Bolivien
Bevölkerung |
10,9 Mio. |
|---|---|
Arbeitslosigkeit |
9 % |
Analphabeten |
4 % |
Säuglingssterblichkeit |
44 von 1000 |
Lebenserwartung |
64 Jahre |
Pro Kopf Einkommen |
1651 USD |
Bev. mit weniger als 2 USD am Tag |
50 % |
Mindestlohn |
70 EUR pro Monat |
Geographie
Bolivien ist ein südamerikanischer Binnenstaat. Die Nachbarstaaten Boliviens sind Peru und Chile im Westen, Brasilien im Osten und Norden und Argentinien und Paraguay im Süden. Geografisch gliedert sich Bolivien in drei Gebiete: Die andine Region, die sich auf über 3000 m Höhe befindet, umfasst das Hochland und die Kordilleren. Das subandine Gebiet, also die Täler und die Bergnebelwälder, befindeen sich zwischen dem Hochland und dem warmen östlichen Tiefland. Seine tropisch warmen Savannen und Wälder beginnen am Fuße des subandinen Gebietes und erstrecken sich bis an die brasilianische bzw. paraguayische Grenze. Bolivien umfasst drei Wassereinzugsgebiete: den Titicacasee und Salzseen der Umgebung, den La Plata-Fluss und den Amazonas.
Bevölkerung
Die bolivianische Bevölkerung ist zu über 60% indigenen Ursprungs und stammt zum großen Teil aus den Volksgruppen der Quechua, Aymara und Guarani. Die restlichen 40 % setzen sich vor allem aus Mestizen, also Nachkommen der Ureinwohner und Spanier, und Weißen zusammen.
Ungefährt zwei Drittel der Bolivianer leben in den Städten. Das Durchschnittsalter beträgt 25 Jahre. Im Schnitt bekommt eine bolivianische Frau vier Kinder. Die Hauptstadt Boliviens ist Sucre, das mit nicht ganz 300.000 Einwohnern deutlich kleiner ist, als die wichtigen Großstädte Boliviens, Santa Cruz, das mit weit über 1,5 Millionen Einwohnern mit Abstand die größte Stadt Boliviens ist, sowie El Alto (über 900.000 Einwohner), La Paz (850.000 Einwohner) und Cochabamba (über 600.000 Einwohner).
Politik
Seit Dezember 2005 und voraussichtlich bis 2015 ist Evo Morales Staatspräsident. Mit einer absoluten Mehrheit wurde er zum ersten indigenen Staatspräsidenten Boliviens gewählt. Bolivien ist eine parlamentarische Demokratie, die bis Anfang des 21. Jahrhunderts von einer zentralistischen Regierung mit Basis in La Paz geleitet wurde. Seit 1998 befindet sich Bolivien in einem Prozess der administrativen Dezentralisierung, welcher nun unter der Regierung Morales die Selbstverwaltung der Regionen in der Verfassung verankert hat.
Die aktuellen politischen Ziele sind ambitioniert und bringen Morales in der Bevölkerung Sympathien ein: neben der Bekämpfung der Korruption und Armut im Land hat er sich als eines der wichtigsten Ziele die völlige Gleichstellung und Integration der indigenen Bevölkerung innerhalb der bolivianischen Gesellschaft gesetzt. In vielen Bereichen wurden positive Resultate erzielt. So gelang es unter seiner Regierung, die Analphabetenrate innerhalb weniger Jahre fast auf Null zu reduzieren, in anderen Bereichen aber, wie in der Wirtschafts- und Außenpolitik, bleiben die Ergebnisse bescheiden und erzielen bisher nicht die von der Bevölkerung seit langem erwarteten Ergebnisse der Reduzierung der Armut mittels Schaffung von Arbeitsplätzen.
Wirtschaft
Bolivien ist ein Land ohne breite industrielle Basis. Es exportiert deshalb vor allem landwirtschaftliche Erzeugnisse und Rohstoffe, insbesondere Soja, Erdgas und Erze, und ist somit den Schwankungen der Rohstoffpreise auf dem Weltmarkt ausgesetzt. In den letzten Jahren hat sich ein noch schwacher verarbeitender Sektor entwickelt, so dass inzwischen auch Holzprodukte, Leder und Textilien hergestellt werden. Das nominale Bruttoinlandsprodukt liegt bei USD 1651,- pro Kopf. Wichtige Investitionen sind im Erdöl- und Erdgassektor vorgesehen.
Ein großer Teil der Bolivianer arbeitet in der informellen Wirtschaft, im Kleinhandel, Transportwesen, in kleinen Gewerbeunternehmen. Nur ca. 25% der Erwerbsbevölkerung hat sozial abgesicherte Arbeitsplätze.
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Gesundheit und Bildung
Bolivien befindet sich unter den Ländern mit den schlechtesten Gesundheitsindikatoren weltweit. Dies liegt unter anderem daran, dass ca. 50 % der Bevölkerung mit weniger als 2 US Dollar täglich auskommen muss, und dementsprechend keine ausgewogene Ernährung bekommen. Das Gesundheitssystem bietet öffentliche Dienste, Krankenkassen und Privatdienstleistungen an. Diese decken ca. 70 % der Bevölkerung ab. Die Qualität der Gesundheitsversorgung variiert stark zwischen öffentlich und privat und auch zwischen Stadt und Land. Auf dem Land fehlen sehr oft Krankenstationen, Krankenhäuser und ausgebildetes Personal. Dies trägt auch zur hohen Säuglingssterblichkeit (44 von 1000 Lebendgeborenen) bei. Etwa 30% der Bolivianer suchen Heilung in der traditionellen Medizin, sind also von moderner, professioneller Versorgung abgeschnitten.
Das Bildungssystem erreicht ca. 85% der Bevölkerung. Es herrscht Schulpflicht bis zur 6. Klasse und obwohl in den letzten Jahren die Ausbildungsqualität an den Schulen zugenommen hat, ist die Abbrecherquote vor allem bei der indigenen Landbevölkerung hoch. Das Hauptproblem der bolivianischen Universitäten und Berufsschulen ist die fehlende Anbindung an den Arbeitsmarkt. Die Auswanderung gut ausgebildeter Fachkräfte ins Ausland ist ein weiteres Problem im bolivianischen Bildungssektor.
Sicherheit
Aufgrund der starken Landflucht der letzten 25 Jahre sind Städte wie El Alto und Santa Cruz rapide gewachsen und haben die Zahl von einer Million Einwohner überschritten oder stehen kurz davor. Dies, gepaart mit mangelnden Arbeitsperspektiven, hat die Kriminalitätsraten erhöht. Bolivien gehört jedoch nach wie vor zu den sichereren Nationen Südamerikas, da es hier weder bewaffnete Konflikte noch Rebellengruppen gibt, die ihr Unwesen treiben. Trotzdem ist der Staat nicht in der Lage, überall für Sicherheit zu sorgen. Dies und eine korrupte Justiz und Polizei haben bewirkt, dass die Menschen oft mit eigener Hand echte oder angebliche Kriminelle bestrafen. Aktuelle Informationen über die Sicherheitslage in Bolivien finden sich auf der Homepage des Auswärtigen Amtes».
Probleme des Landes
Das Hauptproblem Boliviens ist die ungleiche Verteilung der Einkommen (der Mindestlohn liegt bei ca. 70 EUR monatlich) und die daraus entstehende Armut. Bolivien ist nach Haiti, Guatemala, Honduras und Nicaragua das fünft ärmste Land Lateinamerikas. Betroffen sind vor allem Frauen und Kinder in ländlichen Regionen. Ein großer Teil der Landbevölkerung lebte bis vor wenigen Jahren ohne nennenswerten Zugang zu Grundversorgung, Bildung und Infrastruktur, was die Landflucht begünstigte. Obwohl diese Tendenz dank einer neuen sozialen Politik langsam abnimmt, lebt die Landbevölkerung mehrheitlich von der Landwirtschaft und leidet nach wie vor unter Missernten, Dürren oder Überschwemmungen.
Eines der größten Probleme auf dem Hochland rund um den Titicacasee ist die Abwanderung der jungen Menschen in die Städte oder ins Ausland, wo sie aufgrund ihrer schlechten Schulausbildung kaum Chancen auf einen Zugang zu höherer Bildung oder auf gute Arbeitsplätze haben. Die Dörfer und kleinen Gemeinden auf dem Hochland verlieren dabei die junge Generation und sterben langsam aus. Die Städte bieten andererseits kaum sichere Arbeitsperspektiven, was viele Menschen in die informelle Wirtschaft gedrängt hat. Hier sind die Grenzen zu Kriminalität und Ausbeutung fließend. So ist die Stadt El Alto aufgrund der Landflucht in weniger als 30 Jahren von ca. 100000 Einwohnern auf über eine Million gewachsen. Sie ist auch die jüngste (65% der Bevölkerung ist schulpflichtig) und die ärmste der bolivianischen Städte. Hier prallen traditionelle ländliche Lebensstile auf die Entwicklungen der Moderne. Negative Erscheinungen sind Arbeitslosigkeit, Alkoholismus und Kriminalität, die Konsequenzen daraus sind oft zerfallende Familien, Gewalt und Obdachlosigkeit und die Betroffenen sind meist Kinder, Jugendliche und Frauen.
Obwohl der Staat Gesetze zum Schutz der Kinder und Jugendlichen vor Gewalt, Drogen und Kriminalität erlassen hat, werden diese kaum angewendet. In El Alto und La Paz z.B. formieren sich dadurch Gangs von ausgesetzten Kindern und Jugendlichen, die durch Alkohol und Drogenkonsum in ausweglose Situationen geraten.
viSozial setzt sich in Bolivien dafür ein, die Zukunftschancen der benachteiligten Kinder und Jugendlichen zu verbessern: Im Straßenkinder-Projekt in El Alto» wird mittels finanzieller Unterstützung und Vermittlung von Freiwilligen Helfern den obdachlosen und oft alkohol- und drogensüchtigen Jungen eine Alternative für die Zukunft aufgezeigt. Das Projekt in Santiago de Okola» hilft mit der Unterstützung der örtlichen Schulen bei der Verbesserung der Schulbildung der Bauernkinder am Titicacasee, um ihnen dieselben Chancen auf dem Arbeitsmarkt einzuräumen, die städtische Schüler haben. Beide Projekte vermitteln den Kindern und Jugendlichen Kenntnisse und Werte, die ihren eigenen Lebensräumen eigen sind: Die Kinder und Jugendlichen in El Alto lernen durch eigene Arbeit ihre Potentiale in Handwerk und Kreativität auszuschöpfen und den Kindern am Titicacasee vermitteln wir, wie sie ihre landwirtschaftlichen und kulturellen Potentiale einsetzen können.





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