Kolumbien
Bevölkerung |
43,6 Mio. |
|---|---|
Arbeitslosigkeit |
12 % |
Analphabeten |
10 % |
Säuglingssterblichkeit |
17 von 1000 |
Lebenserwartung |
74 Jahre |
Pro Kopf Einkommen |
6400 USD |
Bev. mit weniger als 2 USD am Tag |
28 % |
Mindestlohn |
160 EUR pro Monat |
Geographie
Kolumbien ist das nördlichste Land Südamerikas und besitzt als Einziges auf dem Kontinent sowohl Pazifik- als auch Karibikküste. Die Geografie Kolumbiens wird vor allem durch die Anden-Kordilleren geformt, die sich im Süden des Landes in drei Äste teilen und dem Land die große Vielfalt an Landschaften, Klima und eine reiche Tier- und Pflanzenwelt bescheren. An ökologischer Vielfältigkeit kaum zu überbieten wird ein Viertel des Landes durch tropischen Regenwald bedeckt. Das Land ist reich an Bodenschätzen und könnte seinen Energiebedarf zum großen Teil durch Wasserenergie abdecken. Kolumbien ist mit etwas mehr als 1,1 Million km² das viertgrößte Land Südamerikas und flächenmäßig vier Mal so groß wie Deutschland.
Bevölkerung
Kolumbien beherbergt ca. 43 Mio. Menschen (Deutschland: 83 Mio). 95 % der Kolumbianer leben auf den Kordilleren und an der Karibikküste, nur 5 % sind im Rest des Landes angesiedelt. Schaut man sich dies auf der Karte an, wird einem bewusst, wie riesig der unbewohnte Teil des Landes ist. 74 % der Menschen leben in Städten. Bogota ist als Hauptstadt auch die größte mit knapp 8 Mio. Einwohnern, gefolgt von Medellin mit 3 Mio.
Kolumbien ist wahrscheinlich das Land mit den meisten Ethnien. Seine Einwohner sind zu 58% Mestizen, 20% Weiße, 14% Mulatten, 4% Schwarze, 3% Afro-Indianer und 1% Indianer. Auch in kultureller Hinsicht ist Kolumbien ein vielseitiges Land. So feiern die Kolumbianer den 12. Oktober, den Tag der Entdeckung Amerikas durch Kolumbus, als den Tag der Ethnien um deutlich zu machen, dass diese Vielfalt eine der Stärken des Landes ist.
Politik
Vielleicht für viele überraschend ist Kolumbien die älteste und stabilste Demokratie Südamerikas. Alle vier Jahre wird ein neuer Präsident gewählt. Einzig in den Jahren zwischen 1954 und 1957 regierte ein General als Diktator, der das Land durch Krieg befrieden wollte. Er wurde nach drei Jahren vom Volk gestürzt. Die aktuell gültige Verfassung wurde 1991 verabschiedet und gilt als modern und fortschrittlich.
Präsident Uribe (2002-2010) hat es geschafft Kolumbien wieder Sicherheit zu geben. Durch hohe Präsenz des Militärs konnten Guerillas, Paramilitärs und andere bewaffnete Gruppierungen weit in den Regenwald Kolumbiens zurückgedrängt werden. Außerdem wurden zu seiner Amtszeit viele Geiseln der Guerilla befreit und der Demobilisierungsprozess begonnen. Dazu gehört ein umstrittenes Gesetz, dass Paramilitärs und Guerillas, die sich ergeben und im Kampf gegen diese Gruppierungen kooperieren, eine Maximalstrafe von 8 Jahren Gefängnis zusagt.
Kolumbiens Geschichte und Politik zu verstehen benötigt mehr als ein paar Zeilen. Für genauere Informationen steht euch der Kolumbien Blog www.kolumbien-blog.com zur Verfügung. Ausführliche Erklärungen finden sich auch in den Reiseführern von Reise Know How und Reisekompass und dem Buch „Kolumbien verstehen“.
Wirtschaft
Kolumbien wird als Schwellenland klassifiziert. Das wichtigste Exportgut ist Erdöl, das 27 % des Gesamtausfuhrerlöses darstellt, gefolgt von Steinkohle und Bodenschätzen wie Gold, Platin und Smaragde. Ein Fünftel der arbeitenden Bevölkerung ist in der Landwirtschaft tätig, dessen wichtigste Exportprodukte Bananen, Kaffee und Schnittblumen sind. Die wichtigsten Handelspartner Kolumbiens: USA, Venezuela und Ecuador. Der Dienstleitungssektor ist für die Wirtschaft von großer Bedeutung, besonders die Tourismusbranche ist seit der Amtszeit von Uribe stetig gestiegen und hat sehr positive Zukunftsprognosen. Die Arbeitslosigkeit in Kolumbien liegt offiziell bei 14 %. Diese Ziffer beinhaltet allerdings nicht die unzähligen Tagelöhner, die auf den Straßen der Großstädte Dinge verkaufen, Schuhe putzen etc.
Mit 5 EUR kannst du in Kolumbien…
… mit einer 3-köpfigen Familie Mittagessen gehen
… 10 Kilogramm Reis kaufen
… ein Heft und Stifte für den Unterricht kaufen
Gesundheit und Bildung
In Kolumbien gilt eine allgemeine Schulpflicht von 9 Jahren. Etwa 90% der über 15-jährigen können lesen und schreiben. Der Besuch der staatlichen Schulen ist kostenlos, dennoch müssen Schuluniformen und Lehrmaterial gekauft werden, was für viele Eltern ein finanzielles Problem darstellt. Die reichere Bevölkerung leistet sich meist eine Privatschule für ihre Kinder, die bis zu X Euro im Jahr kosten kann.
Im Gesundheitssystem des Landes macht sich ein starkes Stadt-Land-Gefälle bemerkbar. In den ländlichen Gebieten ist die medizinische Versorgung oft mangelhaft bis gar nicht vorhanden, wohingegen es in den Großstädten moderne Kliniken gibt. Das Versicherungssystem kann grob in 3 Stufen eingeteilt werden. Eine Art Privatversicherung, die direkt vom Versicherten (zusätzlich zu seiner gesetzlichen Krankenversicherung) gezahlt wird. Sie ist die teuerste, aber auch leistungsstärkste Variante. Die EPS ist zu vergleichen mit der gesetzlichen Krankenversicherung. Sie wird von den meisten Arbeitgebern getragen. Für die Menschen, die keine Arbeit haben, gibt es die Möglichkeit einer staatlichen Versicherung, die nur sehr wenige Leistungen beinhaltet. Trotzdem sind viele Menschen in Kolumbien nicht versichert. Die Formulare, die Ämtergänge und der damit verbundene finanzielle Aufwand hindert sie daran, sich einzuschreiben.
Sicherheit
Die Sicherheit hat sich sei der Amtszeit von Präsident Uribe (2002-2010) stark verbessert. Die meisten Teile des Landes lassen sich heute ohne Probleme bereisen. Man sollte sich vorab einfach über die entsprechende Region informieren. Kolumbien weist sowohl in den Städten als auch auf dem Land eine hohe Militär- und Polizeipräsenz auf. Dies ist eine Demonstration gegenüber den illegalen Gruppierungen des kolumbianischen Konfliktes, dass der Staat präsent ist. Vor Entführungen muss ein Besucher, der sich in den traditionellen Tourismusdestinationen und in den Großstädten bewegt, keine Angst haben.
In den großen Städten sollte man sich, wie überall auf der Welt, vor Taschendieben in Acht nehmen und bestimmte Viertel bei Nacht meiden. Aktuelle Informationen über die Sicherheitslage in Kolumbien finden sich auf der Homepage des Auswärtigen Amtes». Zusätzlich könnt ihr auch die Seite ist-Kolumbien-sicher» besuchen.
Probleme des Landes
Über 60 Prozent der Bevölkerung in Kolumbien lebt in Armut und das Land besitzt die zweitgrößte Zahl an Inlandsflüchtlingen weltweit. Dies liegt zum größten Teil daran, dass die Landbevölkerung in den weiten Teilen des Landes als Spielball der am Drogengeschäft beteiligten Gruppierungen missbraucht wird. So wird Kolumbien seine strategische Lage zum Verhängnis. Es ist das nördlichste Kokain produzierende Land und damit geografisch am nächsten am Abnehmermarkt USA. Die unzugänglichen Weiten des Landes und die nur schwer zu kontrollierenden Grenzen machen das Land zum idealen Schmuggelgebiet. Die in den Drogenhandel verwickelten Banden verlangen von den Menschen in den von ihnen kontrollierten Gebieten, an der Drogenherstellung und dem Schmuggel mitzuwirken. Wer nicht mitmacht wird vertrieben oder muss flüchten. Dies ist der Grund für die Entstehung der zunächst illegalen Stadtteile rund um die Großstädte, in denen die Flüchtlinge mit ihren landwirtschaftlichen Kenntnissen nichts anfangen können. So entsteht Arbeitslosigkeit, Unzufriedenheit, Aggressivität/Kriminalität, Alkohol- und Drogenabhängigkeit. Die Menschen fühlen sich wertlos. Viele Mütter sind alleinerziehend und haben Schwierigkeiten, sich und ihre Kinder über Wasser zu halten. Falls die Mütter eine Arbeit haben, sind die Kinder oftmals den ganzen Tag auf sich allein gestellt, so dass die älteren auf ihre jüngeren Geschwister aufpassen und schon sehr früh erwachsen werden müssen.
Das Schicksal der vielen Vertriebenen hat aber nicht nur eine menschliche Komponente, sondern wirkt sich auch auf die Umwelt aus. Durch die unkontrollierte Ansiedlung und Landnahme an den Rändern der Städte sind diese Viertel oft nicht an das städtische Versorgungs- und Entsorgungsnetz angeschlossen. Auch das Umweltbewusstsein ist dementsprechend gering. So landet der Müll von mehr als der Hälfte der urbanen Bevölkerung (urbane Bevölkerung = 74 % der Bevölkerung Kolumbiens) in der Landschaft und in den Flüssen. Dies verursacht diverse Probleme für die Umwelt: Von Verschmutzung über verstopfte Abwasserkanäle bis hin zu gesundheitlichen Problemen der Bevölkerung.
viSozial in Kolumbien
viSozial arbeitet in den beiden größten Städten des Landes: In Bogota unterstützen wir das Projekt Exito Verde» und in Medellin die Bibliothek Luis Angel».
Exito Verde» steht für Wertevermittlung. Hier wird an der Wurzel des oben beschriebenen Problems angesetzt. Viele Menschen in den illegal entstanden Stadtteilen Bogotas fühlen sich wertlos. Durch ihre Mitarbeit im Projekt, dem Schutz der Umwelt und der Arbeit in einer Gemeinschaft wird dem entgegen gewirkt. Dazu wird den Bewohnern der sozialen Brennpunkte ein Umweltbewusstsein und Wissen über Recycling vermittelt.
In Medellin führt Don Luis im illegal entstandenen Stadtteil „Pablo Escobar“ oder auch „Medellin ohne Hütten“ eine Bibliothek». Weil dieses Viertel immer noch nicht zu 100 % legalisiert ist, investiert die Stadt nicht in öffentliche Einrichtungen wie Schulen, Spielplätze oder Bibliotheken. Luis gibt den Kindern die Möglichkeit, hier ihre Hausaufgaben zu machen, zum Lesen zu kommen und so ihre Freizeit sinnvoll zu gestalten und sie vom Leben auf der Straße fernzuhalten.






[...] Entwicklungsprojekte in Bolivien, Ecuador und Peru sowie Projekte in Bolivien, Brasilien, Chile, Kolumbien, Ecuador und Peru, die in Zusammenarbeit mit anderen Organisatonen durchgeführt werden. Die [...]