Bibliothek Luis Angel
Die Bibliothek Luis Angel existiert bereits seit 1992 und ist Anlaufstelle für alle Kinder des Viertel Pablo Escobar in Medellin. Luis Angel, der seit seinem 10. Lebensjahr an Muskelschwund leidet, führte die Bibliothek bisher ohne jegliche Unterstützung von Außen. Dieser besondere Ort bietet den Kindern des Viertels eine Alternative zum Zeitvertreib auf der Straße. Hier können sie ihre Hausaufgaben machen, lesen und lernen.
Das Viertel Pablo Escobar
Das Barrio Pablo Escobar gibt es erst seit 1984 und ist auch bekannt unter dem Namen “Medellin sin tugurios” – Medellin ohne Hütten, da dieser Ort früher eine Müllhalde war und die Menschen dort auf Pappkartons zwischen Ratten und Geiern lebten. In der Blütezeit des Drogenbarons Pablo Escobar, kaufte dieser die Grundstücke und schenkte sie den Menschen, die dort “hausten”. Er versprach ihnen sogar ihnen möblierte Häuser auf diesen Grundstücken zu errichten. Dazu kam es nicht mehr, da Pablo ständig auf der Flucht war und 1993 vom kolumbianischen Militär erschossen wurde. Teilweise schenkte seine Familie dann Häuser oder finanzierte den Bau dieser. Auch das Haus von Don Luis, in der er die Bibliothek hat, wurde von Pablos Mutter gestiftet.
Im Barrio Pablo Escobar hat ca. 10.000 Einwohner. Die wenigen Menschen, die Arbeit haben, sind zumeist Bauarbeiter, Boten oder Straßenverkäufer. Sie leben von der Hand in den Mund und erfinden Arbeit, um überleben zu können z.B. Herstellung und Verkauf von Waschmittel, Autos putzen etc..
Das Leben im Viertel war nicht leicht und noch dazu sehr gefährlich. Ende der Achtziger/Beginn der Neunziger Jahre konnten die Menschen teilweise ihre Häuser nicht verlassen. Die Gefahr eines Bombenanschlags oder in ein Gefecht zu geraten war zu gross. Niemand wußte wer zu “den Bösen” und wer zu “den Guten” gehörte. Damals bekam man von Pablo Escobar 1000 Dollar für einen getöteten Polizisten. Die Menschen dort gehörten zu den verschiedenen Banden/Kartellen, zur Guerilla, zu den Paramilitärs….
Heute ist es ruhiger – dennoch gibt es Banden, die das Viertel kontrollieren und “sichern”, denn Polizei gibt es hier kaum. Das Barrio Pablo Escobar ist immer noch nicht 100%-ig legalisiert. Deshalb gibt es keine Schule, keinen Spielplatz, kaum Polizei…
Projektbeschreibung
Luis Angel gründete 1992 die Bibliothek auf Ratschlag einer Freundin: Luz Marina. Sie half ihm auch die ersten Bücher zu besorgen und Regale zu bauen. Luis ist, trotz seiner Krankheit, die es ihm kaum noch ermöglicht sich zu bewegen, ein Lebensfroher Mensch mit ganz konkreten Vorstellungen. Luis kommt aus einem kleinem Ort namens Titiribi, in der Nähe von Medellin. Auch seine Mutter und seine Tanten litten an Muskelschwund – die meisten von ihnen Leben nicht mehr. Über seiner Wohnung hat Luis noch ein Zimmer, mit dessen Vermietung er seine Nebenkosten und Lebensmittel zahlt, er ist aber auch darauf angewiesen, dass Nachbarn ihm ein Mittagessen schenken.
Die Unterstützung, die Luis von Freunden bekommt überwältigt uns. Esneider und Tom, zwei junge Männer, helfen Luis morgens aus dem Bett auf seine Matratze, auf der er tagsüber sitzt und abends wieder ins Bett. “Ich habe mich früher um die beiden gekümmert” erzählt uns Luis “als sie noch klein waren und ich mich noch bewegen konnte, habe ich auf sie aufgepasst und mit ihnen Fussball gespielt”. Fussball ist Luis´Leidenschaft – mit den Kinder spielt er heute noch ab und zu Kopfball
Luis´ Traum ist es, den Kindern einen attraktiven Ort zu bieten, an dem sie ihre Fähigkeiten entwickeln können. Die Bibliothek ist eine Symbiose, denn Luis hilft den Kindern und sie helfen ihm, da er eine Aufgabe, die ihm Selbstvertrauen schenkt. Er rührt sich um seine Mitmenschen, ist sehr aufmerksam und hilft den Kindern liebevoll bei ihren Hausaufgaben.
viSozial möchte Luis in seiner Arbeit unterstützen, in dem wir die Bibliothek noch attraktiver gestalten, neue Bücher kaufen, evtl. einen Computer und die Lebensqualität von Luis verbessern, damit er den Kindern noch mehr helfen und die Bibliothek noch lange leiten kann. Die Kinder sollen eine Alternative zum Leben auf der Straße bekommen, lernen, dass sie es schaffen können einen Schulabschluss zu machen und eine Ausbildung zu bekommen. Die Jugend der letzten Generation ist mit viel Gewalt aufgewachsen, aggressiv und schnell erwachsen geworden – mit Hilfe der Bibliothek soll diese Generation Kinder anders aufwachsen: sie sollen ihre Kindheit leben können und mit Zuneigung, Geborgenheit und Sicherheit lernen.
Auch die Gemeinde soll stark mit in unsere Arbeit einbezogen werden. Der Gemeinderat Wberney steht hinter Bibliothek und der neuen Kooperation mit viSozial und wird der Knotenpunkt zwischen uns und der Gemeinde sein.
Wie alles begann:
1992 Gründung der Bibliothek
2005 Dokumentation von Jan Gabriel über das Viertel und die Bibliothek
2009 Beginn der Arbeit mit viSozial e.V.
Unsere aktive Hilfe bedeutet:
- Verbesserung der Lebensqualität von Luis durch Physiotherapie und Umgestaltung seines Hauses
- Anschaffung neuer Bücher
- Verschönerung der Bibliothek
- Anbieten verschiedener Kurse wie z.B. Englisch oder Lesestunde
Mit deiner Spende – www.visozial.org/spenden – kannst du Luis mit seiner Bibliothek unterstützen!


