Jugend- und Sozialzentrum Casa de los Pinos und mein Patenkind Cathy und ihre Schwester Geraldine besuchen. Auf dem Weg nach Puente Alto, einer der ärmsten Stadtviertel Santiagos, besorgen wir ein paar Winterstiefel und andere Kleinigkeiten als nachträgliches Geburtstagsgeschenk und kleine Aufmerksamkeit für Cathy und Geraldine.

Gegen 14:00 Uhr treffen wir in Los Pinos ein und ich gewinne den ersten Eindruck von der öffentlichen Schule, die sich gleich neben dem Zentrum Los Pinos befindet und die auch Cathy und Geraldine besuchen. Das freundliche Gelb der Wände lenkt ein wenig vom betonierten Schulhof, der sogleich als Sportplatz mit verrosteten Toren und imaginären Basketballkörben dient, ab. Die Klassenräume sind staubig und sehr einfach, meist mit alten Stühlen und Bänken ausgestattet.

Etwas später unterhalte wir uns mit Luis, dem Leiter des Zentrum Los Pinos und ich erfahre mehr über die schwierigen Bedingungen der öffentlichen Schulen, ihren immensen Klassenstärken (45 – 50 Schüler), der Mangel an motivierten und gut ausgebildeten Lehrern. In Chile bedarf es einiger Reformen im Bildungswesen, bis die schulische Ausbildung an öffentlichen Schulen als Sprungbrett aus der Armut genutzt werden kann.

Mit+den+Kindern+vom+Los+Pinos_abcd-480-65462 Ein sonniger Freitag im Casa de los Pinos

Das Treffen mit meinem Patenkind und ihrer Familie war sehr herzlich. Wir wurden sehr freundlich und unter neugierigen Blicken begrüßt und ins Haus gebeten. Cathy und Geraldine packten ihre G begleiteten uns zurück ins Zentrum Los Pinos, um den Nachmittag mit andern Kindern und Jugendlichen aus Puente Alto bei Spiel und leckeren completos (HotDogs), zu verbringen.

Ein sehr schöner sonniger Freitagnachmittag mit neuen interessanten Eindrücken! Vielen Dank an Katharina, die mich begleitet und das Treffen ermöglicht hat.

 

Kinderfüsse messen in Quilotoa!

Mittwoch, den Mai 28, 2008 von britta Schreibe hier dein Feedback zum Artikel! »

Für die diesjährige Sommeraktion haben wir uns überlegt, dass es wieder an der Zeit ist, unsere Patenkinder in Quilotoa mit neuen Schuhen zu versorgen. Mit diesem Ziel vor Augen haben wir viSozial-Praktikantinnen aus Quito uns in der letzten Woche auf den Weg dorthin gemacht. Dort hieß es dann, einen Tag lang die Schuhgrößen der Kinder messen - nicht ganz einfach zu organisieren, da die Patenkinder in einem weit verbreiteten Gebiet wohnen, und sich auch die Schulen teils weit weg vom Dorf Quilotoa befinden.

Warten auf das Füssemessen...Glücklicherweise hatten wir vor Ort die Unterstützung von Fausto, dem Sohn unseres Ansprechpartners José in Quilotoa. In Josés Haus durften wir die Schuhmessaktion auch durchführen. Er informierte im Vorhinein die Schulen, sodass schon früh am Vormittag fast alle Kinder der nahegelegenen Schule Julio Cabascango bei uns eintrudelten. Sie waren sehr neugierig über das, was wir dort machen – vielen Kindern war ein Gerät zum Messen der Schuhgröße gänzlich unbekannt! So war es kein Wunder, dass viele von ihnen etwas schüchtern waren und sich erst zeigenlassen mussten, was wir damit machen. Über den Tag verteilt kamen immer mehr Kinder, auch aus den Schulen Niña Rumi, Ponce, Sinacunga und den Colegios in Zumbahua und Latacunga zu uns.

Beim Messen der Schuhgrößen der Kinder haben wir festgestellt, dass sehr viele Kinder löchrige Strümpfe, oder auch gar keine anhatten. So beschlossen wir, nicht nur Schuhe, sondern auch Strümpfe für die Kinder zu kaufen, sodass wir ihnen während unserer Sommeraktion zum Schuljahresende beides überreichen können.

 

Sozialtag im Casa de los Piños

Montag, den April 21, 2008 von Katharina Schreibe hier dein Feedback zum Artikel! »

Am 17. April hatten wir unseren Sozialtag und alle Mitarbeiter des viventura - Büros in Santiago sind nach Puente Alto gefahren, um gemeinsam mit den Kindern von Casa de los Pinos einen Nachmittag zu verbringen.
Um 14 Uhr sind wir im Projekt “Casa de los Pinos” angekommen und werden auch schon herzlich von den Kindern und Betreuern begrüßt. Danach erfahren wir, daß heute wieder das Fußballtraining mit Tio Rodrigo stattfindet.
Bis zum Anpfiff haben wir noch ein bisschen Zeit um Luis, den Betreuern und Kindern ein paar gute „Neuigkeiten“ zu überbringen.

aufwärmenDa der Winter in Santiago richtig kalt werden kann und das Projekt über keine Heizung, wie wir sie in Deutschland kennen verfügt, haben wir uns gedacht das wir die einen Teil der Spendengelder sinnvoll in 2 Heizkörper investieren.
Das Projekt soll ja für die Kinder wie Betreuer ein warmer und gemütlicher Platz zum Arbeiten und verweilen sein.

Nachdem wir alles ausgepackt und aufgebaut hatten, wurde es auch schon Zeit in die Fussballtrikots zu schlüpfen und mit den Kindern auf den Hof zu gehen, um das Training zu beginnen.

Tio Rodrigo hatte wie immer alles im Griff und somit durften wir erst einmal 10 min Joggen gehen, für manch einen wäre es schön gewesen wenn´s damit gut gewesen wäre aber……Pech gehabt…..

Das Aufwärmprogramm steht für den Trainer ganz oben und so atmen wir alle schon ziemlich schwerfällig als die Mannschaften fürs Fußballturnier eingeteilt werden.
 Sozialtag im Casa de los Piños Wir geben unser Bestes und wollen den Kindern natürlich in nichts nachstehen, was nicht so einfach ist. Für unseren Einsatz kassiert der ein oder die andere von uns einen blauen Fleck. Aber wir haben alle unseren Spaß. Nach dem Fußballtraining bereiten wir den Imbiss für die Kinder zu. Denn soviel Anstrengung macht hungrig und durstig. Zufrieden verabschieden sich die Kinder von uns und auch wir machen uns auf dem Heimweg.

 

Patenbesuch in Arequipa

Donnerstag, den April 17, 2008 von Sonja Schreibe hier dein Feedback zum Artikel! »

“Sonja, ich komme nach Arequipa und möchte meine Patenkinder sehen. Wann fahren wir?”

Bernd und seine Familie sind seit einigen Jahren Pateneltern von Rosmery, 9 Jahre alt und Marushka, 6 Jahre alt. Die beiden besuchen die Schule San Juan Apostol in Villa Cerillos und für sie soll der Patenbesuch eine kleine Überrschung werden, die ihre Patenfamilie vor 2 Jahren das erste Mal gesehen haben. Pünktlich um halb 10, treffe ich mich mit Bernd vor der Kathedrale in Arequipa und wir machen uns zur Markthalle San Camillo auf, um noch etwas Obst für die Kinder zu kaufen. obstkauf Patenbesuch in ArequipaFür 100 Soles (etwa 25€) bekommen wir jeweils eine Kiste Trauben (15 kg), Ananas (8 kg) und noch eine kleine Kiste Minibananen. Vollgepackt geht es zum Taxifahrer, der uns hoch über die Stadt nach Villa Cerillos bringen wird. Eine nette Unterhaltung hatten wir auch noch und auf einmal ist der Taxifahrer ein studierter Mann mit Universitätsabschluss, der als normaler Grundschullehrer seine Familie mit ca. 400 Soles monatlich an einer öffentlichen und 800 Soles an einer privaten Schule nicht ernähren könnte. So erweist sich die Fahrt als kleine Bildungsreise und Bernd und ich lernen etwas über die Regierung, das Schulsystem und die Probleme der Peruaner.

ssl16008_neu Patenbesuch in ArequipaIn der Schule angekommen, übergeben wir die Früchte, die leider für die 360 Kinder nicht alle reichen werden, an die fleißigen Mütter und gleichzeitig Köchinnen von San Juan Apostol. Hier kochen die Mütter im wöchentlichen Turnus jeden Tag für ihre Kinder, damit sie gestärkt in den Tag starten können. Z.B. Reis, Brot, Milch und immer etwas Obst sollen zu einer ausgewogenen Ernährung führen. Da die Kinder normalerweise zum Frühstück eher Brot und Tee bekommen, können sie ausgeglichen das Lernen beginnen.

Die Schulleiterin, Zoila, hat sich schon auf den Weg gemacht und sucht Bernd’s Patenkinder. Nun ist es also soweit, im Zimmer der Direktorin treffen die drei wieder aufeinander. Die kleine Marushka fängt direkt an zu erzählen und dass er doch schon mal da war und wie sehr sie sich das letzte Mal doch gefreut hat. Rosmery ist noch etwas schüchtern, aber auch langsam beginnt sie zu erzählen und als Bernd dann auch noch die Geschenke ssl16004_neu Patenbesuch in Arequipa(warme Socken, Zahnbürsten, Puppen, Stifte) für die Kinder auspackt, strahlen die Kinder noch ein wenig mehr. Die Kinder fragen auch ganz selbstverständlich, wie es denn der Familie geht und ob in Deutschland alles in Ordnung ist. Wir sind auch ganz gespannt, was die Kinder denn zu berichten haben und ob es ihren Familien denn gut geht. Zum Schluss stellt sich noch heraus, dass Marushka gerne Ärztin werden möchte und Rosmery, als Polizistin arbeiten möchte. Ob das etwas mit dem Beruf ihres Patenvaters zu tun hat? Damit die Kinder auch ihren Traumberuf erlernen können, schicken wir sie wieder zurück in die Klassen und schauen uns noch ein wenig auf dem Gelände von San Juan Apostol um und Bernd kann den Fortschritt und die Veränderung wohl am Besten beschreiben, “vier Gebäude in 2 Jahren? Das ist doch mal eine Entwicklung.”

Natürlich interessieren mich noch die Beweggründe, warum Bernd und seine Familie, denn gerade Kinder in Peru unterstützen? “Meine Frau und ich sind viel gereist und wissen das es anderen Menschen schlechter geht als uns. Eine Patenschaft war daher nicht sehr abwegig. Auch unserer Tochter wollen wir zeigen, dass es Kindern in ihrem Alter nicht immer leicht gemacht wird und zur Schule gehen nicht selbstverständlich ist. Für die Beiden bezahlen wir 120€ im halben Jahr, das tut Keinem weh. Besonders wenn ich sehe, dass die Hilfe ankommt, kann ich mit einem Gefühl nach Deutschland fahren, dass ich etwas Gutes tue.”

Lieber Bernd, herzlichen Dank für das offene Gespräch und dein/euer Engagement für die Kinder in Villa Cerillos. Es hat mir sehr viel Spaß gemacht und ich hoffe du hast noch eine schöne Zeit in Peru.

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Werkstadt- “ Sich künstlerisch ausdrücken” - Los Pinos

Donnerstag, den April 10, 2008 von Katharina Schreibe hier dein Feedback zum Artikel! »

Jeden Mittwochnachmittag fahren Daniela und Leo einmal quer durch Santiago in den Randbezirk Puente Alto – Casas Viejas, um im Projekt – Los Pinos einen Kunst- und Theaterkurs zu veranstalten. Inzwischen nehmen fast 40 Kinder daran teil und der kleine Raum platzt aus allen Nähten.Leo

 

Der Kurs nennt sich „TALLER DE EXPRESIÓN ARTÍSTICA“ (“ Sich künstlerisch ausdrücken”) und beinhaltet die Idee, dass die Kinder durch Bastelarbeiten und Malerei ihre künstlerischen Fähigkeiten entdecken und lernen sich durch diese mitzuteilen. Auch das Medium Schauspiel und Pantomime wird verwendet, damit die Kinder lernen sich körperlich ausdrücken.

Catherine und Fabiola

 

Dieser Mix an Aktivitäten ist ein voller Erfolg bei den Kindern. Oft sind sie überrascht von ihren Fähigkeiten.

 

Daniela berichtet mir: „Was für Leo und mich am wichtigsten ist, ist dass die Kinder Spaß haben. Wenn wir sie durch Spiel und Spaß motivieren, ist es auch einfacher, dass sie Vorurteile und Ängste vergessen.“

 

Die Kinder werden spielerisch an die Welt der Kunst herangeführt. Ihrer Ausdrucksweise soll keine Grenzen gesetzt werden. Außerdem soll der Kurs dazu dienen, das Selbstbewusstsein und auch das Verhalten gegenüber anderen durch Gruppenarbeit zu fördern.

 

ClauditoLeo und Daniela möchten am Ende dieses Jahres zusammen mit den Kindern eine Fotoausstellung auf die Beine stellen, in der alle Aktivitäten dokumentiert und die Fortschritte der Kinder sichtbar gemacht werden soll.

 

 

Seit einem halben Jahr unterstützt viSozial-Chile nun das Projekt des Kunst-und Theaterkurses. Ohne die Unterstützung der Paten und den Sachspenden aus Deutschland wäre dies sicher nicht möglich.

Vielen Dank an alle.

 

Hilfe von weit weg

Mittwoch, den März 26, 2008 von Katharina Schreibe hier dein Feedback zum Artikel! »

Heute kam wieder ein Päckchen aus Deutschland an. Der kleine Pablo hat es etwas schüchtern in Empfang genommen. Als er danach jedoch ganz stolz seinen Freunden die Gummibären, das Puzzle und die Utensilien für die Schule zeigt ist ihm die Freude regelrecht ins Gesicht geschrieben. Er weiß, dass die Sachen von seiner „Madrina“ aus Deutschland kommen. „Das ist ganz weit weg.“ bestätigt er mir. Und doch wird mit jedem Päckchen oder Brief eine kleine Brücke gebaut, durch die sich zwei Menschen ein bisschen näher sind.

FabiolaDie Aufmerksamkeiten aus Deutschland gehen nicht spurlos an den Kindern vorbei. Sie sind stolz, dass sie einen Paten haben und wenn jemand ein Päckchen bekommt wird der Inhalt von allen bestaunt.

Luis der Direktor von Los Pinos findet die Patenschaften eine gute Sache. „Da die Kinder meist in einem Umfeld aufwachsen in dem es nicht viele Sachen von großem Wert gibt, ist es wichtig dass sie sich über etwas freuen können und lernen etwas zu wertschätzen.“ , sagt er.

Und tatsächlich ist jeder Gruß aus Deutschland ein Grund zur Freude. „Ich habe schon zwei Päckchen und drei Briefe von meiner Madrina bekommen.“ erzählt Fabiola stolz. Das kleine Fotoalbum, das in einem der Päckchen war, hat sie immer in ihrem Rucksack und nimmt es überall mit hin.

Elena, eine von den Älteren im Los Pinos, erzählt mir: „Es ist ein bisschen komisch aber auch toll, dass es jemanden gibt der an einen denkt, der aber so weit weg ist.“

Ausflug - EisessenDass auch die Eltern der Volontäre etwas gutes zum Projekt beisteuern, bewiesen die Eltern von Lukas, unserem derzeitigen Volontär im Los Pinos. Als Geburtstagüberraschung für Ihren Sohn und die Kinder von Los Pinos, haben sie mit Hilfe von viSozial zum Eis essen eingeladen. Für 50 Kinder wurde ein kleiner Ausflug organisiert und jeder bekam ein großes Eis. Die Überraschung war wirklich gelungen und alle hatten ihren Spaß.

Dank unserer Paten, Volontäre und deren Eltern ;-) konnten wir für die Kinder von Los Pinos in letzter Zeit eine Menge auf die Beine stellen und ihnen somit den Aufenthalt im Projekt ein wenig abwechslungsreicher gestalten.

Für diese Unterstützung einen ganz grosses Dankeschön.

 

Weihnachten in Quilotoa

Dienstag, den Januar 15, 2008 von Ute 4 Kommentare »

Direkt vor den Feiertagen ist das viSozial-Team in Ecuador nach Quilotoa gefahren, um den Patenkindern im Rahmen der Weihnachtsaktion Geschenke zu überbringen.

Hier möchte ich euch nun über Weihnachten im andinen Hochland von Ecuador erzählen. Wir haben wieder fleißig Fotos für euch gemacht und sogar ein kleines Video gedreht:

Die meisten Einwohner Südamerikas gehören dem katholischen Glauben an und so ist Weihnachten auch in Ecuador ein bedeutender Feiertag. In großen Städten wird das wichtigste christliche Fest recht ähnlich wie in Deutschland gefeiert, mit einem guten Essen an Heiligabend, Kirchbesuchen, Familienzusammenkünften am Weihnachtsfeiertag, Geschenken, Plätzchen und geschmückten Plastikbäumen. In abgelegenen indigenen Gemeinden in den Anden sind die Bräuche hingegen etwas anders…

Am Wochenende vor Weihnachten fuhr das Team von viSocial Ecuador nach Quilotoa, einem kleinen Dorf auf 3800 Meter Höhe in den Anden. Dort befindet sich das Hauptprojekt von viSocial, das in der Unterstützung der Schüler der Gemeinde mit ihren fünf Grundschulen und ein paar Oberschülern besteht.

Schon auf dem Weg nach Quilotoa konnten wir einen Brauch hautnah erleben: kleine „Wegelagerer“ blockierten die Straße und ließen uns erst nach einer Bestechung mit Süßigkeiten passieren! Glücklicherweise war unser Fahrer vorbereitet und wir konnten den Kinder entlang der Route mit Schokolade und Keksen eine Freude machen.

Als wir einige Straßenblockaden später in Quilotoa am Haus unseres lokalen viSozial-Koordinators José ankamen, war es dunkel und ordentlich kalt. Josés Frau hatte uns aber bereits einen Canzelazo zubereitet, die hiesige Variante von Glühwein aus Naranjilla-Früchten, einem andinen Nachtschattengewächs, dem man selbst einen Schuß Rum nach Belieben beifügt.

In gemütlicher Runde mit José, seiner Frau Delfina und sechs seiner acht Kinder erzählte uns die Familie von Weihnachten in den ecuadorianischen Anden. Neben den auch uns bekannten Bräuchen, wie einem gemeinsamen Essen im Kreis der Familie, stehen in Quilotoa nicht die Geschenke, ein Besuch in der Kirche oder die Zusammenkunft der Familie im Vordergrund. An Weihnachten fahren die Familien von Quilotoa abends in den nächstgroßen Ort Zumbahua, wo auf dem Marktplatz ein reges Treiben herrscht. Von mehreren umliegenden Dörfern und Weilern kommen die Menschen hierher, um zu feiern. Sie bringen holzgeschnitzte Masken mit, die während des Jahres teilweise als Schmuck an den Wänden der Wohnungen hängen. In Gruppen tanzen die Maskierten auf dem Platz, wobei jede Person eine individuelle Rolle tanzt. Es handelt sich also nicht um einen einstudierten Gemeinschaftstanz, sondern um ein improvisiertes gemeinschaftliches Tanzen. Erst spät am Abend finden die Tänze ein Ende und die Teilnehmer machen sich zu Fuß oder auf einfachen Pritschenwagen auf den Heimweg.

Auch wir kuschelten uns tief in unsere Schlafsäcke, nachdem das Feuer in dem kleinen Holzofen in Josés Wohnzimmer erlöscht war. Am nächsten Morgen schon während wir früstückten, versammelten sich immer mehr Kinder teilweise mit ihren Eltern auf der Wiese vor Josés Haus. Um zehn Uhr war die Wiese dicht belagert und mehrere Schulklassen sowie eine Kindergartengruppe sangen der Reihe nach ein Weihnachtslied auf Quechua, Spanisch und sogar Englisch. Fleißig klatschten wir mit den Kindern mit, zum einen, um die kleinen Sänger anzufeuern, zum anderen, um unsere kalten Hände zu wärmen.

Nachdem jedes Kind eine Tüte mit Süßigkeiten erhalten hatte, blieben nur noch die Kinder des Patenprogramms von viSocial da. Nach Schulen wurden sie einzeln aufgerufen und holten sich ihr Weihnachtsgeschenk ab. Jedes Kind bekam von viSocial ein altersgerechtes Puzzle geschenkt, und die Kinder mit persönlichen Patenpäckchen erhielten auch diese. Als wir die Kinder mit ihren Geschenken fotografieren wollten, waren fast alle so aufgeregt, dass sie gar nicht in die Kamera lächeln konnten, aber Tom fand das Zauberwort heraus: „Asi!“ Das heißt „Lächeln“ auf Quichua.

Nach über fünf Stunden und mit eiskalten Füßen war der Spuk vorbei und nur einige Nachzügler, die nicht früher ins Dorf kommen konnten, mussten noch versorgt werden. Die Kinder hatten sich fröhlich auf den Heimweg gemacht, und wir wärmten uns mit heißer Suppe auf, bevor wir den Rückweg durch die weihnachtlichen Straßensperren der Kinder nach Quito antraten.

Auch dieses Jahr konnten wir so durch die Unterstützung von Paten, viventura-Reiseteilnehmern und Spendern den Kindern von Quilotoa wieder eine kleine Weihnachtsfreude bereiten.

Vielen Dank im Namen der Kinder von Quilotoa an alle Unterstützer von viSocial Ecuador!!!

 

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