Weihnachten 2007 in Peru
Leise rieselt der Schnee…
Leider nicht im Zentrum Arequipas, doch auf den hohen Gipfeln unserer Hausvulkane Misti und Chachani sehr wohl. Dies lies wenigstens ein wenig Weihnachtsgefühl im Süden Perus aufkommen, denn die blinkenden Lichterketten der Häuser und die doch eher salsa-rhythmisch klingenden Weihnachtslieder in den Straßen ließen nicht gerade an ein wohlig gemütliches Weihnachtsfest erinnern. Denn das Fest der Liebe im Inkastaat unterscheidet sich doch in einigen festlichen Aktivitäten sehr stark von unserem Weihnachtsfest in Deutschland:
Ich war auf 21 Uhr an Heilig Abend (Noche Buena) zu Gast bei einer befreundeten Familie eingeladen. Kurz vor halb zehn fiel dem Gastvater ein, den Truthahn in der Stadt abzuholen, bevor wir endlich wie verabredet zu einem Cocktail bei Verwandten eintrafen. Ich hatte den ganzen Tag nichts gegessen, denn ich freute mich wahnsinnig auf den saftigen Vogel, doch nichts da… es gab Alkohol in rauen Mengen, bis wir um 23 Uhr zu weitern Verwandten aufbrachen. Dort wurden wir an einer festlich gedeckte Tafel empfangen und plötzlich, kurz vor Mitternacht, gab es einen Aufruhr: ‚Es ist gleich 12’ und alle wurden recht nervös. Ich fragte naiv in die Runde: ’Und was passiert um 12?’ ‚Na, dann ist Weihnachten!’. Mh, so hatte ich das allerdings noch nie gesehen, denn Weihnachten war für mich bisher immer Heilig Abend und die Feier endete in Deutschland meist schon um 22h, wenn alle müde ins Bett.
- Wir versammelten uns alle draußen, wo es ein großes Feuerwerk gab, so wie bei uns zu Silvester. Es wurde mit Sekt angestoßen und das Christuskind in der Krippe aufgedeckt (denn nun war es erst geboren). Danach durften die Kinder endlich ihre Geschenke auspacken, aber längst nicht in den rauen Mengen, die wir von zu Hause kennen. Gerade die ärmeren Familien in Peru können sich oft gar keine Aufmerksamkeiten für ihre Kinder leisten. Auch Weihnachtsbeleuchtung oder einen Truthahn sucht man z.B. auf Capachica vergeblich. Um aber dennoch das Fest der Freude mit unseren Patenkindern zu teilen, haben wir auch dieses Jahr wieder in all unseren Patenschaftprojekten eine kleine Weihnachtsfeier veranstaltet.
Dieses Jahr überraschten wir die Kinder mit dunkelblauen, warmen Fleecejacken, denn hier kann es vor allem im Winter nachts ziemlich kalt werden. Insgesamt wurden 694 Jacken in allen Größen bestellt und pro Projekt verpackt. Durch diese enorme Menge konnten wir einen Sonderpreis für die Jacken aushandeln und bezahlten schlussendlich 20 Soles (5€) pro Stück. viSozial streckte dabei das Geld vor und konnte dank großzügiger Spenden fast die gesamten Kosten decken.

Die Kampagne in Puno und Capachica wurde am 2. und 3. Dezember 2007 durchgeführt und waren ein voller Erfolg! Nach tagelanger Vorbereitung bis in die langen Abendstunden war endlich alles organisiert. Über 300 Jacken wurden verpackt, Panetón und heiße Schokolade für die Kinder eingekauft. Das gesamte viventura Team und 2 freiwillige Helfer reisten nach Capachica, um dort die Geschenke zu überreichen und ein paar schöne Stunden mit den Kindern und ihren Familien zu verbringen. Die Kinder bastelten, malten und füllten eifrig ihre Fichas aus (Datenblätter) und im Blindenzentrum überraschte man uns mit eigens einstudierten Tänzen und Liedern. Zur gleichen Zeit wurde das lang ersehnte Wasserprojekt für die Gemeinden Chifrón und Hilata eingeweiht. Welch ein Fortschritt! Endlich verfügt jeder Haushalt über einen Brunnen vor dem Haus und erspart den Familien somit die schwierige Arbeit des Wasserholens aus dem See. Dies wurde natürlich gebührend mit Tänzen, Bier und gebratener Forelle gefeiert.

Eine Woche später veranstalteten wir auch ein großes Weihnachtsfest in Arequipa für unsere Schüler in Villa Cerillos. Das viSozial und viventura-Büro schloss daher einen Vormittag seine Pforten und fuhr voll bepackt mit schönen Sachen zu den Kindern. Auch hier wurden im Vorfeld 309 Kinder warme Fleecejacken bestellt, Pantetón und heisse Schokolade eingekauft und ein Clown engagiert, der zur Unterhaltung beitragen sollte.

Mit der Schulglocke endeten die letzten Prüfungen um 9.20h und das Programm konnte beginnen: der Clown, ein Weihnachtsmann (Papa Noel) und Scoopy Doo brachten die Kinder in der grossen Aula zum toben, sie sangen aus voller Kehle moderne spanische Rocklieder und trugen selbst kleine Ständchen auf der Bühne vor, wofür sie dann Luftballons erhielten. Danach wurden die gespendeten Jacken und die geschickten Patengeschenke an die Kinder verteilt. Von jedem Kind wurde natürlich auch ein Foto geschossen. Diese wurden nun nach und nach an die Paten per Email verschickt.
Ein runder Abschluss bot schließlich der Ausschank von duftender heißer Schokolade und Biscochos, kleine süße Brötchen mit getrockneten Früchten, bevor die Schüler in ihre wohlverdienten 3-monatigen Schulferien entlassen wurden.
Alles in allem war dies eine sehr gelungene Weihnachtskampagne und wir möchten allen Paten für die tolle Unterstützung, die vielen Briefe und Geschenke und die Spenden im Namen der Schulkinder in Peru recht herzlich danken.
Bilder von den Kampagnen an Weihnachten 2007 findet ihr in unserer viGalerie:
- Für Arequipa klickt bitte hier
- Für Puno und Capachica klickt bitte hier
Euer viSozialteam aus Peru
