Besuch bei Para dar Esperanza
In der letzten Woche war es soweit: Wir neuen viSozial-Praktikantinnen aus dem Büro Ecuador machten uns auf, um unser Soziaprojekt Para dar Esperanza kennenzulernen. Para dar Esperanza befindet sich in Quitos Viertel Santa Maria. Hier leben sehr viele arme und benachteiligte Familien, deren Kinder häufig unter familiären Problemen wie Aggressivität und innerhäuslicher Gewalt leiden; Fürsorge im Elternhaus ist vielen nicht bekannt. Diese Kinder können ihre Nachmittage im Projekt Para dar Esperanza verbringen. Ihnen wird hier nicht nur mit Hausaufgabenbetreuung und einer Mahlzeit, sondern auch mit pädagogischer und psychologischer Unterstützung geholfen.
Als wir ankamen, war das Gebäude von Para dar Esperanza, bestehend aus einer kleinen Küche und drei kleinen Räumen, schon voll. Etwa 45 Kinder waren da, die unter Anleitung von Betreuerinnen entweder spielten und malten, Hausaufgaben machten oder an einem der drei Computer im Projekt Unterricht hatten. Wir wurden von allen Kindern sehr freudig und mit lauten Sprechchören begrüßt, ausgefragt und nicht mehr losgelassen, bis wir jedes Kind einmal auf den Arm genommen hatten. Wir waren überrascht über die Herzlichkeit und Anhänglichkeit der Kinder uns Fremden gegenüber, besonders vor dem Hintergrund der häuslichen Situation vieler Kinder. Auch untereinander gingen die Kinder sehr fürsorglich und respektvoll miteinander um und zeigten eine große Dankbarkeit für die Hilfe, die ihnen durch das Projekt geboten wird.
Den restlichen Nachmittag verbrachten wir mit ihnen auf dem Spiel- und Bolzplatz neben dem Gebäude, wo sie sich austoben konnten, bevor die hungrigen Mägen mit etwas Besonderem gefüllt wurden: Ein kleiner ortsansässiger Laden hatte für die Kinder von Para dar Esperanza Würstchen gespendet, die die Kleinen mit großer Begeisterung verspeisten! Nach dem gemeinsamen Zähneputzen packten alle Kinder ihre selbst mitgebrachten Teller, Löffel und Tassen ein und machten sich auf den Heimweg.
Derzeit wird Para dar Esperanza mit einigen Problemen konfrontiert: Das Grundstück, auf dem sich das angemietete Gebäude befindet, steht zum Verkauf. Es ist ungewiss, wie lange das Projekt dort fortgeführt werden kann. Eine Alternative gibt es bisher nicht. Die finanziellen Mittel zum Kauf dieses oder anderer Grundstücke des Viertels Santa Maria fehlen. Das große Ziel der Projektmitarbeiter, eine eigene Schule in Santa Maria zu errichten, in der alle Kinder ihre Schulzeit über die Pflichtjahre hinaus beenden können und gleichzeitig die Fürsorge bekommen, die ihnen zu Hause fehlt, liegt in weiter Ferne.
Für Unterstützung, sei es als Spende oder durch Mithilfe im Projekt, wären die Kinder aus Santa Maria sehr dankbar!
Reittherapie für die Kinder der FUSA
Ein Wiehern hallt durchs Wohnzimmer. Die 11-jährige Maria Carolina sitzt vor dem Fernseher und schaut einen Pferdefilm. Sie ist aufmerksam, konzentriert und lächelt. Sie liebt Pferde wie so viele Mädchen in ihrem Alter. Dabei kann sie noch nicht einmal das Wort Pferd sagen. Maria Carolina ist mit dem Angelman-Syndrom auf die Welt gekommen, einem neurologischen Geneffekt, den eine angeborene Intelligenzstörung, epileptische Anfälle, eine gestörte Psychomotorik und eine fehlende Sprachentwicklung charakterisieren. Im besten Fall wird sie in ihrem Leben fünf verschiedene Worte sprechen können. Maria Carolinas einziges Wort ist bisher Papa.
Seit Februar 2006 hat die von viSozial unterstütze Organisation FUSA – Fundacion Sonrisa de un Angel - die Möglichkeit mit den geistig und körperlich behinderten Kindern alle 2 Wochen zur Therapie zu kommen. Das war vorher nicht möglich, da die finanziellen Mittel für Therapie und Transport fehlten. Die Finanzierung des Transports ist mittels der Spendengelder von viventura-Reiseteilnehmern nun möglich. Die 8 Kinder der FUSA freuen sich seitdem jeden 2. Dienstag auf den Ausflug ins Tal und genießen den Kontakt zu den großen ruhigen Tieren.
Vor drei Jahren hat Maria Carolina schon einmal Reittherapie gemacht, die ihr sehr gut getan hat. Denn die dreidimensionale Schwingung des Pferderückens trainiert die Grobmotorik, das Gleichgewicht und die Halte-und Stützfunktionen. Ihre Mama Rocio hat ihr gesagt, dass sie wieder Reiten darf und sie ist wie ausgewechselt. Sie erinnert sich an die großen Tiere und wartet auf den großen Tag.
Wir bringen sie zum Pferd, da sie nicht ohne Stütze laufen kann. Dann bekommt sie plötzlich Angst, schreit und schlägt um sich. Das Pferd steht geduldig und still. Mit viel Geduld und gutem Zureden schaffen wir es, dass sie sich auf das Pferd setzen lässt. Die ersten Schritte ist sie angespannt, dann beruhigt sie sich ein wenig und wir schaffen 2 Runden und ein paar Übungen mit den Armen. Dann reicht es, sie fängt wieder an zu schreien und will nicht mehr. „Sie hat sich tagelang gefreut, sie hat auf jedes Pferd gezeigt, dass sie in einer Zeitschrift gesehen hat und gestrahlt“, sagt Rocio. Keiner versteht, warum sie sich sträubt. Heute hat sie ihre 3. Therapiestunde beendet, mittlerweile sitzt sie alleine auf dem Pferd und macht Übungen mit der begleitenden Therapeutin. Sie legt sich mit dem Kopf nach unten auf das Pferd, reckt die Arme nach oben und seitwärts oder reitet rückwärts.
Die Nutzung der Bewegungen des Pferderückens hat bereits erstaunliche Erfolge in der Behandlung verschiedener physischer und mentaler Erkrankungen und Behinderungen gebracht. Es wird nicht als Therapie empfunden und bewirkt unmittelbare positive Erlebnisgefühle der Freude und des Spaßes.
Allgemein steht die FUSA momentan finanziell auf sehr wackeligen Beinen und viSozial half der Fundacion diesen Monat mit einer Sonderspende von 500 USD für Miete und laufende Kosten wie Wasser und Elektrizität aus der Krise.
Über jede Unterstützung sind Maria Carolina, ihre Mama Rocio und alle anderen Kinder und Eltern dankbar, sei es als Spende oder durch Mithilfe im Projekt.
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